Toi, toi, toi zur Weltpremiere

<fettakgl>Anne-Catrin Märzke</fettakgl> und Lindenberg-Darsteller Serkan-Kaya<foto>© Stage Entertainment</foto>
Anne-Catrin Märzke und Lindenberg-Darsteller Serkan-Kaya© Stage Entertainment

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28. Dezember 2010, 01:57 Uhr

Parchim | Kurz nach der Jahrtausendwende gab eine 15-jährige Schülerin der Parchimer Goethe-Schule ihr Bühnendebüt im Mecklenburgischen Landestheater Parchim: als Räubertochter in dem eigens zum Stadtjubiläum geschriebenen Stück über den Lokalganoven Vieting. Zehn Jahre später hat es Anne-Catrin Märzke auf eine der angesagtesten Bühnen in Deutschland geschafft, die zugleich auch für das wiedervereinigte Berlin steht: Die ehemalige Parchimerin gehört zum Ensemble des mit viel Spannung erwarteten Udo-Lindenberg-Musicals "Hinterm Horizont" - eine Produktion der Stage Entertainment, für die Erfolgsautor Thomas Brussig ("Sonnenallee) das Libretto schrieb. Am 13. Januar 2011 ist Weltpremiere im Theater am Potsdamer Platz. Acht Shows pro Woche stehen auf dem Programm. Schon jetzt sind zig Vorstellungen komplett ausverkauft, der Vorverkauf sprengt weiterhin alle Rekorde. So manches Ticket dürfte gerade eben zu Weihnachten Begeisterungsstürme unter dem Christbaum ausgelöst haben.

Ab Frühjahr ist Anne-Catrin Märzke in dem Ost-West-Musical sogar in einer Hauptrolle zu erleben: als "Vertretung" für Hauptdarstellerin Josephin Busch. Anne-Catrin Märzke spielt die Zweitbesetzung der Jessy - das Mädchen aus Ostberlin. Dabei reichte die 25-Jährige ihre Bewerbung für die in Deutschland, Österreich und in der Schweiz ausgeschriebene Rolle erst Ende Oktober und damit wirklich auf den allerletzten Drücker ein. Die zierliche junge Frau hatte nämlich gar nichts davon mitbekommen, dass Ulrich Waller, Regisseur und künstlerischer Leiter des St. Pauli-Theaters in Hamburg, bereits seit Anfang (!) des Jahres das Casting führte, weil sie mehrere Monate in Los Angelos weilte, um sich dort im Bereich des Schauspiels weiter fortzubilden. Den Tipp erhielt sie schließlich von ihrem Hamburger Gesangslehrer Enrico de Pieri. Schon wenige Tage später hatte Anne-Catrin Märzke die Gewissheit: Sie ist dabei! "Mein Vertrag läuft zunächst bis Februar 2012", freut sich Anne-Catrin Märzke unbändig über diesen Glücksfall in ihrer künstlerischen Laufbahn.

Eine Laufbahn, die sie bereits seit frühen Teenagerzeiten mit enormer Selbstdisziplin angegangen ist. Ihr fachliches Rüstzeug als staatlich anerkannte Musical-Darstellerin erwarb sich die gebürtige Parchimerin in der Hamburger Talentschmiede, der Joop van den Ende Academy. Musicalstar Uwe Kröger erkannte ihr besonderes Potenzial und förderte sie mit einem Stipendium. Wer diese harte Ausbildung mit Unterrichtsphasen von sechs Tagen pro Woche in den Fachbereichen Gesang, Schauspiel und Tanz durchgestanden hat, gilt als erstklassig qualifiziert in der Musical-Branche. Heute fragt sich Anne-Catrin Märzke zuweilen schon, wie sie es da noch schaffte, "nebenbei" zu jobben, um ihren Eltern nicht ständig auf der Tasche liegen zu müssen.

Die Rolle der Jessy, die Anne-Catrin Märzke verkörpern wird, findet die Darstellerin übrigens sehr authentisch: "Sie kommt als eine junge, humorvolle Frau herüber, die auf Rockmusik steht und viele Träume hat. Man kann sich sehr gut in sie hineinfühlen, ein Mädchen wie du und ich eben, das einfach Lust aufs Leben hat", sagt Anne-Catrin Märzke und wird im nächsten Moment nachdenklich: Anders als die Protagonistin im Musical wäre sie heute nicht mehr gezwungen, einen Ausreiseantrag zu stellen, um ihre Liebe leben oder eine besondere künstlerische Herausforderung verwirklichen zu können. Diese Gedanken übermannten sie insbesondere in dem Moment, als sie zum allerersten Mal im großen Theater die Ouvertüre zu "Hinterm Horizont" hörte und dabei gebannt auf die Leinwand mit all den Ostbildern schaute, darunter Aufnahmen, wie die DDR damals eingemauert wurde: "Das ging mir so nahe, ich musste in dem Moment an meine Großeltern denken."

Als die Mauer zum Einsturz gebracht wurde, hatte Anne-Catrin Märzke gerade ihren vierten Geburtstag gefeiert und als sie als weibliche Stimme und Darstellerin auf der "Ghost Opera"-World-Tour mit der amerikanischen Progressive Metal Band Kamelot um den Erdball zog, war sie noch nicht einmal ein Vierteljahrhundert auf der Welt. "Diese Tournee war eine ganz besondere Lebenserfahrung für mich, auf die ich wahnsinnig stolz bin. Ich vermisse schon ein wenig das Reisen und meine Band, denn wir sind unterwegs zu einer

tollen Familie zusammengewachsen", erzählt sie in ihrer unbefangenen, sympathischen Art im Telefongespräch, das übrigens ziemlich zeitig am Morgen stattfand. Anne-Catrin Märzke ist bekennende Frühaufsteherin, hat überhaupt keine Probleme damit, morgens um 6 Uhr hellwach zu sein, um ihr Pensum zu schaffen. Für das Weihnachts-Wochenende gab es ausnahmsweise keinen strengen Zeitplan. Anne-Catrin Märzke verbrachte das Fest entspannt im Kreise der Familie und mit dem Besuch von Freunden. Diese Woche geht der Probenmarathon dann in die entscheidende Phase. Besonders gefordert ist sie ab Mitte Januar: Bevor Anne-Catrin Märzke abends mit dem Ensemble auf der Bühne steht, hat sie schon einen langen Tag hinter sich, nämlich die Einzelproben für die "Jessy", die voraussichtlich erstmals Mitte März mit dem "Mädchen aus Parchim" besetzt ist.

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