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Lokales

17. August 2017 | 23:34 Uhr

Tender "Donau" nimmt Abschied

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Hohe Düne | Mit Tränen in den Augen umarmt Maria Pauli ihren Freund ein letztes Mal. Sie versucht nicht zu emotional zu sein, doch das gelingt der 26-Jährigen nicht. Die Gefühle übermannen sie. Vier Monate wird Maria auf Tino Biegel verzichten müssen. Denn gestern hat der Tender "Donau" vom Stützpunkt der Deutschen Marine in Hohe Düne Fahrt aufgenommen. Der Kreuzer nimmt Kurs auf das Mittelmeer. Mit an Bord ist auch der Obermaat (26). Fast 3000 Kilometer werden Tino somit von seiner Freundin trennen. Doch nicht ohne triftigen Grund: Der Marine-Kreuzer wird als Teil einer Mission als Interimstruppe der Vereinten Nationen im Libanon (Unifil) agieren. In Beirut angekommen, ist es die Aufgabe der "Donau", vor der Küste den Seeweg zu überwachen und Schnellboote mit Lebensmitteln zu versorgen.

"Es fällt mir ganz schön schwer, Abschied von Tino zu nehmen", sagt Maria. Schließlich haben die beiden noch nie eine längere Zeit ohne einander verbracht. "Das ist für uns das erste Mal", sagt die 26-Jährige wehmütig. Sie versucht, all ihre Kraft zusammen zu nehmen. Schließlich wusste sie von Anfang an, worauf sie sich bei ihrem Seefahrer einlässt. Nachdem Tino ihr einen letzten Kuss auf den Mund gedrückt hat, ist es soweit. Der Tender kann nicht länger warten. Es wird Zeit, für den Obermaat an Bord zu gehen und seinen Dienst für die nächsten Monate aufzunehmen. "Ich arbeite dort als Koch", sagt der 26-Jährige. Über die Stelle in der Küche ist seine Freundin sehr froh, weil sie nicht so viele Gefahren birgt.

60 Soldaten an Bord des Versorgers

Mit einem letzten Gruß verabschieden der Kommandeur des ersten Korvettengeschwaders, Henning Faltin, und das Marinemusikkorps "Ostsee" an der Pier die 60 Marinesoldaten. "Auf diesen Einsatz haben sie die vergangenen Wochen und Monate hingearbeitet", sagt Fregattenkapitän Faltin. Viele der Soldaten waren bereits mehrmals bei einem Unifil-Einsatz. "Mit ihrem Dienst leisten sie einen wichtigen Beitrag, um Stabilität an der europäischen Grenze zu schaffen", sagt er. Vier Jahre nach dem Libanonkrieg hat die Deutsche Marine erreicht, den Waffenschmuggel endgültig zu unterbinden. "Gleichzeitig übernimmt die Besatzung die Ausbildung der libanesischen Marine in der Überwachung der Gewässer", so Faltin. Ziel sei es, die dort ansässigen Soldaten zu qualifizieren, damit sie ihre Küste eigenständig überwachen können. Darüber hinaus werde der Marine-Tender Schnellboote und Minensuchboote mit Lebensmitteln und Verbrauchsmaterialien versorgen, so der Kommandeur.

Acht Monate wird die "Donau" das östliche Mittelmeer befahren. Für diesen Zeitraum läuft der Tender regelmäßig den Hafen von Limassol auf Zypern an, wo er mit Treibstoff und Lebensmitteln versorgt wird. "Während des Einsatzes tauschen wir die Besatzung einmal vollständig aus", sagt Faltin. Die Belastung der Soldaten soll möglichst gering gehalten werden. Somit spart die Marine Kosten und Transitzeiten.

Unifil-Mandat läuft bis Juni 2011

Der Unifil-Verband setzt sich aus einer wechselnden Anzahl von Schiffen und Booten zusammen, die unter italienischer Führung arbeiten. Derzeit beteiligen sich Italien, Griechenland, die Türkei und Deutschland an der Mission. Im September 2006, also unmittelbar nach dem Krieg zwischen dem Libanon und Israel, stellte die UN den Einsatzverband auf. Das Mandat für die Deutsche Marine läuft noch bis zum 30. Juni 2011.

Die 100 Meter lange "Donau" wird im April ihre Reise zum Heimathafen nach Hohe Düne antreten. Auf den Tag, an dem der Tender den Warnemünder Seekanal und den Breitling passiert, freut sich Maria jetzt schon. Dann kann sie ihren geliebten Tino endlich wieder in die Arme schließen - und braucht ihn auch für lange Zeit nicht mehr loszulassen.

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erstellt am 06.Sep.2010 | 07:49 Uhr

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