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Lokales

11. Dezember 2017 | 04:59 Uhr

Teilzeitjobs schönen den Arbeitsmarkt

vom

svz.de von
erstellt am 29.Aug.2010 | 06:57 Uhr

Schwerin | Entspannung auf dem Arbeitsmarkt: Die Zahl der Erwerbslosen in MV ist in den letzten Monaten auf den niedrigsten Stand seit der Wende zurückgegangen - weniger als 100 000 Frauen und Männer waren arbeitslos gemeldet. Allerdings sei die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt Mecklenburg-Vorpommerns nach Meinung der Gewerkschaften zu einem Gutteil mit Niedriglöhnen und Teilzeitjobs erkauft. "Natürlich freuen auch wir uns über jeden, der nicht mehr arbeitslos ist. Die dunkle Seite der Medaille zeigt aber einen Rückgang der Vollzeit- Beschäftigung", sagte DGB-Nord-Chef Uwe Polkaehn.

Morgen veröffentlicht die Agentur für Arbeit die Erwerbslosenstatistik für August. Obwohl dann nach dem Ende der Auffanggesellschaft auch hunderte der ehemaligen Wadan-Schiffbauer in die Statistik eingehen, wird eine Erhöhung der Quote nicht erwartet. Im Juli waren 11,5 Prozent der Erwerbsfähigen im Nordosten auf Jobsuche, die geringste Quote im Land bisher überhaupt.

Polkaehn verwies darauf, dass seit geraumer Zeit deutlich mehr ältere Arbeitnehmer aus dem Arbeitsleben ausschieden als neu hinzukommen. Das verdecke, dass die Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter im Nordosten in den zurückliegenden Jahren geschrumpft sei. Der Arbeitsagentur zufolge nimmt die Bevölkerung im Nordosten pro Monat um 1200 Menschen im erwerbsfähigen Alter ab.

Demgegenüber würden sich sogenannte prekäre Arbeitsverhältnisse mit geringer Entlohnung ausbreiten. Im zweiten Quartal 2010 habe es in Mecklenburg-Vorpommern 81 585 "Minijobber" gegeben, der Zuwachs sei mit 9,3 Prozent bundesweit am stärksten ausgefallen. "Es gibt sicher Menschen, die aus verschiedensten Gründen Teilzeitjobs annehmen. Aber wenn - wie etwa im Handel - aus einer Vollzeit- drei Teilzeitstellen werden, haben viele Frauen nicht mehr die Wahl", erklärte Pol kaehn. Von dem Einkommen könnten die Betroffenen oft nicht leben und so seien sie als "Aufstocker" gezwungen, staatliche Zuschüsse zu beantragen.

Etwa 51 000 Frauen und Männer im Nordosten würden solche finanziellen Hilfen zu ihrem Einkommen erhalten. "Und jeder vierte davon hat sogar einen Vollzeitjob. Das zeigt, wie es um die Löhne im Land bestellt ist."

Kritisch äußerte sich der Gewerkschafter auch zur Zeitarbeit. Nach einem krisenbedingten Knick 2009 habe die Zahl der Leiharbeiter in Mecklenburg-Vorpommern mit 8800 wieder das Niveau von 2008 erreicht. Allein im Juli 2010 im Vergleich zum Vorjahr 13,5 Prozent oder 1100 zusätzliche Arbeitsplätze in Zeitarbeitsfirmen. Dem Landesarbeitsamt zufolge stieg die Zahl der Verleihfirmen von 259 im Jahr 2004 auf inzwischen 363 im vergangenen Jahr gestiegen - plus 40,1 Prozent. Bundesweit gab es 2009 mit insgesamt 24 570 Verleihern gar 47 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor - ein Milliardengeschäft. Die Effekte für die Bschäftigten bleiben indes häufig aus: "Das Versprechen, dass auf diesem Wege viele Beschäftigte den Sprung in eine Festanstellung schaffen, ist wie eine Luftblase zerplatzt. Gerade sieben Prozent der Leiharbeiter haben Dauerjobs erhalten. Leiharbeit ist zu einer modernen Form der Ausbeutung verkommen", stellte Polkaehn fest.

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