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Lokales

22. November 2017 | 16:06 Uhr

Theater plant den Tarifaustritt

vom

svz.de von
erstellt am 15.Nov.2011 | 09:48 Uhr

Theaterleitung und Aufsichtsrat haben sich schon für einen Haustarif für die Beschäftigten des Volkstheaters ausgesprochen. Bevor es dazu kommt, steht jetzt zunächst eine einschneidende Entscheidung an: Die Theater GmbH soll aus dem Kommunalen Arbeitgeberverband austreten und zum 31. Januar 2012 vom Vollmitglied in den Gaststatus wechseln. Darüber berät heute erstmals der Hauptausschuss; die Bürgerschaft entscheidet voraussichtlich am 7. Dezember.

Die Begründung für den geplanten Schritt: Ein Status ohne Tarifbindung sei notwendig, um überhaupt in die Verhandlung eines Haustarifs zu treten, heißt es in der Beschlussvorlage der Verwaltung. Mit dem Beschluss soll gleichzeitig die Aufnahme solcher Verhandlungen angestoßen werden. Von einem Haustarif verspricht sich die Theaterleitung eine Bremse für die ansonsten automatisch eintretende Steigerung der Personalkosten, die auf 1,15 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren geschätzt wird.

Allerdings bedeutet ein Austritt aus dem Flächentarif noch nicht automatisch, dass es zum Abschluss eines befristeten Haustarifs mit Lohnverzicht aller Mitarbeiter kommen muss. Die Verhandlungen könnten scheitern. Unabhängig davon ist ein Szenario denkbar, bei dem Einzelverträge abgeschlossen werden - ohne, dass die Gewerkschaften überhaupt mit am Verhandlungstisch sitzen.

"Grundsätzlich kann der Ausstieg aus der Tarifbindung als Weg gewählt werden. Dann müssen die Arbeitgeber aber auch gesonderte Verhandlungen in Kauf nehmen. Außerdem erlischt die Friedenspflicht", sagt Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung (DOV). Im Klartext bedeutet das: Die Mitarbeiter des Volkstheaters könnten dann in den Streik treten, um ihre Forderungen durchzusetzen. Als Berufsverband und Gewerkschaft vertritt die DOV die Interessen von Berufsmusikern. Deren Gagen, ebenso wie die der anderen künstlerischen Mitarbeiter, sind an die Tarife im öffentlichen Dienst, also die dynamisch steigenden Gehälter der Verwaltungsmitarbeiter und Techniker, gekoppelt.

Die Personalkosten, die mit rund 14 Millionen Euro den größten Teil der Ausgaben des Volkstheaters ausmachen, werden in dem jetzt vorgelegten Unternehmenskonzept für das Volkstheater genau unter die Lupe genommen. Grundsätzlich scheint der Personalabbau demnach als Mittel für Einsparungen ausgereizt. Fast 76 Stellen wurden in den vergangenen zehn Jahren bereits gestrichen. Das entspricht 22 Prozent der ehemals Angestellten. Wegen steigender Tarifgehälter blieben die Personalkosten dennoch nahezu gleich hoch. "Das unkoordinierte Nichtbesetzen frei werdender Stellen hat zu Einschränkungen des Angebots geführt, ohne dass die wirtschaftlichen Konsequenzen berücksichtigt wurden", heißt es in einem Papier von Geschäftsführer Stefan Rosinski und Intendant Peter Leonard. Das Theater leide unter den Folgen einer immer dünneren Personalausstattung und eingeschränkter Handlungsfähigkeit.

Rosinski und Leonard wägen drei Konsolidierungsmodelle ab. Eine Verkleinerung des Orchesters von 72 auf 66 Musiker und des Chors auf 20 Mitglieder würde zwar Personalkosten sparen, kurzfristig jedoch den Etat mit Abfindungen belasten. Hinzu kommt, dass das Orchester als größtes Zugpferd für die Umsätze der Theater GmbH gilt. Eine Standortschließung, etwa des Theaters im Stadthafen, würde eine große Zahl betriebsbedingter Kündigungen nach sich ziehen. Mit dem verbleibenden Stamm könnten die Aufführungen nicht mehr ins große Haus integriert werden. "Faktisch liefe das auf die Schließung der Sparte Schauspiel hinaus", heißt es im Konzept.

Ein auf fünf Jahre befristeter Haustarif wird letztlich als einzige Chance gesehen, das tarifliche Defizit aufzufangen. Er sei ressourcenschonend und belasse maßgebliche Handlungsfreiheit bei der GmbH, um sich selbst zu konsolidieren, heißt es im Fazit.

Unabhängig von den steigenden Personalkosten kämpft das Theater mit einer strukturellen Unterfinanzierung, da das Land seinen Zuschuss eingefroren hat und auch die Stadt ihre Zahlungen nicht erhöhen will. "Daher wird es die Hauptaufgabe sein, durch interne Strukturveränderungen die Erlössituation zu verbessern."

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