Tropisches Paradies für Affen

Schaffen für die Affen: Zoo-Direktor Udo Nagel (l.) und Architekt Peter Rasbach wollen den Rostocker Gorillas und Orang Utans ein artgerechtes Zuhause schaffen. Für Besucher wird es viel zu entdecken geben.georg scharnweber
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Schaffen für die Affen: Zoo-Direktor Udo Nagel (l.) und Architekt Peter Rasbach wollen den Rostocker Gorillas und Orang Utans ein artgerechtes Zuhause schaffen. Für Besucher wird es viel zu entdecken geben.georg scharnweber

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11. Mai 2010, 09:49 Uhr

Rostock | Am Anfang steht die Zeitschleuse: Durch sie kehren Besucher zu den Anfängen unseres Planeten zurück. Auf ihrer Reise durch die menschliche Entstehungsgeschichte begegnen sie auch Assumbo, Sunda, Ejde, Sabas und Shiwa, den Menschenaffen im Rostocker Zoo. Ab 2012 finden diese im Darwineum ihr neues Zuhause. "Der Neubau vereint Geschichte, Mensch und Tier unter einem Dach", sagt Zoodirektor Udo Nagel. "Er bietet eine einzigartige Kombination aus einer lebendigen zoologischen Sammlung und musealen Ausstellung." Gestern fiel der offizielle Startschuss für das 25 Millionen teure Projekt, das maßgeblich aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert wird. Der Spatenstich auf dem ehemaligen Schießplatz neben dem Zoo soll Ende des Jahres folgen.

Am Eingang zum Darwineum von Galapagos-Schildkröten empfangen, gelangen Besucher zunächst in die 1300 Quadratmeter große "Bibliothek des Lebens". Vom einzelligen Pantoffeltierchen über wirbellose Quallen, Seepferdchen und Würmer, Wirbeltiere wie Lurche, Reptilien und Affen bis hin zum Menschen zeichnet ein evolutionsgeschichtlicher Pfad die Entwicklung der Erde nach. Rund 15 Tierarten, die die 500 Millionen Jahre schadlos überlebt haben, können in dem Gebäude bestaunt werden. Unter ihnen Schlammspringer, Pfleilschwanzkrebse und Schnabeligel.

Die Zeitepochen verstecken sich in 17 geräumigen Themenboxen, in die die Gäste abtauchen können. Zum Beispiel vermittelt eine 3-D-Installation das Gefühl, inmitten einer Dinosauriergruppe zu stehen. An einer anderen Stelle kann der Besucher ein Feuer durch Reibung entfachen. Höhepunkt des Raumes ist eine aufgeschnittene, überdimensionale Urzelle mit einem Medientisch, auf dem der Besucher den Ursprung des Lebens erkunden kann. "Wir wollen Wissen realitätsnah, spielerisch und kommunikativ vermitteln, damit die Fülle an Informationen mit Spaß und Freude am Entdecken aufgenommen wird", sagt Nagel. Darüber hinaus erfahren Gäste etwas über Charles Darwin (1809-1882), den Namensgeber der Einrichtung. Der Naturforscher gilt als Begründer der Evolutionstheorie.

Anschließend gelangen die Besucher in die 500 Quadratmeter große Tropenhalle. Unter einem dicht zugewachsenen Blätterdach folgen sie einem Waldweg, vorbei an einer offenen Vogelvoliere für Exoten, einer Schildkrötenanlage und Terrarien, in denen Gorillas und Orang Utans leben. Mit dem neuen Gehege will der Rostocker Zoo auch wieder stärker in die Zucht einsteigen und die Affenhaltung ausweiten. "Unser Gorilla-Mann Assumbo soll nicht alleine bleiben", sagt Zoodirektor Nagel. Er soll in der neuen Tropenhalle einige Weibchen zur Seite gestellt bekommen. Denn: Normalerweise leben Gorillas in großen sozialen Gruppen. "Wir hoffen, dass sie eine neue Familie gründen ", sagt Nagel. Des Weiteren sieht das Darwineum-Konzept eine Vergesellschaftung von Gorillas und Orang Utans mit kleineren Affenarten wie Meerkatzen, Gibbons oder Mangaben vor. Ob auch die beiden Schimpansen in das neue Zuhause mit einziehen werden, ist noch unklar. Rena ist alt und Timbo krank und alt.

Auf ihrem Weg durch die schwüle Tropenhalle überqueren die Besucher eine Brücke, schauen zu kletternden Affen hinauf, die sich in ihrem neuen Gehege nicht mehr langweilen müssen, und nehmen ihren besonderen Geruch war. "Auch das gehört zum Zooerlebnis dazu", sagt Architekt Peter Rasbach. In einem zweigeschossigen verglasten Langhaus können sie sich dann auf Ebene der Affen begeben, die auf den Ästen herumturnen, und ihnen dabei zusehen. Als nächstes führt der Parcours durch das Darwineum in das "Forscherlabor", das Einblicke in die moderne Forschung gewährt. Ein begehbares Modell einer Stammzelle lädt die Besucher ein, aktiv zu werden. Hier können sie selbstständig Hand an diverse Gencodes legen und die Ergebnisse an einem Monitor überprüfen.

Abgerundet wird der 400 Quadratmeter große Komplex von einem Tagungszentrum, einem Kino, einem Shop und einer Gastronomie. Zudem sind die Ausstellungsbereiche von einer 8000 Quadratmeter großen Außenanlage umgeben. Entsprechend ihrer natürlichen Lebensverhältnisse bepflanzt und mit Sumpfoasen, Wasserläufen und Kletterlandschaften ausgestaltet, können sich die Menschenaffen auch hier tummeln. Ein Teil der Außenanlage soll den Kattas zur Verfügung stehen. Auf einer Terrasse mit 150 Sitzplätzen können Gäste die kleinen wieselflinken Halbaffen mit dem markanten Ringelschwanz beobachten.

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