zur Navigation springen
Lokales

17. August 2017 | 07:56 Uhr

Thor Steinar exmatrikuliert

vom

Greifswald | Jacken, Pullover und T-Shirts der Modemarke "Thor Steinar" gelten unter Neonazis als Erkennungszeichen. Als erste Hochschule in Deutschland hat die Universität Greifswald jetzt das Tragen von "Thor Steinar"-Kleidungsstücken in ihren Räumen verboten. "Wir haben dafür extra die Hausordnung der Universität verändert", sagte Jan Meßerschmidt, Sprecher der Universität.

Im entsprechenden Passus der Hausordnung heißt es jetzt: "Untersagt werden insbesondere die Verwendung von Kennzeichen mit verfassungswidrigen, rassistischen, fremdenfeindlichen, gewaltverherrlichenden oder anderen menschenverachtenden Inhalten. Ebenfalls untersagt werden Verhaltensweisen, die geeignet sind, diesbezügliche Missverständnisse hervorzurufen." Jan Meßerschmidt: "Damit ist auch die Kleidung des bei Neonazis beliebten Modelabels ,Thor Steinar in der Universität verboten."

Die Universität war vor Wochen in die Schlagzeilen geraten, weil ein Juradozent der Hochschule in Verdacht geraten war, mit rechtsextremen Auffassungen zu sympathisieren. Außerdem trug er "Thor Steinar-Kleidung".

Das Rektorat lässt die Vorwürfe prüfen. Auf der Internetseite der Universität schreibt Rektor Prof. Dr. Rainer Westermann dazu: "Wir nehmen die Situation zum Anlass, darauf zu verweisen, dass das Rektorat auch in Zukunft keine Meinungsäußerungen und Aktivitäten dulden wird, die das freiheitlich-demokratische System der Bundesrepublik infrage stellen."

Das Greifswalder "Thor Steinar-Verbot " wurde gestern in der Landespolitik kontrovers diskutiert. Bildungsminister Henry Tesch (CDU) begrüßte "diesen ersten Schritt der Universität Greifswald, hier eine Möglichkeit geschaffen zu haben, auch über das Hausrecht diesen Erscheinungen Einhalt zu gebieten." Unterstützung kommt auch von der CDU-Fraktion im Schweriner Landtag. "Die Hochschulleitung in Greifswald handelt richtig. Ich würde mir wünschen, dass sich alle Bildungseinrichtungen im Land an dem entsprechenden Passus der Hausordnung orientieren", sagte André Sprecht, hochschulpolitischer Sprecher. Dagegen findet der Rostocker SPD-Abgeordnete Matthias Brodkorb, dass die Änderung der Hausordnung zwar ein richtiges Zeichen sei. Doch bezweifelt er, "dass aufgrund der notwendigen Allgemeinheit des Wortlauts die Regelung geeignet ist, das Tragen von ,Thor Steinar-Kleidung zu unterbinden".

Auch der innenpolitische Sprecher der Linken, Peter Ritter, unterstützt die Entscheidung der Uni, betonte aber: "Verbote allein reichen im Kampf gegen Rechtsextremismus nicht aus." Für die FDP-Fraktion sagte Gino Leonhard: "Die Marke spielt mit Symbolen der neonazistischen Szene. Insofern hat sie in einer weltoffenen Universität nichts verloren."

Der Landtag hat das Tragen von "Thor Steinar " schon vor drei Jahren untersagt . Auch bei Spielen des FC Hansa Rostock hat die Modemarke Stadionverbot.

zur Startseite

von
erstellt am 09.Sep.2010 | 07:20 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen