Todessturz auf dem Teterower Bergring

<strong>In Aktion:</strong> Vincent Kinchin (l.) am Sonntagmittag
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In Aktion: Vincent Kinchin (l.) am Sonntagmittag

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25. Mai 2010, 07:46 Uhr

Teterow | Sonntag, 16.29 Uhr: Auf dem Teterower Bergring schlägt die Feierstimmung nach einem tollen Renntag in grenzenlose Trauer um. Der 42-jährige Brite Vincent Kinchin, der gegen 13 Uhr im Hoffnungslauf zum "Grünen Band", dem Nachfolge-Finale des legendären Goldhelm-Rennens, gestürzt war, hat die Folgen seines Unfalls nicht überlebt. Die Rennleitung gibt den sofortigen Abbruch der Veranstaltung bekannt - eine Entscheidung, die von tausenden Fans mit Verständnis und Applaus aufgenommen wird.

In der ersten Runde des Hoffnungslaufes fuhr Kinchin eingangs der Nordkurve über einen vor ihm verunglückten Fahrer und zog sich dabei schwerste Verletzungen zu. Der Brite wurde über eine Stunde lang auf der Bahn notversorgt, ein Rettungshubschrauber wurde herbeigerufen. Doch Kinchin war aufgrund seiner Verletzungen - die Rede war von schweren Schäden an der Wirbelsäule und daraus resultierend Fehlfunktionen im Herz-Kreislauf-System - nicht flugfähig, so dass er im Krankenwagen nach Güs trow gebracht werden musste. Von dort kam rund dreieinhalb Stunden nach dem Unfall die schockierende Nachricht, die alle befürchtet hatten.

Die Veranstalter um Clubchef Adolf Schlaak zögerten keine Sekunde, brachen die Veranstaltung umgehend ab. Die Fahrer, inzwischen in der Vorbereitung zum Final-Laufes um das Grüne Band, rollten betreten wieder ins Fahrerlager.

"Die Entscheidung war absolut richtig", urteilte später Enrico Janoschka aus Güstrow, der Titelverteidiger beim "Grünen Band" sowie beim anschließend noch geplanten Bergringpokal und auch diesmal wieder haushoher Favorit.

Die Zuschauer auf den Rängen standen auf und erwiesen dem verstorbenen Sportler zur britschen Nationalhymne die letzte Ehre. Nahezu alle zollten der Entscheidung, das Rennen abzubrechen, mit Beifall Respekt. "Eine andere Entscheidung kam gar nicht in Frage", sagte Schlaak, "wir haben den Fahrern gegenüber auch eine moralische Verantwortung."

Vincent Kinchin wurde im Dezember 1967 in New Roney in der Grafschaft Kent geboren. Der gelernte Dekorateur fuhr seit seinem elften Lebensjahr Rennen und war seit vielen Jahren auf dem Bergring aktiv. Der Brite hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.

In der nunmehr 80-jährigen Geschichte der größten, schönsten und auch gefährlichsten Grasbahn der Welt handelt es sich um den fünften tödlichen Unfall. Zuletzt war 1990 der Rehnaer Seitenwagenfahrer Horst Sabben seinen Verletzungen erlegen. 1975 war ein polnischer Fahrer nach einem Trainingsunfall zu Tode gekommen, zudem überlebten in den 30er- Jahren zwei Fahrer ihre Unfälle nicht.

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