Tierärzte fürs Vieh fehlen

Ärztemangel auf dem Lande gibt es auch in der Veterinärmedizin. Vor allem bei der Behandlung von großen Nutztieren fehlt der Ärztenachwuchs. Ein Grund: 90 Prozent der Tiermedizin-Studenten sind weiblich und ziehen Kleintierpraxen vor.

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13. August 2009, 10:34 Uhr

Bützow | Schlechte Aussichten für Rind, Ziege, Schwein und Co.: Die meisten Nutztierärzte in der Region sind über 50 Jahre alt - oder noch weit darüber. Günter Köser aus Selow ist schon über zehn Jahre in Rente, eilt aber noch immer in den Stall zu tierischen Patienten, wenn seine Hilfe gefragt ist.

"Von den 1192 in der Landestierärztekammer organisierten Groß- und Kleintierärzten sind 581 bereits im Ruhestand", sagt Präsident Rolf Pietschke. In den nächsten zehn Jahren gehe wieder ein Schwung in Rente.

Das Problem: Die meisten Studenten interessieren sich für Kleintierpraxen und die Behandlung von Pferden. "Das ist für viele attraktiver", so Pietschke.

Jörg Neubauer ist der Beweis dafür. Der Tierarzt aus Tarnow kümmert sich ausschließlich um Pferde. Der 44-Jährige könne sich über mangelndes Interesse seitens Studenten nicht beklagen. Über einen Nachfolger müsse er sich deshalb keine Sorgen machen. "Allerdings ist die Arbeit anstrengender als mit Kleintieren", räumt Neubauer ein.

Damit spricht er ein weiteres Problem an: "90 Prozent der Tiermedizin-Studenten sind weiblich", sagt Pietschke. Davon strebe die Mehrheit eine Spezialisierung auf Pferde und/oder Kleintiere an. Der Präsident der Landestierärztekammer weiß, dass die körperliche Anstrengung bei der Behandlung von Nutztieren abschreckend auf den weiblichen Nachwuchs wirke, mittlerweile sei dieses Argument jedoch nicht mehr so schlagkräftig wie noch vor einigen Jahren. "Der körperliche Einsatz hält sich angesichts modernster medizinischer Technik heute in Grenzen", sagt Rolf Pietschke. So ersetzen z. B. Trächtigkeitsuntersuchungen mittels Ultraschall die anstrengende "Handarbeit".

Finanzielle Aspekte stehen laut Pietschke bei der Wahl der Fachrichtung nicht im Vordergrund - schließlich seien Kleintierpraxen weiter gestreut, somit die Konkurrenz größer.

Um mehr Nutztierärzte zu gewinnen, wirbt die Kammer an Universitäten. Zusammen mit Bauernverbänden vermittle man Studenten attraktive Praktikumsplätze. Vor allem Landwirte sind auf die Veterinäre, die auch Großtiere behandeln, angewiesen.

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