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Lokales

21. November 2017 | 03:43 Uhr

Trotz Vitalität sind alte Linden teurer

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erstellt am 24.Jun.2010 | 08:53 Uhr

Warnemünde | Die Kopflinden in der Mühlenstraße beschäftigen das Rathaus weiterhin. Nachdem sich die Bürgerschaft für eine Fällung der 100-Jährigen ausgesprochen hatte, ist das Thema nun durch ein Bürgerbegehren wieder auf der Tagesordnung. Noch einmal müssen die Fraktionen über die Zukunft der Allee abstimmen. Damit die Entscheidung leichter fällt, gibt es ein Gutachten, das Empfehlungen für und wider den Erhalt der Linden zusammenstellt.

Im Auftrag der Stadtverwaltung hat das Büro für Landschaftsarchitektur Pulkenat die Linden bereits Anfang Mai unter die Lupe genommen und eine Expertise erstellt. "Der Erhalt von Bäumen hat in der Regel Vorrang vor Neupflanzungen, so auch hier", heißt es in dem Papier. Darin sind die zwei Möglichkeiten im Umgang mit den Kopflinden bei einer Sanierung der Mühlenstraße gegenübergestellt - also Erhalt mit Lückenbepflanzung und ein neues Anlegen der Allee. Aus gestalterischer Sicht seien beide Varianten möglich und üblich. Allerdings geht aus dem Gutachten hervor, dass ein Erhalt mit erheblichem Aufwand, nicht auszuschließenden Risiken und höheren Folgekosten verbunden ist.

Bisher seien die Bäume in einem sehr guten Pflegezustand: "Der Austrieb der Kopflinden ist durchgängig vollständig. Er weist auf eine gute Vitalität hin. Die neuen Triebe sind kräftig entwickelt." Die Experten schätzen, dass die Warnemünder Linden noch etwa 40 Jahre an der Mühlenstraße stehen können. Jedoch können durch die Baumaßnahmen Schäden gerade an den Wurzeln entstehen, die zu einem späteren Absterben führen. Sollte mehr als ein Viertel des Wurzelvolumens bei den Arbeiten zerstört werden, ist mit einem Totalverlust des Baumes zu rechnen. "Aufgrund von Erfahrungswerten kann davon ausgegangen werden, dass sich der größte Wurzelanteil nicht unter der Straße, sondern im Gehwegbereich befindet." Verschiedene Faktoren gilt es daher zu beachten. So muss während der Bauzeit unter anderem für eine ausreichende Bewässerung gesorgt werden. Abtragungen sollten im Bereich der Wurzel nur durch Absaugen vorgenommen werden. Generell sei hier Handarbeit gefragt. "Während der Baumaßnahme ist durch die Baufirma große Sorgfalt bei den durchzuführenden Schutzmaßnahmen und bei allen Arbeiten im Nahbereich der Bäume notwendig", so die Fachleute. Gesonderte Kontrollen zur Einhaltung der Schutzmaßnahmen werden empfohlen. "Trotz aller Vorsicht können sich Spätfolgen einstellen, die zu einer Entnahme und späteren Neupflanzung führen können."

Durch das Pflanzen neuer Linden in den vorhandenen und entstehenden Lücken der Allee ergibt sich ein uneinheitliches Bild, das erst nach etwa 20 Jahren ausgeglichen sein wird. Auch ist bei einem Erhalt der alten Bäume mit einem höheren Pflegeaufwand im Nachhinein zu rechnen - und so mit mehr Kosten.

Sowohl beim Erhalt als auch bei einer Neupflanzung empfehlen die Experten eine Verschmälerung der Straße, die durch die Stadt auch vorgesehen ist, um Anfahrschäden in den Kronen zu vermindern. Generell, heißt es in der Expertise, sollten Gestaltungselemente gefunden werden, die ein Parken und Anfahren im Stamm- und Wurzelbereich ausschließen. Die Lage der Hausanschlüsse sei zu optimieren. Leitungen sollten gebündelt verlegt werden. Es gilt, einen Schutz für die Wurzeln einzurichten sowie ein Lenksystem, damit sie nicht in die Leitungen einwachsen.

Die Bürgerschaft wird voraussichtlich in ihrer Sitzung am 7. Juli über das Los der Linden abstimmen. Sollte sich das Gremium erneut gegen die alten Bäume aussprechen, werden die Bürger zur Wahl gebeten. Dann läge das Schicksal der 100-Jährigen in den Händen der Rostocker.

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