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Lokales

24. November 2017 | 21:26 Uhr

Tischlermeister aus Leidenschaft

vom

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erstellt am 11.Okt.2010 | 10:13 Uhr

Gadebusch | Der Geruch von Holz liegt in der Luft. Hier und da liegen Holzspäne auf dem Fußboden. An einer Werkbank steht ein Mann von mittlerer Größe. Es ist Emil Heller - Tischlermeister aus Leidenschaft. Er trägt seine Arbeitskleidung. Eine blaue Arbeitsschürze, darunter ein rot-kariertes Flanellhemd. Seine Lesebrille sitzt ihm vorn auf der Nasenspitze. Er schaut sich eine Holzplatte genauer an und legt sie neben eine andere auf die Werkbank. Graues Haar und einen ebenso grauen Schnauzer ziert das Gesicht des Tischlermeisters.

Immer wenn der Meister über seine Vergangenheit spricht, nimmt er die Brille ab und legt sie vorsichtig auf die Werkbank vor ihm. An dieser scheint er sich festzuhalten, wenn er in die Vergangenheit eintaucht. Ab und an mal schaut Heller durch ein altes Fenster in der Werkstatt, wenn er gerade davon berichtet, warum er Tischler wurde. Sein Vater war auch schon Tischlermeister und betrieb die Tischlerwerkstatt viele lange Jahre in der Nähe der Gadebuscher Innenstadt. Nur Emil Heller sollte zunächst einen anderen Weg gehen als der Vater. "Wegen der Kollektivierung konnte ich nicht das werden, was ich wollte", sagt Heller und streicht immer mal wieder mit der Hand über die Holzplatte, die vor ihm liegt. Deshalb lernte der heute 64-Jährige zunächst etwas anderes - Rundfunkmechaniker wird er. Nach seiner Ausbildung studiert er und arbeitet bis in die 80er Jahre hinein als Diplom-Ingenieur für Schiffskommunikation. Danach zieht es ihn wieder in die Heimat und er beginnt seine Tischlerlehre bei seinem Vater. "Seit 1988 bin ich nun Tischlermeister hier in Gadebusch." Zwei weitere Jahre danach übernimmt er die Tischlerei von seinem Vater. "Eine moderne Tischlerei - dafür bin ich der Falsche." Denn hier geschieht noch alles auf traditionelle Weise und zwar von Hand. Nur einige Maschinen stehen in der Werkstatt - aber alle handgeführt, wie der Meister anzumerken weiß und dabei verschmitzt lächelt.

Hellers eigentliche Leidenschaft sind alte Möbelstücke, die er liebevoll in seiner Werkstatt restauriert. Ein großer Schrank steht im hinteren Teil der Werkstatt. Die Rückwand und die Sei-tenwände fehlen ebenso die Schubkästen. "Das ist ein Jugendstil-Schrank, den ich gerade aufarbeite." Auch zu diesem Möbelstück fällt ihm wieder eine Geschichte ein. Wenn er erzählt, wie so ein Schrank zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Hand gefertigt wurde, strahlen seine braunen Augen. "Was die Alten früher gemacht haben, ist heute aufgrund der fehlenden Zeit gar nicht mehr möglich. Und das Wissen ist auch verloren gegangen", sagt der Tischler und streicht über die eine Seite des Schubkastens. Wenn er einen Schrank aus dem 19. oder 20. Jahrhundert restauriert, muss er wissen, wie der Tischler damals gearbeitet hat. "Die Grundlagen des Handwerks lernt ein Auszubildender nur in einem kleinen Meisterbetrieb. Aber diese Grundlagen braucht er später auch bei der industriellen Ferti-gung." Während Heller erzählt, geht er durch seine Werkstatt. An den Deckenbalken hängen viele Schraubzwingen, große wie kleine. Der Tischler nimmt eine Holzleiste und legt sie auf die Tisch-platte bei der Kreissäge. Jetzt wird es laut in der Werkstatt. Langsam schiebt er das Stück Holz in Richtung Säge. Ein bisschen Sägespäne wirbeln durch die Luft und schimmern im Licht, das durch die Fenster reinfällt. "Heute wird nicht mehr viel von Hand gemacht, dafür gibt es viele Maschinen. Bis ich aber die Maschine richtig eingestellt habe, bin ich von Hand schon lange fertig", sagt der Meister und lächelt.

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