Trauer auf der Bärenburg: Grete ist tot

<strong>Da waren sie noch glücklich:</strong> Im Freigehege buhlt Kodiakbär Bodo (l.)  um die Gunst seiner Grete.<foto>Georg Scharnweber</foto>
Da waren sie noch glücklich: Im Freigehege buhlt Kodiakbär Bodo (l.) um die Gunst seiner Grete.Georg Scharnweber

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21. Juli 2010, 07:22 Uhr

Gartenstadt | Alle Hoffnung lag auf ihren pelzigen Schultern. Kodiakbärin Grete sollte im Rostocker Zoo für zottelige Nachkommen sorgen. Doch nach jahrelangem Warten auf einen kleinen Teddy ist die Bärin an Altersschwäche gestorben, ohne ein Bärenbaby zur Welt gebracht zu haben. Sie schlief am vergangenen Sonnabend im stattlichen Alter von 28 Jahren ein. Seitdem trauert der Tierpark um seine Grete. Zurückgelassen hat die betagte Dame ihren Gefährten Bodo, der nun vorerst allein auf der Bärenburg bleibt.

Das Licht der Welt erblickte die Bärin 1982 im Rostocker Zoo. Bereits als Halbstarke zog die Bärin im Alter von einem Jahr gen Osten. Ihre neue Heimat wurde für die folgenden 23 Jahre der Zoo im estnischen Tallinn. "Grete gehörte aber weiterhin den Rostockern. Sie wurde sozusagen nur ausgeliehen", sagt Tierinspektor Ingo Söllig, der Frau Petz in guter Errinnerung hat. Nur wenig sei aus ihrer Zeit in Estland bekannt. "Wir wissen nur, dass sie dort einen Partner hatte, der dann verstorben ist", sagt Söllig. Von da an blieb sie allein in ihrem Tallinner Gehege.

In einer Holzkiste die Heimreise nach Rostock angetreten

Ihren Weg zurück in ihre Heimat fand die mit 250 Kilogramm beleibte Kodiakdame erst wieder am 1. September 2006. "Da Susanne, die langjährige Gefährtin des Rostocker Männchens Bodo, im Juli zuvor starb, holten wir Grete zurück", sagt der Inspektor. Einige Tierpfleger reisten mit einer großen Holzkiste im Gepäck in die estnische Hauptstadt, um die Bärin von ihrem Umzug zu überzeugen. "Vorsichtig machte sie sich mit ihrer Transportbox vertraut. Später gelang es uns, sie zu verschiffen", erzählt Söllig. Im Rostocker Zoo machte Grete erstmals mit dem damals 16-jährigen Bodo Bekanntschaft - zuerst jedoch nur über einen Sichtschieber. "Unsere Hoffnung war, dass beide für Nachwuchs sorgen würden", so der Inspektor. Mit ihren Knopfaugen und ihrer sensiblen Nase konnte sie die ersten Eindrücke ihres neuen Mitbewohners wahrnehmen. "Nach einiger Zeit ließen wir die beiden abwechselnd auf das Außengehege und führten sie dann zusammen", sagt er.

Die als zurückhaltend und ruhig bekannte Dame verstand sich nach anfänglichem Zögern mit ihrem jüngeren Partner. Doch ihr schon damals hohes Alter ließ bereits 2006 erahnen, dass der Wunsch der Tierpfleger auf Bärennachwuchs unerfüllt bleiben sollte. Grete litt unter Arthrose. Nach ersten ruppigen Deckversuchen von Bodo verschlechterte sich die körperliche Verfassung der Heimgekehrten. "Durch die Verschleißerscheinung der Gelenke litt Grete seitdem an Knochenschmerzen", sagt Söllig. Um sie vor ihrem ungestümen Liebhaber zu schützen, wurden die beiden Tiere wieder voneinander getrennt. Seitdem genossen Grete und Bodo die vergangenen vier Jahre abwechselnd allein die frische Luft auf der Bärenburg, bis die pelzige Dame nach einem langen Leben am Sonnabend einschlief. Die Tierpfleger Silvio Geßner und Melanie Bencke kümmern sich nun um den hinterbliebenen Bärenmann. "Bodo ist ganz ruhig", sagt Söllig zum Befinden des hinterbliebenen Meister Petzes. Ob der zottelige Bär nochmal eine neue Gefährtin bekommt oder ob er dauerhaft allein bleibt, wird die Zooverwaltung in den nächsten Wochen entscheiden.

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