zur Navigation springen
Lokales

17. Oktober 2017 | 13:34 Uhr

Trommelwirbel an der Löcknitz

vom

svz.de von
erstellt am 13.Jun.2011 | 04:57 Uhr

Breetz | Das unscheinbare Löcknitzdorf Breetz an der Landesgrenze zu Mecklenburg setzt immer häufiger kulturelle Akzente. Am Pfingstwochenende beteiligte sich der Verein Apropos Breetz erstmals an der mecklenburgischen Aktion "Kunst offen".

Horst Oppenhäuser schuf große Skulpturen, bemalte und verteilte sie auf dem Löcknitzdeich zwischen Breetz und Polz: "Ich sehe es als Verbindung zwischen beiden Dörfern, beiden Bundesländern", sagt er. Entstanden sind die Exponate aus teils verrosteten Rohrteilen, die einst als Gebläse zum Trocknen von Stroh eingesetzt wurden. "Sie lagen nutzlos in unserer Scheune herum", so Oppenhäuser. Die teils provokanten Frauenakte fügen sich harmonisch in die Landschaft ein. Oppenhäusers Kunst lädt nicht nur zum Betrachten ein. Schlagstöcke hängen griffbereit, animieren zum Musizieren und schon mischt sich ein blechernder Klang unter das Vogelgezwitscher in dieser traumhaften Naturidylle.

Vor mehr als zehn Jahren haben Brigitte und Horst Oppenhäuser die verträumte Siedlung entdeckt und lieben gelernt. Schritt für Schritt erwecken sie es aus seinem Dornröschenschlaf. Längst nicht mehr alleine. Im vergangenen Jahr gründeten sie den Verein Apropos Breetz e. V., der inzwischen mit mehreren Veranstaltungen Aufmerksamkeit erregt.

Am 21. August wird es den zweiten Spaßtriathlon geben. Laufend oder wandernd können Teilnehmer die erste Teilstrecke zurücklegen, bevor es auf dem Rad weiter geht. Den Abschluss bildet eine Paddeltour auf der Löcknitz. "Wer mag, kann das Tretboot nehmen. Spaß soll es machen, egal wie lange man unterwegs sein wird", wirbt Horst Oppenhäuser für diesen Triathlon im Einklang mit der Natur.

Erstmals wolle er sich mit anderen Künstlern auch an der länderübergreifenden Aktion "Elbgenuss" beteiligen. Bis zum Herbst soll eine zehn Meter lange Hauswand gestaltet werden. Thema Gorleben und das geplante atomare Endlager.

Neben der Kunst setzten Oppenhäusers auf Tourismus. Erst kürzlich warben sie gemeinsam mit der Tourismus-Marketing-Brandenburg GmbH in der Berliner Globetrotterfiliale für Breetz. Radfahren, Wassersport, Biber, Storch und Fuchs - viel gebe es hier zu entdecken. Bisher bieten sie in einer umgestalteten Künstlerkate Ruhesüchtigen Erholung in dieser Abgeschiedenheit. In Kürze soll ein zweites Objekt dazu kommen: "Wir planen den Umbau eines Bauernhauses." Zehn Zimmer sollen entstehen, in der angrenzenden Scheune ein 100 Quadratmeter großer Wellnessbereich. Die Baufreigabe sei erteilt, Gespräche zu Fördermitteln stünden kurz vor dem Abschluss. Damit wäre ein weiteres der zwölf im Dorf befindlichen Gehöfte restauriert.

Noch vor wenigen Jahren hätte niemand in dieser scheinbar verlassenen Gegend angehalten. Am Wochenende waren die Seitenstreifen teils zugeparkt. Das offene Atelier von Horst Oppenhäuser und der Hamburger Maler Dirk Lütjohann lockten Besucher an. "Super, dass es hier so etwas gibt", sagen Mandy Steinberg und ihr Vater Klaus Diete. Sie kommen mit ihrem außergewöhnlichem Bike aus Krienitz, wollen die Aktion "Kunst offen" nutzen, um Künstler in der Region kennen zu lernen. Spontan nehmen sie die Einladung für die orientalische Tanzshow am Abend an. Trommelwirbel im Licht der untergehenden Sonne - Breetz erwacht tatsächlich aus seinem Dornröschenschlaf.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen