Test-Odyssee bis zum Führerschein

Das Auto darf nur seine Frau fahren: Die Fahrerlaubnisbehörde von Bad Doberan hat seinen Antrag, den Führerschein wiederzuerlangen, abgelehnt. Grundlage ist das Negativ-Dokument der  Begutachtungsbehörde. Nadine Schuldt
Das Auto darf nur seine Frau fahren: Die Fahrerlaubnisbehörde von Bad Doberan hat seinen Antrag, den Führerschein wiederzuerlangen, abgelehnt. Grundlage ist das Negativ-Dokument der Begutachtungsbehörde. Nadine Schuldt

von
16. April 2010, 07:51 Uhr

Groß Grenz | "In meinen Augen ist das eine einzige Gelddruck-Maschine", sagt Eberhard Meise verärgert. Schon zweimal musste er sich einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) - dem im Volksmund genannten "Idiotentest" - stellen. Seinen Führerschein hat der Mann aus Groß Grenz aber noch nicht zurück.

Den musste Eberhard Meise nach einer Trunkenheitsfahrt im Herbst 2008 abgeben. 1,76 Promille hatte er im Blut, als er sich ans Lenkrad seines Autos setzte. Ein Fehler, wie er heute weiß und auch zugibt. Nachdem die einjährige Sperrfrist abgelaufen war, bemühte sich Meise darum, den Führerschein wiederzubekommen. 420 Euroblättert der Groß-Grenzer für die erste MPU hin. Umsonst. Denn die Begutachtungsstelle stellt dem 54-Jährigen im November vergangenen Jahres ein Negativ-Gutachten aus. Solche Begutachtungsstellen sind u.a. der Tüv Nord und die Dekra. "Ich hatte mich einfach nicht vorbereitet", räumt Eberhard Meise.

In Mecklenburg-Vorpommern fielen 2008 etwa 50 Prozent durch den Test. "35 Prozent der Teilnehmer wurde ein negatives Gutachten ausgestellt, 13 Prozent eine Nachschulungsempfehlung ausgehändigt", erklärt Andreas Dillmann, Diplom-Psychologe bei der Dekra Rostock. Auch Eberhard Meise gehört zu den "Durchfallern".

In seinen Augen ist das Gespräch mit dem Psychologen der Ausschlag gebende Punkt für das Bestehen der Untersuchung. "Das dauert nur knapp zehn Minuten und entscheidet über die künftige Fahrtauglichkeit", sagt Meise. Es werde in dieser Zeit jedes Wort auf die Goldwaage gelegt, schildert der 54-Jährige. Er habe damals einfach einige Sätze salopp dahin gesagt, erinnert er sich. "In diesen wenigen Minuten kann man doch - auch als Psychologe nicht - einen Menschen richtig einschätzen", sagt er. Dabei ist bei den Antworten nicht nur der richtige Inhalt wichtig. Auch auf die Art und Weise des Gesagten kommt es an. "Man muss in dem Stil antworten, in dem die Frage gestellt wurde", beschreibt er.

Damit ihm ein Misserfolg bei der zweiten MPU nicht noch einmal passiert, nimmt er eine Empfehlung des Psychologen an und besucht einen so genannten Vorbereitungslehrgang in Stralsund. "Ich bin drei Monate nach Stralsund gefahren und habe dafür rund 1000 Euro Fahrkosten bezahlt", schildert er. Der Lehrgang kostete noch einmal mehrere hundert Euro. Dafür werden dort Schwerpunktthemen behandelt. So erfolgt in den Einheiten u. a. eine "differenzierte Aufarbeitung der alkoholbezogenen Lerngeschichte des Klienten" oder Informationen zu Rückfallgefahren, Hochrisikosituationen und klientenbezogene Interventionsmöglichkeiten.

"Zunächst war der Lehrgang eine richtige Entscheidung", sagt Meise. Der Psychologe stellte ihm ein positives Attest aus und spricht ihm eine "verantwortungsbewusste Fahrzeugführung" aus. Doch dieses Bestätigung reichte Meise nicht. Auch ein medizinisches Gutachten über seine langfristigen Blut- und Leberwerte lässt Meise im Zuge des Vorbereitungslehrgangs erstellen. Das Ergebnis: Die Langzeitwerte sind in Ordnung, von einer Alkoholabhängigkeit könne nicht die Rede sein. Dieses Ergebnis hätte auch ein weiterer Allgemeinarzt bestätigt.

Im Februar 2010 führt Meise seine zweite MPU durch. Für die speziell auf Alkohol am Steuer zugeschnittene Untersuchung werden abermals 420 Euro fällig. Nach dem Test ist Meise positiv gestimmt: Er glaubt, alle drei Einheiten bestanden zu haben. Bis ihm wieder ein negatives Gutachten zu gesandt wird. Die Konsequenz: Die Fahrerlaubnis-Behörde will ihm den Führerschein nicht aushändigen.

In Meises Augen zu Unrecht. Deswegen hat er neben einer persönlichen Stellungnahme und einer Beschwerde an die Zentrale der Begutachtungsstelle hat er nun auch einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Der Grund: Bei seiner zweiten MPU wurden wichtige Atteste und Dokumente nicht beachtet, meint Meise. Ein Nachteil dieses Verfahrens: Die Anwaltskosten müsste Meise bei einer Niederlage auch bezahlen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen