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Lokales

12. Dezember 2017 | 01:48 Uhr

Tradi-Standort: Entscheidung fällt

vom

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erstellt am 07.Jun.2011 | 07:56 Uhr

Rostock | Zusammen mit dem Museumskonzept wird die Bürgerschaft am 29. Juni auch über den zukünftigen Standort des Traditionsschiffes entscheiden. Denn dieses soll zu einem Maritimen Museum, Arbeitstitel Marineum, ausgebaut werden. Dazu hat die Verwaltung eine Beschlussvorlage vorbereitet, die eine klare Empfehlung gibt: Das Tradi soll in den Stadthafen. Grundlage dafür ist eine Potenzialanalyse, die die Standorte Iga-Park und Stadthafen gegeneinander abwägt. Das Fazit: Vorausgesetzt die Stadt investiert in den Standort, die Ausstellung und das Marketing, könnte der Stadthafen deutlich mehr Besucher anlocken als der Iga-Park bei gleicher Ausstattung. Großer Pluspunkt des Stadthafens ist die Nähe zur Innenstadt. Dabei betrachtet die Analyse neben dem Liegeplatz an der Haedgehalbinsel auch den Liegeplatz der MS "Georg Büchner" als möglichen Standort. "Das war eine Idee, die wir aber später haben fallen lassen", sagt Dr. Peter Danker-Carstensen, Leiter des Schifffahrtsmuseums. Mit diesem Standort seien zu viele Komplikationen verbunden gewesen, denn schließlich hätte unter anderem ein adäquater Ausweichliegeplatz für das Jugendgästeschiff "Georg Büchner" gefunden werden müssen.

Die Analyse der Agentur Animare Projektmanagement Tourismus gibt anhand von drei unterschiedlichen Szenarien Prognosen über die Besucherzahlen an den Standorten ab. In den Untersuchungen hat der Stadthafen stets die Nase vorn.

Szenario 1: Im Iga-Park bleibt alles beim Alten, allein das Marketing wird verbessert - dann rechnen die Experten mit 40 000 Besuchern jährlich. Bei einer Verholung des Traditionsschiffs in den Stadthafen, bei gleichbleibender Ausstattung des Museums, geht die Analyse von 49 000 Besuchern im Jahr aus.

Szenario 2: Ein Museumsbau an Land, Aktionen und Events bringen dem Iga-Park 79 000 Besucher, dem Stadthafen bereits 92 000.

Szenario 3: Das Museum wird zu einer eigenständigen touristischen Attraktion mit überregionaler Strahlkraft ausgebaut, mit maritimem Erlebnispark und wechselnden Angeboten. Diese optimale Lösung würde laut Expertise 171 000 Besucher in den Iga-Park locken und 190 000 in den Stadthafen.

Dass mit dem Standort Stadthafen jedoch auch Schwierigkeiten verbunden sind, verschweigt die Beschlussvorlage der Stadt nicht. "Die Entscheidung für den Museumsstandort im Bereich Christinenhafen/Haedgehalbinsel bedeutet gleichzeitig die Entscheidung für einen planerisch anspruchsvollen Standort", heißt es in dem Papier. Zum einen ist die L 22 als meistbefahrene Straße des Landes ein Hindernis. Sie wirkt wie eine Grenze zwischen der Innenstadt und dem Hafen. Ein Problem, das auch im Zusammenhang mit einem möglichen Theaterneubau im Christinenhafen diskutiert wird. Hier sieht die Verwaltung übrigens Synergieeffekte. Denn das Marineum und das Theater könnten sich Anlagen wie beispielsweise eine Tiefgarage oder Gastronomie teilen, heißt es von der Stadt.

Zum anderen taucht als Problem auch wieder die räumliche Überschneidung mit der Hanse Sail auf. "Das wird oft als Totschlagargument genutzt", sagt Danker-Carstensen. Denn die Haedgehalbinsel und der Christinenhafen bilden die größten zusammenhängenden Flächen für das maritime Großereignis. Die Stadtverwaltung schlägt hierfür eine "Charakterveränderung wegen Rücksichtnahme auf das hochwertige Umfeld" vor. Grundsätzlich sei eine Weiterentwicklung des Seglerspektakels geplant - wobei die Stadt noch offen lässt, wie diese aussehen soll.

Museumschef Danker-Carstensen befürwortet eine mögliche Entscheidung für den Stadthafen. Für das Museum sei es zwar fast egal, an welchem Standort es entwickelt würde: "Aber für die Entwicklung des Stadthafens ist jedwede Ansiedlung von Kultureinrichtungen gut." Ein Marineum müsste sich hier allerdings bei der Gestaltung der Freilichtausstellung beschränken. Kein Problem, findet Danker-Carstensen: "Wir haben genug Gegenstände, die auch uneingezäunt Vandalismus trotzen können."

Der Standort der "Georg Büchner" am Kabutzenhof ist weder als Veranstaltungsfläche reserviert noch gebe es bei dieser Lösung Bindungen zu beachten, die aus der früheren Vergabe von Förderungen resultieren. Denn sollte das Traditionsschiff den Iga-Park verlassen und hier kein neues Schiff festmachen, droht die Rückforderung von Fördermitteln. Dennoch meint Danker-Carstensen: "Ein Tausch der Liegeplätze von ,Georg Büchner und Traditionsschiff ist unrealistisch."

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