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Ludwigslust : Tunnelpläne gehen ins zweite Jahrhundert

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Die Planungen eines Bahnhofstunnels in Ludwigslust gehen ins zweite Jahrhundert. Wie sieht es in hundert Jahren aus? Eine Frage, der man sich stellen muss, wenn man sich mit diesem Vorhaben beschäftigt.

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erstellt am 18.Mär.2011 | 12:23 Uhr

ludwigslust | Die Planungen eines Bahnhofstunnels in Ludwigslust gehen ins zweite Jahrhundert. Wie sieht es in hundert Jahren aus? Eine Frage, der man sich stellen muss, wenn man sich mit der Historie und der Gegenwart dieses Vorhabens beschäftigt.

Begonnen hatte es im Januar des Jahres 1911. Es lagen Klagen und Beschwerden von Privatpersonen und Geschäftsinhabern vor, die bei der Königlichen Eisenbahndirektion Altona und beim hiesigen Bahnhofsvorstand eingereicht wurden. Die Gründe, die zu diesen Beschwerden führten, waren mit verstärktem Zugverkehr und dem daraus resultierenden umfangreicheren Rangierwesen begründet, welches sich in der Regel vor allem auf dem Bahnübergang vollzog. Im Klartext ging es um ein zu häufiges und zu langes Warten anlässlich der Schrankenschlüsse. Schon damals war von ungeheuren Zeitverlusten, Betriebsschwierigkeiten im Geschäftsleben und Kapitaleinbußen die Rede. Die Untersuchungen des Bürgervereins am 6. und 7. März 1911 ergaben im Durchschnitt 107 Schrankenschlüsse pro Tag mit einer Gesamtzeitdauer von 5 Stunden und 2 Minuten an jedem dieser Versuchstage. Auch die Anzahl der Wagen, Fahrräder und Fußgänger, die diesen Übergang passierten, wurden registriert. Die Untersuchungen fanden während einer verkehrsarmen Zeit statt und man befürchtete, dass der Verkehr im Sommer und der Herbstzeit mehr als die doppelte Höhe erreichen werde.

Schon damals stellte man die Ausnutzung der Arbeitszeit und die Schnelligkeit der Transportmittel in den Vordergrund. "Wenn feststeht, dass ohne pünktliche Einhaltung der Minute ein zusammengesetzter moderner Geschäftsbetrieb ordnungsgemäß und gewinnbringend nicht durchzuführen ist, so folgt daraus die unbedingte Notwendigkeit, dass bei diesem Bahnübergange Veränderungen geschehen müssen", so das Ludwigsluster Wochenblatt im Jahre 1911.

Weltkriege und Inflation mögen dieses Vorhaben dann wieder in den Hintergrund gestellt haben. Auch zu DDR-Zeiten war es für die Staatsführung wichtiger, das Geld für Grenzanlagen auszugeben, als für die Investition so wichtiger Maßnahmen, wie die eines Tunnelbaus.

Viel hat sich in den zurückliegenden Jahren verändert. Beide Bahnübergänge wurden geschlossen, einer von beiden durch den so genannten "Katzenbuckel" ersetzt. Im vorigen Jahr wurde dieser abgerissen. Dem gegenüber steht ein Verkehrsaufkommen, welches sich in den letzten 100 Jahren verdoppelt oder verdreifacht haben könnte. Im Jahre 1911 und danach konnte man, wenn ein Übergang geschlossen war, den zweiten ansteuern. Außerdem gab es noch eine weitere Möglichkeit, mit einer Bahngleisüberquerung im Bereich des Schwarzen Weges. Der Schrankenwärter öffnete nach einem Klingelzeichen die Schranken, natürlich wenn es der Bahnverkehr gestattete. Auch diese Möglichkeit gibt es heute nicht mehr. Das Schrankenwärterhaus ist verschwunden und der Bahnübergang gesperrt.

In den zurückliegenden zwanzig Jahren wurde gestritten, versprochen, Versprechungen nicht eingehalten, oder wieder zurückgenommen. Übrig blieb ein unübersehbares Chaos. Wenn es zwischen Land, Stadt und Bahn zu keiner Einigung kommt, könnte das auch noch die Generationen belasten, die in 100 Jahren in Ludwigslust leben werden.

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