Thermohose und Sonnencreme

Holger Hoppe arbeitet bei bis zu Minus 25 Grad Celsius  im Kühlhaus. Draußen ist es 50 Grad wärmer.
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Holger Hoppe arbeitet bei bis zu Minus 25 Grad Celsius im Kühlhaus. Draußen ist es 50 Grad wärmer.

Die einen sind froh, bei Minustemperaturen Lebensmittel zu packen, die anderen ächzen unter der gnadenlosen Sonne bei schwerer körperlicher Arbeit.

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19. August 2009, 06:20 Uhr

Rostock | Ein T-Shirt, ein dünner Pullover, ein dicker Pullover und eine dicke Thermojacke, Wollmütze, Handschuhe und zwei paar Socken - was Holger Hoppe bei der Arbeit trägt, dürfte sich für die meisten Menschen unerträglich anhören. Die derzeitige Hitze weckt viel mehr den Wunsch, so wenig wie möglich anzuziehen und dem Anstand entsprechend so viel wie nötig.

Holger Hoppe kann angesichts der Temperaturen gelassen bleiben. Der 24-Jährige arbeitet im Kühlhaus des Rostocker Fischereihafens - dort, wo sogar Eiszapfen an der Decke hängen und ein Kugelschreiber nicht mehr schreibt. Bei Temperaturen zwischen minus 18 und minus 25 Grad stapelt er Kartons mit Hühnerfleisch, Tiefkühlgemüse, Fisch und Speiseeis. "Eigentlich ist das recht angenehm, wenn man einmal aufgeheizt ist", sagt er und macht dabei kleine Atemwolken, so kalt ist die Luft.

Temperaturunterschiede von mehr als 50 GradWenn Holger Hoppe jedoch kurz draußen ist, zum Beispiel um Ware entgegen zu nehmen oder Daten aufzuschreiben, kommt die Hitze wie ein Schlag. "Immerhin sind das Temperaturunterschiede von etwa 50 Grad Celsius", sagt der Rostocker.

Bei einer Arbeitstunde verbringen die dick angezogenen Mitarbeiter höchstens 40 Minuten im Kühlhaus, den Rest der Zeit verbringen sie außerhalb, sagt Kühlhaus-Leiter Erhard Borowski. "Damit sie nicht ständig der Kälte ausgesetzt sind." Doch die Arbeit bei Minustemperaturen im Hochsommer scheint sogar ein abhärtende Wirkung zu haben, ähnlich wie die von Warm-kalt-Wechselduschen. "Unsere Facharbeiter im Kühlhaus sind fast nie krank", bestätigt Borowski.

In der Pause wärmt sich Holger Hoppe mit heißem Kakao. Und nach Feierabend geht er erstmal heiß duschen, bevor er zum Strand fährt. Wie die, die den ganzen Tag in heißen Büros oder auf Baustellen brüten. Im Winter sei es angenehmer, einen Arbeitsplatz mit arktischen Temperaturen zu haben. "Da ist der Temperaturunterschied nicht so hoch. Aber am besten ist immer noch Frühling und Herbst."

Ronny Ebert und Oleg Ehrlich wissen dagegen gar nicht, was sie sich zuerst ausziehen sollen. Doch der Arbeitsschutz erlaubt es in ihrem Job nicht, mit freiem Oberkörper zu arbeiten. Die beiden sind Facharbeiter im Tief- und Straßenbau. Ihre Baustellen sind Straßen und Plätze, wo sie meist der prallen Sonne ausgesetzt sind. Wie sich ihre Füße in den Arbeitsschuhen anfühlen, darüber wollen die beiden Männer lieber nicht sprechen.

"Mehr Pausen machen und viel Wasser trinken" Was Ronny Ebert seinen Leidensgenossen rät: "Langsamer arbeiten, mehr Pausen machen, viel Wasser trinken." Ideal seien Temperaturen um die 20 Grad Celsius. "Wenn man nur in der Hitze steht, schafft man ja nichts. Dann stimmt die Leistung nicht mehr und die Qualität irgendwann auch nicht", sagt der 20-Jährige.

Nach zwei Sonnenbränden, die er sich bisher beim Arbeiten geholt hat, beugt er nun mit Sonnencreme vor. "Als Straßenbauarbeiter wird man entweder braun oder rot." Sein Kollege Oleg Ehrlich schützt seinen Kopf mit einem passenden Hut gegen die erbarmungslosen Sonnenstrahlen.

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