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Lokales

13. Dezember 2017 | 06:36 Uhr

Teilzeitarbeit explodiert

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erstellt am 21.Mai.2010 | 08:15 Uhr

Schwerin | Drastische Trendwende auf dem Arbeitsmarkt: Noch nie mussten in Mecklenburg-Vorpommern so viele Beschäftigte mit stundenweisen Jobs über die Runden kommen wie derzeit. In den vergangenen fünf Jahren haben die sozialversicherungspflichtigen Teilzeitjobs um fast 40 Prozent zugenommen, erklärte der Chef der Landesagentur für Arbeit, Jürgen Goecke, gestern. "Teilzeitarbeit ist explodiert", warnte er. Der generelle Anstieg sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung in den Jahren des Aufschwungs zwischen 2004 und 2009 - plus 2,2 Prozent auf knapp 528 000 Stellen - sei durch die Zunahme der Teilzeitangebote erfolgt. Zwischen 2004 und 2009 nahmen diese Zahl dieser Arbeitsplätze um 28 100 auf 99 500 zu, so Goecke. Es gebe allerdings keine Aussage, ob die Beschäftigten die Teilzeitjobs frei gewählt oder die Unternehmen auf mehr Flexibilität gedrängt hätten.

Immer weniger Beschäftigte können indes auf Vollzeitstellen setzen. Sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze mit mehr als 40 Wochenstunden sind auf dem Rückzug - zwischen 2004 und 2009 nahm die Zahl der Stellen um 17 100 auf 428 200 ab. Das habe zu erheblichen Strukturverschiebungen auf dem Arbeitsmarkt geführt, sagte Goecke. "Vollzeitjobs sind zwar kein Auslaufmodell, aber flexible Arbeitszeiten liegen im Trend."

Mecklenburg-Vorpommern sei im Besonderen betroffen. Bundesweit habe die Zahl der Teilzeitjobs zwar auch zweistellig zugenommen, aber nur um 21,2 Prozent. Mit einem Anteil von 11,8 Prozent spiele das verarbeitende Gewerbe in Mecklenburg-Vorpommern eine geringere Rolle (Bund: 23 Prozent). Hingegen liege der Schwerpunkt auf dem Dienstleistungsbereich, in dem häufiger Teilzeit gearbeitet werde. Ob im Hotel- und Gaststättenbereich, in der Pflege oder in Gesundheitsjobs: Betroffen sind vor allem Frauen, da sie häufiger in Dienstleistungsberufen beschäftigt seien, sagte Goecke. Im ersten Halbjahr 2009 arbeitete fast jede dritte Frau in Mecklenburg-Vorpommern zwischen 10 und 31 Stunden in der Woche, aber noch nicht einmal jeder zehnte Mann, ermittelte das Statistische Amt in Schwerin.

Teilzeit, Minijobs, befristete Arbeitsverträge, Leiharbeit, Niedriglöhne: "Alles eine Folge der Deregulierungspolitik auf dem Arbeitsmarkt zu Lasten der Beschäftigten", kritisierte DGB-Vizechef Ingo Schlüter die Entwicklung. Die Umwandlung der Voll- in Teilzeitjobs habe die soziale Lage immer weiter verschlechtert. Die Regelungen seien mit "den Heilsversprechen eingeführt worden, den Einstieg in Beschäftigung zu erleichtern". Schlüter: "Die Realität sieht anders aus, reguläre Arbeitsverhältnisse geraten immer stärker unter Druck", sagte der DGB-Vize und forderte eine stärkere Regulierung des Arbeitsmarktes.

Angaben des Statistischen Bundesamtes zufolge ist der Anteil der so genannten prekären Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland inzwischen auf fast ein Drittel gestiegen - vor allem in den vergangenen Jahren der Arbeitsmarktreformen. Gab es Ende 2000 noch 8,5 Millionen Zeitarbeiter, Teilzeitjobber, geringfügig Beschäftigte oder Mitarbeiter mit befristeten Arbeitsverträgen, waren es Ende 2008 bereits zwei Millionen mehr - insgesamt 10,5 Millionen.

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