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Lokales

19. November 2017 | 16:55 Uhr

Treffen der Chefinnen

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erstellt am 24.Okt.2010 | 07:02 Uhr

Pasewalk/Stettin | Vorsichtig zupft Ania Kucza die Hochzeitskleider zurecht. "Wir sind zum ersten Mal in Pasewalk", erzählt die junge Polin aus Stettin. Kucza gehört zu rund 50 Unternehmerinnen, die sich am Wochenende zur ersten deutsch-polnischen Unternehmerinnenmesse in Pasewalk trafen. Sie ist Lehrerin in Stettin. Rund 500 Euro verdient sie im Monat. Daher hat sie einen Zweitjob - sie verkauft Hochzeits- und Abendgarderobe.

Etwa die Hälfte der Ausstellerinnen reiste von der polnischen Seite an und verließ die Premiere am Abend sehr zufrieden, wie Organisatorin Rita Dornbrack vom Landkreis Uecker-Randow berichtet. "Es soll 2011 eine Fortsetzung in Stettin geben." "Solche grenzüberschreitenden Aktivitäten gehören zum normalen Zusammenleben in einer Grenzregion wie dieser", sagt Pasewalks Landrat Volker Böhning (parteilos). Wirtschaftsforscher attestieren der Region eine Sonderrolle entlang Polens Grenze zu Deutschland. Mit Stettin, wo allein rund 450 000 Menschen leben, gibt es eine Großstadt mit vielen jungen, flexiblen Leuten, denen die Freigabe des deutschen Arbeitsmarktes ab Mai 2011 zugute kommen wird, wie die Unternehmensberatung dp consulting Berlin voraussagt. Sie erarbeitete für den deutsch- polnischen Wirtschaftsverbund Pasewalk, Anklam, Prenzlau, Stettin ein Gutachten über das "Fachkräftepotenzial im Grenzraum".

Das Gebiet umfasst Vorpommern, die Uckermark bis Schwedt und das polnische Westpommern mit insgesamt 1,3 Millionen Einwohnern. Demnach könnten Firmen, die auf deutscher Seite bereits Fachkräfte suchen, auf Verstärkung aus dem Nachbarland hoffen. Es fehlen Metallverarbeiter, Pfleger sowie Mitarbeiter in der Tourismusbranche.

"Wir suchen schon seit zwei Jahren einen geeigneten Lehrling", erzählt Katrin Kriesel, die in Prenzlau einen Sanitärbetrieb leitet. Neue Leute müssten allerdings gutes Deutsch sprechen. Neben Kriesels Messestand bietet Dorota Krowicka von der polnischen Garden Media-Gruppe die Dienste eines Büros von Landschafts- und Gartenbauplanern an. Daneben hat Barbara Milewska Tee eingeschenkt. Die Stettinerin eröffnete vor sieben Jahren eine Tee- und Kaffeestube mit Kunstgalerie, in der auch Stettins Politprominenz verkehrt. "Wir wollen, dass uns noch mehr Deutsche besuchen", sagt sie. Viele Vorpommern und Uckermärker würden schon nach Stettin fahren, um sich beispielsweise dort einzukleiden, sagen Dornbrack und Kriesel übereinstimmend. Auch die Gastronomen hätten sich mit zwei- oder dreisprachigen Speisekarten schon bedeutend besser auf Besuch eingestellt als auf deutscher Seite.

"Wir haben schon viele Straßen gebaut, jetzt müssen die Menschen sich noch besser kennenlernen und enger zusammenrücken", verdeutlicht Böhning. Die Unternehmerinnen gingen mit dieser Art von Messe voran.

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