Trauerspiel am Grabower Pier

Trauriger Anblick: Planen  überspannen  den Schiffsrumpf der Herzogin Luise, um ihn   vor Nässe  und weiterem Verfall  zu schützen. Es scheint ein vergeblicher Versuch. Simone Herbst
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Trauriger Anblick: Planen überspannen den Schiffsrumpf der Herzogin Luise, um ihn vor Nässe und weiterem Verfall zu schützen. Es scheint ein vergeblicher Versuch. Simone Herbst

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27. April 2010, 07:46 Uhr

Grabow | Vorbei ist der zweite Winter, in dem die "Herzogin Luise" fest vertäut an der Mole ihres Heimathafens Grabow liegt. Es waren harte Monate. Vor allem für das einst schöne Schiff, das sieben Jahre im BATZ e.V. für die Fahrgastschifffahrt Grabow im Betrieb stand und bei Einheimischen wie Touristen beliebt war. Ausgang der Saison 2008 war Schluss damit. Wie endgültig, hatte damals wohl niemand kommen sehen. Heute sind der einstige Stolz und Glanz der "Luise" Legende. Planen überspannen den Schiffsrumpf. Schützen ihn vor Nässe. Es scheint ein vergeblicher Versuch. Denn längst bietet die "Herzogin" nur noch einen traurigen Anblick.

So traurig, dass sich die Stadt Grabow, die BATZ-Vorsitzenden Christian Rosenkranz mehrfach aufgefordert hatte, den Platz am Pier freizumachen und zum August letzten Jahres ein entsprechendes Ultimatum gesetzt hatte, vor einem möglichen Rechtsstreit sieht. Ob Gra bows Spitze den Rechtsweg gehen wird, bleibt abzuwarten. Denn hier ist man sich nicht sicher, ob er Erfolg verspricht. "Das Problem ist der Vertrag, den wir mit Herrn Rosenkranz haben. In ihm steht schwarz auf weiß, dass die Herzogin zehn Jahre und somit bis 2011 in unserem Hafen liegen darf", erklärt Bürgermeister Ulrich Schult. "Der Vertrag sagt aber auch aus, dass sie nur bei Unterhaltung des Schiffsverkehrs hier liegen darf." Nach Lesart der Grabower erfüllen der BATZ e.V., die Schifffahrtsgesellschaft Grabow oder auch Christian Rosenkranz diese einstmals geschlossene Vereinbarung seit fast zwei Jahren schon nicht mehr. "Die Herzogin wird weder genutzt noch wird sie gefahren. Sie muss weg aus unserem Hafen", so Schult. Wie er sagt, hätte das Schiff unter anderen Vorzeichen sein Schiffsleben lang in Grabow fahren können. Solange es fuhr, habe es Grabow, der Kultur und dem Tourismus in der Stadt sehr gut getan. Doch so, wie es jetzt daliegt, schade es dem Ansehen der Kommune. "Und ganz ehrlich, ich bin es leid, mich vor unseren eigenen Leuten, vor allem aber auch vor den Gästen der Stadt immer und immer wieder dafür zu rechtfertigen", sagt Schult. Grabow sei an dieser Misere nun mal nicht schuld.

Während sich Vereinsvorsitzender Christian Rosenkranz gestern nicht zur Problematik äußerte, geht das für die Müritz-Elde-Wasserstraße zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt Lauenburg (WSA) davon aus, dass der sich momentan ernsthaft um einen alternativen Liegeplatz bemühe. "Weil das schwierig ist, kann das aber dauern", räumt WSA-Leiterin Bettina Kalytta gegenüber unserer Zeitung ein. Liegeplätze seien in der Region eher rar und das Schifffahrtsamt selbst halte für solche Situationen keine Flächen vor. "Wir werden den Hafen und die Herzogin von Amts wegen im Auge behalten", sagt Kalytta, die das Anliegen der Stadt Grabow nach eigenem Bekunden sehr gut nachvollziehen kann. Einschreiten würde die Lauenburger Behörde jedoch erst dann, wenn von dem Schiff Gefahr für den anderen Schiffsverkehr ausginge. "Und das scheint nach derzeitigem Sachstand nicht der Fall zu sein."

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