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Goodman bleibt millionenschweres Immobilienprojekt schuldig : Teure Fehlinvestition

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Bauverzögerung an der Rollbahn: Die vor zwei Jahren vom australischen Industrieimmobilien- Konzern Goodman angekündigten Millioneninvestitionen in einen Industriepark am Flughafen Parchim kommen nicht in Gang.

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erstellt am 15.Mär.2011 | 07:53 Uhr

Parchim | Bauverzögerung an der Rollbahn: Die vor zwei Jahren vom australischen Indus trieimmobilien-Konzern Goodman angekündigten Millioneninvestitionen in einen Industriepark am Flughafen Parchim kommen nicht in Gang. Bislang seien keine Bauanträge gestellt worden, sagte Parchims Landrat Klaus-Jürgen Iredi (SPD): "Keiner weiß, wie es weitergeht." Goodman hatte nach der Privatisierung des Flughafens an den chinesischen Investor Jonathan Pang 53 Hektar an den Airport grenzende Gewerbeflächen mit Baurecht übernommen. Mit dem Verkaufspreis von 13 Millionen Euro konnte Pang seinerzeit seine erste Kaufrate an den Landkreis und die Stadt Parchim bezahlen. Früheren Angaben zufolge wollten die Australier in einem ersten von drei Projekt abschnitten Investitionen im dreistelligen Millionenbereich anschieben - u. a. in den Bau von Fabrik-, Lager- und Bürogebäude für Unternehmen der Hightech-, Elektronik- und Bekleidungsbranche sowie logistische Dienstleister.

Bislang entpuppt sich der Flächendeal für Goodman allerdings als teure Fehlinvestition. Zunächst hatte die ungeklärte Finanzierung des chinesischen Flughafeninvestors Pang bei den Immobilienentwicklern für Zurückhaltung gesorgt, sagte Landrat Iredi. Inzwischen liegt eine entsprechende Finanz-Vereinbarung vor. Goodman habe sich aber "zurückgezogen", erklärte Iredi.

In der deutschen Goodman-Zentrale in Düsseldorf hieß es in Mitarbeiterkreisen, das Projekt "liegt mindestens bis Jahresende auf Eis". Das Goodman-Management selbst hält sich auffallend zurück: "Kein Kommentar", erklärte Country-Manager Andreas Fleischer gestern.

Womöglich aus gutem Grund: Die Investitionspläne sind völlig aus den Fugen geraten. Den ursprünglichen Planungen Goodmans zufolge sollten Ende 2009 die ersten Unternehmen im Logistikpark die Maschinen anschalten. Die Gebäude sollten vermietet werden. Dazu seien bereits Verträge unterzeichnet worden, hatte der damalige Goodman-Manager Werner Knan seinerzeit versichert. Der Projektentwickler sah selbst in Zeiten der Wirtschaftskrise noch ein ungebrochenes Interesse der Investoren an Parchim. "Das ist ein irres Projekt. Das passiert nur einmal in Europa", hatte Knan erklärt.

Investoren sehen das bislang anders. Auf der eigenen Website wirbt Goodman indes zwar noch immer für "das neue Luftfrachtdrehkreuz im Zentrum Europas" mit "210 000 Quadratmetern erstklassiger und bedarfsgerechter Logistikflächen". Doch Interessenten bleiben offenbar aus. Die Finanzkrise habe einen Strich durch die Rechnung gemacht, sagte Knan vergangene Woche. Er selbst ist inzwischen bei Goodman ausgestiegen und selbst als Investor u. a. in Mecklenburg-Vorpommern auftreten. Seinerzeit seien "jede Menge Kunden abgesprungen", erklärte er. Inzwischen führe er mit damaligen Partnern allerdings wieder Ansiedlungsgespräche. Mit zwei Interessenten verhandelt Knan nach eigenen Angaben über die Ansiedlung von Industrieunternehmen, möglicherweise auch in Parchim. Entsprechende Verträge könnten bis Ende April unterzeichnet werden, sagte Knan, der für MV auch als Wirtschaftsbotschafter unterwegs ist.

Der Flughafen Parchim war nach zwei vergeblichen Versuchen 2007 für 30 Millionen Euro an die chinesische LinkGlobal-Gruppe privatisiert worden. Firmenchef Pang hatte allerdings mehrmals Zahlungsfristen verstreichen lassen. Schließlich erließ der Landkreis Pang vom Kaufpreis zwölf Millionen Euro - im Gegenzug sagte Pang Investitionen von 7,7 Millionen Euro zu.

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