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Weil Schweriner zu wenig Abfall produzieren, hebt SDS Gebühren an : Teurer Müll: Sparen für die Tonne

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Abfallentsorgung und Straßenreinigung werden teurer. In Schwerin steigt die Gebühr für Müll laut SDS um 12,6 Prozent und für Straßenreinigung um 12,7 Prozent. Daraus entstehen Mehrbelastungen für alle Haushalte.

svz.de von
erstellt am 08.Jun.2011 | 10:10 Uhr

Schwerin | Die Abfallgebühren in Schwerin steigen im kommenden Jahr um 12,6 Prozent. Das teilen die Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen Schwerin (SDS) mit. Daraus entstehen Mehrbelastungen für alle Haushalte. Für eine 80-Liter-Tonne steigen die jährlichen Kosten um 19 Euro, für eine 120-Liter-Tonne um etwa 24 Euro.

Die Krux ist laut SDS, dass die Preise steigen, weil die Schweriner zu wenig Müll produzieren. Müllmänner müssen immer weniger Tonnen rücken. Durch Abmelden von 1100-Liter-Tonnen fehlen Einnahmen in Höhe von mehr als 200 000 Euro, heißt es in der Auswertung der SDS. So hat die Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS) zum Beispiel in einigen Wohnblöcken "mehrere Tonnen abgemeldet", sagt SDS-Werksleiterin Ilka Wilczek. So geht das abzuholende Abfallvolumen teilweise um bis zu 60 Prozent zurück. Hintergrund ist, dass die WGS aus Gründen der Kostenersparnis dazu übergegangen ist, den Hausmüll in einigen Wohnblöcken nachsortieren zu lassen. Die anfallenden Restmüllmengen sind in manchen Stadtteilen um ein Vielfaches höher als in anderen. So produziert ein auf dem Großen Dreesch ansässiger Schweriner laut SDS bis zu 80 Liter Abfall pro Woche. Während ein Einfamilienhausbewohner wöchentlich zum Teil weniger als 15 Liter Müll anhäuft. Dieser Gegensatz habe unter anderem die WGS dazu animiert, für ein besseres Müllmanagement zu sorgen, sagt Wilczek. In der Folge haben Müllmänner weniger zu tun. Macht es dann noch Sinn, weniger Hausmüll zu produzieren?

"Ja, macht es", sagt Wilczek. Denn die Gebührensteigerung betrifft zu gleichen Teilen die Grund- und die Leistungsgebühr. Letztere ist abhängig davon, wie häufig eine Tonne geleert wird. Fällt weniger Müll an, kommen die Müllmänner seltener und die Kosten sinken. Laut SDS sind auch die umgestellten und gestiegenen Gebühren der Landesdeponie in Ihlenberg Schuld am Preisanstieg. Hinzu kommen gestiegene Dieselpreise und höhere Personalkosten. "Wir wollen unsere Leute anständig bezahlen", sagt Wilczek.

Finanzlücke überbrückte die SDS mit Rücklagen

In den zurückliegenden Jahren hatte die SDS die entstandene Finanzlücke aus Rücklagen des Unternehmens gestopft. Doch diese sind aufgebraucht. Ohne Gebührenanhebung würde im kommenden Jahr eine Finanzlücke von knapp 900 000 Euro klaffen, wie die SDS prognostiziert.

Um das Minus auszugleichen, hebt die SDS vom 1. Januar 2012 an auch die Straßenreinigungsgebühren im Schnitt um 12,7 Prozent an. In dem Bereich rechnet das Unternehmen im kommenden Jahr mit einem Defizit von 233 000 Euro, "die aus den erhöhten Winterdienstkosten resultieren", heißt es. Die Preissteigerung trifft vor allem Ladeninhaber in der Mecklenburgstraße. Hier fährt die Straßenreinigung sechsmal die Woche. Zum Vergleich: In der Beethovenstraße rollen die Reinigungsmaschinen nur alle 14 Tage, was sich für Grundstückseigentümer deutlich im Preis bemerkbar macht. Doch jetzt den Besen selbst in die Hand zu nehmen und die Straßenreinigung zu kündigen, ist unmöglich. "Schweriner sind an unsere Leistungen gebunden", sagt Wilczek. Immerhin leeren die Mitarbeiter unter anderem auch die mehr als 800 Mülleimer in der Innenstadt.

Im Städtevergleich müssen Schweriner für Müllentsorgung und Straßenreinigung weniger tief in die Tasche greifen als andere. In Rostock kostet Straßenreinigung im Schnitt fast ein Drittel mehr. Und im Preis für die Müllentsorgung sind in Schwerin auch Altpapier-, Spermüll-, Bio- und Schadstoffbeseitigung enthalten. Im Landkreis Parchim zahlen Anwohner mitunter knapp 300 Euro für die Leerung einer 120-Liter-Tonne.

Die Rechenbeispiele:

Abfallentsorgung: Eine vierköpfige Familie braucht in der Regel eine 80-Liter-Tonne. Die Grundgebühr beträgt bislang 43,08 Euro und steigt ab 2012 auf 52,38 Euro. Hinzu kommt die so genannte Leistungsgebühr, die sich orientiert, wie oft die Tonne geleert wird. Diese Gebühr steigt bei einer wöchentlichen Leerung von 109,38 auf 119,11 Euro. In diesem Fall entsteht eine Mehrbelastung von
19,03 Euro. In den Haushalten kann an der Müllmenge gesparrt werden, so dass die Tonne nicht jede Woche geleert wird.

Straßenreinigung: Geschäftsinhaber in der Mecklenburgstraße müssen bei einer Ladenfront von 22 Meter pro Jahr mit einer Kostensteigerung von 96,80 Euro rechnen. Die Straße wird dort sechsmal pro Woche gesäubert. In anderen Straßenzügen erfolgt die Reinigung alle 14 Tage.

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