Türöffner nach Kaliningrad

Unternehmer Uwe Stieblich vor der deutsch-russischen Außenhandelskammer in Kaliningrad  Privat
Unternehmer Uwe Stieblich vor der deutsch-russischen Außenhandelskammer in Kaliningrad Privat

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15. Februar 2010, 06:47 Uhr

Güstrow / Kaliningrad | Auf die Frage, was sein Unternehmen produziere, antwortet Geschäftsführer Uwe Stieblich knapp und bestimmt: "Wir bauen Gebäude aus Stahl und Glas." Exemplarisch dafür ist der eigene Firmensitz von Stahlbau Stieblich Hallenbau in Güstrow. Ein moderner dreistöckiger und ein transparenter Bau. Etagen und Arbeitsräume münden im haushohen Atrium. Ein beeindruckendes Referenzobjekt aus Stahl und Glas.

Die Güstrower Spezialfirma hat seit ihrer Gründung 1990 zahlreiche Bauobjekte - vom Autohaus über Bürogebäude und Großgaragen bis zu Flugzeughallen - verwirklicht. Das besondere Credo des Unternehmens sei, bei jedem Auftrag alles selbst zu entwickeln, zu projektieren und zu produzieren. "Wir bieten unverwechselbare Komplettlösungen." Den jüngsten Coup hat Uwe Stieblich im Süden Berlins an Land gezogen. Den Bau einer speziellen Flughalle für den neu entstehenden Großflughafen Berlin Brandenburg International (BBI). Ein Millionenauftrag.

Ein Projekt dieser Dimension kommt in schwierigen Zeiten sehr gelegen. Infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise musste Stahlbau Stieblich im vergangenen Jahr ein Umsatzminus von 30 Prozent gegenüber 2008 wegstecken. Trotz aller Bemühungen, unter anderem mit Kurzarbeit alle Arbeitsplätze im Unternehmen zu sichern, war ein Personalabbau von zehn Prozent auf jetzt 65 Mitarbeiter unumgänglich. "Insgesamt sind wir aber durch die Krise bisher gut durchgekommen", resümiert Stieblich, "wir haben 2009 unser Produktionsniveau von 2006/07 erreicht."

Zu den Erfolgsrezepten des "Unternehmers des Jahres 2008 in MV" gehört, dass er von Anfang an Märkte auch außerhalb von MV erschlossen hat. Die Güstrower Firma pflegt heute geschäftliche Beziehungen nach Österreich, Dänemark und Osteuropa, insbesondere nach Polen und Russland. Bereits vor 15 Jahren gründete er in Polen eine "eigene Anarbeitungsstätte", wie er es nennt. Seit zwei Jahren unterhält Stahlbau Stieblich zudem in der russischen Enklave Kaliningrad eine Filiale mit Projektierungsbüro und Produktion. Der Bedarf nach Spezialbauten für Auslandsvertretungen, Firmenrepräsentanzen und Bürogebäuden sei im Osten sehr groß, hat der Unternehmer auf zahlreichen Stippvisiten in diesen Regionen ausgemacht, die der Hobby-Pilot zuweilen mit dem firmeneigenen Motorflugzeug ansteuert.

Präsenz vor Ort ist enorm wichtig in einem Land wie Russland, "wo sich die Verbindungen von Politik und Wirtschaft sehr viel enger gestalten als in den heimatlichen Gefilden". Da bedarf es einer starken Interessenvertretung für deutsche Unternehmen. Die deutsch-russische Außenhandelskammer mit Sitz in Moskau unterhält in Russland mehrere Dependancen. Darunter die Filiale Nord-West, deren Zuständigkeit von Kaliningrad über St. Petersburg bis zum Ural reicht. Uwe Stieblich ist ehrenamtlicher Leiter des Kaliningrader Komitees der Filiale Nord-West. In dieser Funktion, so hofft der Güstrower, könne er helfen, deutschen Firmen den nicht einfachen Weg auf den russischen Markt zu ebnen. Es gebe immer wieder Probleme bei der Zoll- und Grenzabfertigung sowie der Vergabe von staatlichen Investitionsaufträgen. "Wir kümmern uns um Verbesserungen wie eine schnellere Abfertigung an der polnisch-russischen Grenze"

In der Kaliningrader Region, wo rund eine Million Menschen leben, geht es wirtschaftlich steil nach oben. Es herrscht ein riesiger Bedarf im Eigenheimbau. Aber auch in der Industrie gebe es gute Chancen, insbesondere im Zuliefer- und Dienstleistungsbereich. Ende Oktober vergangenen Jahres ist die neue Ostsee-Autobahn von Russlands Ministerpräsidenten Wladimir Putin eröffnet worden. Im Kurischen Haff bei Balga entsteht ein neuer Tiefseehafen, Opel und BMW lassen in Kaliningrad Automobile montieren. Fünf bis sieben Jahren dauere es, so Stieblich, um eine Firma in Osteuropa zu etablieren. Aber es lohnt den Aufwand. Die Unternehmen werden unabhängiger vom einheimischen Markt. Auch helfe wirtschaftlicher Erfolg im Ausland, den deutschen Stammbetrieb zu stabilisieren und damit die Arbeitsplätze dort deutlich sicherer zu machen.

Dem Unternehmer aus der Barlach-Stadt ist aber auch klar, dass die Export-Karte langfristig nur sticht, wenn die eigenen Produkte innovativ weiter entwickelt werden. "Wir wollen an unserer Produktlinie festhalten, aber künftig bei Bauprojekten die komplette Finanzierung mit anbieten." Auch denke er darüber nach, die Solarenergie-Technik einzubinden. "Das macht Sinn", begründet Stieblich knapp und bestimmt.

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