Theater zwischen Tischen und Tresen

'Det Scheenste sind de Beene' meinten Schauspielerin Brigitte Peters und ihr Kollege Sebastian Reusse  sowie  Pianist Thomas Möckel, hier  im Weinhaus Uhle. Cordes
"Det Scheenste sind de Beene" meinten Schauspielerin Brigitte Peters und ihr Kollege Sebastian Reusse sowie Pianist Thomas Möckel, hier im Weinhaus Uhle. Cordes

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19. März 2011, 01:57 Uhr

Schwerin | "Hier bekommt man Lust auf Theater, Lust auf mehr Theater", sagte Uwe Peters, der extra aus Berlin zur Schweriner Theater-Theken-Nacht angereist war, weil seine Mecklenburger Freunde ihm von der unterhaltsamen Leistungsschau des Staatstheaters vorgeschwärmt hatten. Sein Urteil teilten garantiert die meisten der mehr als 2200 Besucher des Kulturspektakels, das zum 9. Male wieder restlos ausverkauft war. Denn die Schauspieler, Sänger und Musiker des Mecklenburgischen Staatstheaters hatten nicht nur ein abwechslungsreiches, sondern auch anspruchsvolles Programm mit hohem Unterhaltungswert auf die Bühnen zwischen Tischen, Stühlen und Tresen gebracht.

Schauspieler This Maag etwa zeigte sein artistisches Können gemeinsam mit Martin Brauer. Andreas "Lemmi" Lembcke stellte seine kabarettistischen Fähigkeiten unter Beweis und führte einen imaginären Dialog als Wiking-er und Wiking-sie. Grenzer Volker alias Jochen Fahr kämpfte in seiner DDR-Parodie nicht nur für Frieden und Sozialismus und eine strahlende Zukunft auf dem Roten Planeten, sondern rettete gleich noch die Welt - und ließ die Lachmuskeln des Publikums nur so beben.

Dass das auch auf Platt funktioniert, demonstrierte Andreas Auer von der Fritz-Reuter-Bühne äußerst anschaulich. Er verwandelte sich einfach in Udo Lindenberg und schmetterte dann in köstlichem Niederdeutsch die Hits des Rockstars durch die Kneipenlüfte.

Das Publikum der 9. Theater-Theken-Nacht erlebte die Künstler indes keineswegs nur in heiteren Rollen, sondern bekam wie stets auch Kostproben klassischer Theaterkunst. Schauspielerin Brit Claudia Dehler beispielsweise versuchte sich im Dialog mit dem Publikum, ihr Kollege Markus Wünsch spielte mit der Gedichtform. Konzertmeister Volker Reinhold, Erste Geige der Staatskapelle, lieferte gemeinsam mit Orchesterleiter Paolo Bressan klassische Musik auf höchstem technischen Niveau, was das Publikum mit stehenden Ovationen honorierte. Euphorisch gefeiert wurden aber auch die Schauspieler Rüdiger Daas, Hannes Richter und Torsten Thomann, die als Mariage a trois klassischen Rockn Roll vortrugen. Staatskapellen-Solo-Posaunist Sven-Matthias Brandt hatte von seinem Venezuela-Aufenthalt die heißen Salsa-Rhythmen gemeinsam mit seinen Kollegen Andreas Winkler und Miguel Lopez nach Mecklenburg gebracht. Und der ganze Saal schmetterte: "Heut Nacht an der Theke gibt es keinen Walzer, zur Theater-Theken-Nacht Mecklenburger Salsa".

"Ich habe schon oft versucht, Karten für dieses Spektakel zu ergattern, weil es so einen tollen Ruf hat. Diesmal hatte ich Glück. Jetzt weiß ich auch, warum das Theater im vergangenen Jahr eine Bundesauszeichnung dafür bekommen hat", sagte Kirsten Schmidt. Monika Hilla ergänzte: "Es ist toll, mal den Künstlern so nahe zu sein." Das gefiel auch Wilfried Kapischke: "Eine total krasse Idee, diese Theater-Theken-Nacht, denn man erlebt die Theaterleute mal ganz anders und ist immer wieder aufs Neue überrascht. Großartig."

Intendant Joachim Kümmritz war glücklich: "Wir haben eine bunte Mischung aus unserem Leistungsspek trum gezeigt. Das kam an. Was kann es Schöneres für einen Theaterchef geben als zu erleben, dass dieses Theater in der Stadt verankert ist und von den Schwerinern geliebt wird?"

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