zur Navigation springen
Lokales

23. Oktober 2017 | 10:14 Uhr

Trübe Aussichten für Dorfkneipen

vom

svz.de von
erstellt am 17.Sep.2010 | 06:56 Uhr

Schwerin | Die Aussichten für die traditionellen Land-Gaststätten sind trübe. Sie haben kaum Überlebenschancen, wie Uwe Barsewitz, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga Mecklenburg-Vorpommern, bedauert. Das Auseinanderbrechen der früheren Dorfgemeinschaften durch Arbeitsmarktsituation, Abwanderung und den Wandel in der Landwirtschaft, lassen dem traditionellen Landgasthof als Kommunikationszentrum und Ort der Geselligkeit an Bedeutung immer mehr verlieren.

Bundesweiter Abwärtstrend

Auch in den Nachbarländern sieht es nicht besser aus. Der Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes in Schleswig-Holstein, Stefan Scholtis, schätzt, dass innerhalb der vergangenen fünf Jahre 10 bis 15 Prozent der Wirte im ländlichen Raum ihre Betriebe aufgeben mussten. Für Niedersachsen liegen keine vergleichbaren Einschätzungen vor, aber auch der dortige Dehoga-Hauptgeschäftsführer Rainer Balke konstatierte: "Wir nehmen alle wahr, dass Gaststätten auf dem Land zunehmend dauerhaft geschlossen werden."

Dirk Ellinger, Dehoga-Geschäftsführer in Thüringen bestätigt den Trend. Im ersten Halbjahr 2010 sei der Umsatz der Getränkegastronomie im Vergleich zum Vorjahr um 9,3 Prozent geschrumpft. "Das ist eine dramatische Entwicklung." Insolvenzen tauchten jedoch oftmals nicht in den Statistiken auf, weil sie als Privat insolvenzen geführt würden oder das jeweilige Haus jahrelang von den Banken künstlich am Leben erhalten werde.

Neue Ideen helfen nur bedingt

Die ländlichen Gaststättenbetreiber sehen sich mit neuen Lebensweisen konfrontiert. So neigten gerade junge Leute weniger zu lokaler Stammtischrunde und Dorftanz, als vielmehr zu Massen-Disko und zentralen Events. Pendelnde Arbeitnehmer würden eher zum schnellen Imbiss bei Fastfood-Ketten greifen, als in den beschaulichen Landgasthof einkehren.

Das Sterben von rund einem Drittel der Gaststätten in Dörfern und Kleinstädten erfolgt regional unterschiedlich, wie Barsewitz feststellt: "Je weiter die Ortschaften von größeren Städten oder touristischen Attraktionen entfernt sind, desto schwerer haben sie es." Kommen dann noch illegale, aber preisgünstige gastronomische Aktivitäten örtlicher Vereine hinzu, wird die Luft für die Dorfkneipe noch dünner.

Der zunehmende ökonomische Druck führt in den Gaststätten häufig zu Niveauabfall oder Aufgabe. Solide Nachfolger für ländliche Gaststätten machen sich wegen der düsteren Perspektiven rar. Nach dem Motto "Wer nichts wird, wird Wirt" versuchen sich immer wieder unqualifizierte Möchte-gern-Gastronomen an solchen Objekten, um dann vorhersehbar zu scheitern.

Barsewitz kennt noch weitere Gründe für den Niedergang. Unter anderem die Küstenautobahn A 20. Bei allen wirtschaftlichen Effekten, die sie für das Land brachte, für die Gaststätten entlang der alten Küstenstraße verkehrten sie sich ins Gegenteil. Sinkende Gäste- und Umsatzzahlen waren die Folge. Es gibt aber auch Chancen für die Gastronomie auf dem Lande. Bewährt haben sich neue Konzepte in Zusammenarbeit mit der Tourismusbranche. So etwa mit speziellen Angeboten für Rad- und Wasserwanderer oder Angler und Reiter.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen