Tausende Gäste in Quetzin : Teilnehmerrekord bei Bulldog-Treffen

Alle infiziert: Mit Teilen eines ausrangierten Rasentraktors hat Heiko Böhme (hier mit Frau Claudia) für seinen fünfjährigen Sohn Paul eine Mini-Ausführung seines 1941 vom Band gelaufenen Normag-Schleppers gebaut.
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Alle infiziert: Mit Teilen eines ausrangierten Rasentraktors hat Heiko Böhme (hier mit Frau Claudia) für seinen fünfjährigen Sohn Paul eine Mini-Ausführung seines 1941 vom Band gelaufenen Normag-Schleppers gebaut.

Der Besuch des Lanz Bulldog- und Oldtimertreffens in Quetzin steht bei Familie Böhme aus Raguhn schon lange als Muss im Kalender: Seit 2005 kommt sie jedes Jahr nach Mecklenburg und auch der Sohn ist längst infiziert.

svz.de von
24. Juni 2012, 05:47 Uhr

plau am see | "Sowas haben wir zuhause auch noch. Fang bloß nie damit an - is ’ne Sucht!" Wer einmal neben Heiko Böhme aus Sachsen-Anhalt bei einer Fahrt mit seinem 1941 gebauten Normag-Traktor über den Ausstellungsplatz gesessen hat, lernt besonders den ersten Satz sehr gut kennen. Das "Angebot" in heimischen Garagen reicht vom Moped bis zum gut 20 Tonnen schweren Nobas-Hydraulikbagger. Auf den rund 230 Kilometer langen Weg aus ihrer Heimat haben sich der Raguhner, seine Frau Claudia und Sohn Paul nicht nur mit dem gut 70 Jahre alten Schlepper gemacht. Hinzu kommen noch ein ebenfalls restaurierter Magirus Deutz-Lkw von 1963, ein neuer Pkw, ein Wohnwagen mit verblasstem DDR-Aufkleber und ein Hänger. Ein bei Besuchern sehr beliebtes Fotomotiv auf jedem Oldtimertreffen - den an die Größe seines fünfjährigen Sohnes angepasster Nachbau des Normag-Schleppers - hat der Maschinenanlagenbauer binnen eines nur halben Jahres selbst geschaffen. Motor und Hinterachse stammen von einem Rasentraktor, der Rest war "Winterfleißarbeit". Der Besuch des Lanz Bulldog- und Oldtimertreffens in Quetzin steht auch in Raguhn schon lange als absolutes Muss im Kalender: Seit 2005 kommt das Paar jedes Jahr nach Mecklenburg und auch ihr Sohn ist längst infiziert.

Ein leuchtendes Beispiel dafür, dass sich in Qetzin schon längst nicht mehr nur Traktoren-Fans versammeln, ist Robert Mußfeldt aus Plau am See. Er kam mit seinem weiß lackierten, 1960 gebauten 311er Wartburg zu dem Treffen. "Der wurde knallhart restauriert, bis auf die letzte Schraube zerlegt", sagt der Holzmechaniker, Industrieform des Tischlers. "Rumfriemeln wollten wir nicht, sondern es gleich richtig machen." Während sich der junge Plauer der Technik widmete, sorgte ein befreundeter Karosseriebauer für den Wiederaufbau der unter anderem durch einen Unfall geschädigten Blechteile. Bereits nach rund sechs Monaten sah das formschöne Auto aus wie gerade vom Band gelaufen. Seit drei Jahren ist Robert Mußfeldt mit ihm unterwegs - unter anderem auch zu Treffen in Eisenach, wo in bezug auf Wartburg dann immer richtig etwas los ist.

Alle Besucherrekorde wurden am Wochenende auch in Quetzin gebrochen. "Wie viel Leute es genau sind, kann ich noch gar nicht sagen, auf jeden Fall mehr als jemals zuvor. Und es ist das erste Mal, dass der Stau von hier bis in die Innenstadt von Plau reicht", so Veranstalter Michael Reichelt, der lächelnd fortfährt: "Wir bitten um Nachsicht. Schließlich können wir nichts dafür, dass diese Veranstaltung so gut angenommen wird." Erste Schätzungen sprechen von rund 7000 Besuchern.

Heiko Böhme ist nur einer von vielen, für die die Teilnahme in Quetzin zur überaus gern wahrgenommenen Pflicht geworden ist. Dementsprechend oft grüßt man sich untereinander. Der Anfang vor sieben Jahren ist mit einer pikanten Erinnerung verbunden. "Das erste, was wir hier damals sahen, war so ein Köter", sagt der Raguhner und hält die rechte Hand über Tischniveau. "Ich glaube, so schnell war ich noch nie wieder in meinem Auto."

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