Trauernde mit ihrem Schmerz nicht allein lassen

Renate Eiselt. Petra Ferch
Renate Eiselt. Petra Ferch

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25. September 2010, 01:57 Uhr

Pritzwalk | Wenn ein lieber Mensch stirbt, sind die Angehörigen in den ersten Tagen mit vielen Formalitäten beschäftigt und so auch ein Stück weit abgelenkt. Doch was kommt nach der Beerdigung? "Viele Trauernde sind dann auf sich allein gestellt, denn der Tod eines Angehörigen reißt eine Lücke ins Leben, die durch nichts wieder aufzufüllen ist und in ihrer Dimension von Außenstehenden nicht verstanden werden kann", weiß Renate Eiselt.

Die pensionierte Krankenschwester, die eine Ausbildung als Notfallseelsorgerin absolvierte, leitet ehrenamtlich den Trauerkreis Prignitz des DRK. Diese Gruppe wurde ins Leben gerufen, um denen, die es wünschen, einen Anlaufpunkt zu bieten, über ihr Schicksal zu sprechen, mit Menschen Kontakt zu haben, die Ähnliches durchleiden. "Wenn der Trauernde mit seinem Schmerz allein ist, kaum Gelegenheit hat, darüber zu reden, tritt Sprachlosigkeit ein als weitere Form des Verlassenseins. Vereinsamung und Hilflosigkeit ausgerechnet in dem Moment, in dem Begleitung notwendig wäre, da können die Folgen fatal sein", beschreibt Renate Eiselt. Mit dem Trauerkreis möchte sie genau diesen Folgen entgegen wirken.

Jeden ersten Dienstag im Monat von 13 bis 15 Uhr trifft sie sich mit Betroffenen im DRK-Zentrum in Pritzwalk, im Giesensdorfer Weg 4. Egal ob Ehepartner, Eltern oder Geschwister, der Gesprächskreis sei für alle offen, die in ihrer Trauer einen Ansprechpartner suchen. "Wir bereden dabei immer wieder neue Themen zur Trauerbewältigung", beschreibt die Notfallseelsorgerin, die den Gesprächskreis gemeinsam mit der Sozialpädagogin Ingeborg Pietsch leitet.

Etwa ein Jahr werden die Trauernden auf diese Weise begleitet. Aber eine festgelegte Zeit gebe es nicht, macht Renate Eiselt deutlich. Jeder bleibe, so lange er es wünsche. Und wer ein Einzelgespräch vorzieht, auch das sei möglich, allein schon, um die Vorstellungen der Trauernden zu erkunden, aber auch, ob sie andere fachliche Hilfe benötigen.

Wer an dem Trauerkreis teilnehmen möchte, müsse sich nicht anmelden, "er kommt einfach zum nächsten Termin". Auch konfessionelle Unterschiede spielten keine Rolle. "Gemeinsame Basis aller ist die Verlusterfahrung", bringt es Renate Eiselt auf den Punkt. "Ein wesentliches Ziel unserer Arbeit ist es, dass die Trauernden sich innerhalb der Gruppe gegenseitig stützen und über die Gruppe hinaus auch Kontakt halten", beschreibt sie weiter. Reaktionen von Betroffenen "ermuntern uns, diese Arbeit fortzusetzen".

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