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Lokales

21. August 2017 | 04:52 Uhr

Überwachung auf vier Rädern

vom

Ludwigslust/Hagenow | Überwachungskameras gehören in Deutschland an vielen Stellen des täglichen Lebens schon fast zur Normalität. In Kaufhäusern, Banken, Bahnhöfen und auf Flughäfen haben sich die Menschen an die starre Optik gewöhnt, die ihre Schritte begleitet und ihr Handeln verfolgt. Die Ablichtung von Fahrgästen während einer Fahrt mit dem Taxi steht dagegen noch am Anfang. In Hannover fordert der Taxiverband seit kurzem aus Sicherheitsgründen eine Videoüberwachung. Dort bemerken die Taxifahrer, die in Eigeninitiative Kameras installiert haben, bei ihren Fahrgästen auf jeden Fall eine Änderung des Verhaltens. Betrunkene hielten sich zurück, und auch die Häufigkeit brenzliger Situationen scheint zu sinken.

Mehr Gewaltpotenzial durch die Anonymität in Großstädten

"Das Gewaltpotenzial sehe ich durch die Anonymität des Einzelnen mehr in Großstädten", erklärt Torsten Gaertner zu dem Vorstoß. Der 43-Jährige besitzt in Ludwigslust ein Taxi-Unternehmen und nennt vier Fahrzeuge sein Eigen. Er lebe zu über 90 Prozent von der Schülerbeförderung und Behindertenfahrten. Der Rest sei reine Personenbeförderung. "Ich habe mit meinen Fahrgästen bisher noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Viele kennt man. In Hannover, wo im Dreischichtdienst gefahren wird, kann ich mir schon vorstellen, dass der ein oder andere Kollege besonders bei Nachtfahrten ein mulmiges Gefühl hat." Der Taxi-Unternehmer, der seine Flotte 1990 begründete, lehnt die Videoüberwachung per Gesetz ab. "Allein die Anschaffungskosten von bis zu 1000 Euro pro Fahrzeug wären mir da schon ein Dorn im Auge", gesteht der gebürtige Ludwigsluster. Wenn schon eine Reglementierung, dann solle man ernsthaft mal über eine Befreiung von der Anschnallpflicht bei Besetztfahrten nachdenken, rät der junge Mann.

Keine Notwendigkeit für eine Videoüberwachung auf vier Rädern sieht auch Wilfried Wilck aus Hagenow. Der Taxiunternehmer ist seit einem Vierteljahrhundert im Geschäft. Derzeit rollen 16 Autos für ihn. "Nach der Wende gab es mal eine Zeit, wo die Gefahr vielleicht etwas größer war. Doch mittlerweile hat sich alles wieder relativiert", erzählt der Geschäftsmann, dessen Kerngeschäft zu über 90 Prozent Schülerbeförderung und Behindertenfahrten sind. "Das reine Taxigeschäft gibt es kaum noch. Bei mir sind es viele ältere Menschen, die ich zum Arzt fahre und wieder zurück. Und von denen geht ja wohl kaum eine Gefahr aus", sagt der Hagenower.

In Deutschland fahren 5000 Taxen mit Kameras

Auf Deutschlands Straßen fahren derzeit 5000 Taxen mit Überwachungskameras herum, von denen etwa 60 Prozent mit digitalen Speichermedien arbeiten. In Berlin und Hamburg sind Videosysteme in Taxis längst gang und gäbe. Datenschützer wenden sich jedoch vor allem gegen eine flächendeckende Überwachung der Bürger und die Speicherung der Daten. Das Persönlichkeitsrecht und damit auch das Recht am eigenen Bild gilt eben auch im Taxi. Wer in seinem Taxi eine Überwachungskamera anschließt, kann mit den Datenschutzbestimmungen in Konflikt geraten. Denn es fehlen schlicht und einfach einheitliche Bestimmungen.

Unter bestimmten Voraussetzungen können beispielsweise in ganz Österreich bereits Videoüberwachungssysteme eingesetzt werden. Zunächst einmal dürfen die Aufnahmen nur 24 Stunden lang gespeichert werden. Danach werden sie automatisch gelöscht. Außerdem muss das Aufnahmegerät verplombt sein, so dass der Zugriff nur durch die Polizei möglich ist, nicht durch den Taxiunternehmer. Hat dieser angestellte Fahrer im Einsatz, müssen die wiederum mit der Videoüberwachung einverstanden sein. Der Fahrgast muss über entsprechende Aufkleber darüber informiert werden, dass in diesem Taxi eine Überwachung stattfindet. Für den Taxiunternehmer ist dieser Aufkleber - ebenso wie die gut sichtbar angebrachte Kamera - eine erste Präventionsmaßnahme. Für den Kunden wiederum eine garantierte Sicherheit, dass die Videoüberwachung bei der österreichischen Datenschutzkommission angemeldet ist. Laut eines Polizei gutachtens sei die Präventivwirkung zur Vermeidung von Fahrpreisprellerei, Belästigung und Überfall jedoch am höchsten. An den Scheiben wird zur juristischen Absicherung durch nach innen und außen lesbare Aufkleber mit Piktogrammen sowie natürlich auch zur Abschreckung darauf hingewiesen. Am wirkungsvollsten sind sie oben neben der B-Säule angebracht. Ein Nebeneffekt eines so überwachten Fahrzeugs ist sicher auch der höhere Schutz vor Einbruch und Diebstahl.

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erstellt am 06.Aug.2010 | 04:48 Uhr

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