Tierheim platzt aus allen Nähten

<strong>Terrier-Mix Purzel</strong> spielt und tobt gerne.
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Terrier-Mix Purzel spielt und tobt gerne.

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29. Juli 2010, 08:16 Uhr

Schlage | Er muss einen Schutzengel gehabt haben. Nur durch einen großen Zufall hat der acht Wochen alte Terrier-Mischling Alvin mit seinen beiden Geschwistern überlebt. Ihr Besitzer hat die drei Welpen in einen winzigen Pappkarton gesteckt und diesen mit Tesa-Band verschlossen. Die Kiste hat der verantwortungslose Hundehalter auf einem Parkplatz bei sengender Hitze in der Nähe von Rethwisch abgestellt. Zum Glück fanden zwei ältere Damen den Karton, aus dem es quiekte. Schnell brachten sie die leidenden Würmchen ins Tierheim nach Schlage, wo sie sofort aufgepäppelt wurden. "Es hätte nicht viel gefehlt, da wären die armen Tiere durch Austrocknung und Überhitzung gestorben", sagt Norbert Schlösser, Projektleiter des Tierheims.

Vorfälle wie diese sind längst keine Seltenheit mehr. Mehrmals täglich stehen Hunde-, Katzen und Kleintierhalter vor den Toren der Anlaufstelle. Fast 400 Tiere beherbergt das Heim. "So viele hatten wir noch nie" sagt Schlösser. Aus allen Nähten platzt die Unterkunft, die eigentlich für 200 Tiere ausgelegt ist. Jede Box, jeder Raum und jeder Zwinger ist belegt. "Wir müssen einige Hunde sogar in unseren Geschäfts- und Lagerräumen unterbringen", so der Projektleiter. An einem Haus werden gerade zusätzlich Außenzwinger für künftige Neuankömmlinge gebracht. "Das sprengt einfach den Rahmen", sagt er. Denn jeder Vierbeiner wird zuerst ärztlich behandelt, entwurmt und anschließend mit Nahrung versorgt. Diese Kosten werden ausschließlich durch Spenden von Tierfreunden finanziert. Schlössers Befürchtung: "Wenn es so weiter geht, können wir das nicht mehr lange tragen."

Respekt vor dem Leben wird immer geringer

Die Gründe für diesen explosionsartigen Zuwachs an abzugebenden Haustieren sind dem Pfleger nicht neu: "Es ist die wirtschaftliche Lage. Viele Menschen können sich die kleinen Wegbegleiter nicht mehr leisten." Gerade wenn teure Arztbesuche anstehen, merken die meisten Menschen, dass die Vierbeiner nicht nur niedlich sind, sondern auch den Geldbeutel belasten. "Andere wiederum verlieren die Lust an ihrem Gefährten, wenn dieser nicht mehr klein und kuschelig ist."

Schockierend für den Heimleiter ist außerdem der immer geringer werdende Respekt vor dem Leben. "Katzenbabys werden uns nachts über den Zaun geworfen und verwahrloste Hunde einfach vor dem Eingang angebunden", so der Tierfreund. Sie werden einfach ihrem Schicksal überlassen. Unternehmen kann er dagegen nichts. Damit jedes Tier künftig identifiziert werden kann, schlägt Schlösser vor, dass allen Hunden und Katzen ein Chip eingepflanzt wird. "So könnte man ihre Herkunft bestimmen und den Halter ausfindig machen", sagt er. Auch sei es eine Erleichterung für das Heim, wenn die Kommune einen Steuererlass für Heimtiere einführen würden, meint der Leiter. Die Bedeutung eines Tierheims hat sich in den Köpfen der Menschen stark verschoben. Es sei eigentlich eine Zufluchtstätte für in Not leidende Tiere, so Schlösser. "Allerdings geben viele ihre Tiere bereits ab, wenn sie nur etwas unbequem werden oder nicht dem erwarteten Ideal entsprechen", sagt er. Vielen Haltern mangele es an Verantwortungsbewusstsein. Sie verkennen, was es heißt, sich ein Haustier anzuschaffen. Ein Opfer solch einer Unüberlegtheit ist West Highland Terrier Sammy. "Seine Ohren waren dem Halter zu groß und die Beine zu krumm", sagt der Heimleiter. So brachte der Besitzer den kleinen weißen Hund nach Schlage, wo er jetzt sein trauriges Dasein fristet.

"Dabei wird die Verweildauer der Vierbeiner immer länger", stellt der Projektleiter mit Bedauern fest. Die wenigsten bleiben ein paar Monate. Die meisten pflegt er mit seinem Team bis zu mehreren Jahren. Derzeit leben 79 Hunde, 162 Katzen, 90 Vögel und 59 Kleintiere auf dem Gelände des Schlager Tierheims.

Spendenkonto vom Tierheim Schlage:

Kontonummer: 290 001 501, Bankleitzahl: 130 500 00 Ostseesparkasse Rostock

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