Techniker in den Lüften

Erwin Kunz ist ein gefragter Mann. Seit sich der Rostocker vor zwei Jahren selbstständig gemacht hat, tourt er durch Europa. Sein Job: die Rotorblätter von Windrädern in Schuss zu halten.

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24. Mai 2009, 06:31 Uhr

Rostock | Erwin Kunz arbeitet hoch oben. "100 Meter sind Standard", sagt der 31-Jährige. Vor gut zwei Jahren hat sich der Rostocker mit der Firma Rotor Energy selbstständig gemacht. Seitdem repariert und wartet Kunz Windkraftanlagen in ganz Europa.

Bis vor kurzem diente die eigene Altbauwohnung als Firmensitz. Dann hat Kunz mit seiner Sekretärin ein Büro in Warnemünde bezogen - vorübergehend. Denn seit April arbeitet er in der Nähe von Dummerstorf, wo er ein Gelände mit Bürogebäuden gekauft hat. Drei feste und elf freie Mitarbeiter gehören mittlerweile zum Team. Kunz plant, bald weitere Mitarbeiter einzustellen. Angefangen hat der Jungunternehmer jedoch ganz allein. Bestärkt durch Mutter und Bruder, die ebenfalls als Selbstständige arbeiten.

Anfangs mit geliehenen Arbeitsbühnen unterwegsVom Ersparten bezahlt Kunz den weißen, gebrauchten Transporter, mit dem er von Windrad zu Windrad unterwegs ist. Anfangs leiht sich der Unternehmer noch die Arbeitsbühnen aus, die nötig sind, um nach oben zu den Rotorblättern zu gelangen. Mittlerweile besitzt Kunz drei eigene.

Spanien, Frankreich, Italien, Portugal, Großbritannien - die Rotorblätter von rund 100 Windkraftanlagen hat Kunz mit seinem Team bereits repariert. Ebenso viele hat er begutachtet - im Auftrag der Hersteller, die wissen wollen, wie es um den Zustand der Windräder bestellt ist. "Es ist wie beim Auto", sagt Kunz. Alle zwei Jahre sollten Windkraftanlagen gewartet werden. "Das hält die Kosten gering." Oft werde es teurer, da nicht jeder die empfohlenen Termine einhält.

Lukrative Auslandsaufträge ergattert Kunz vor allem bei Ausschreibungen. Wenn wenig zu tun ist, kümmert er sich darum. Am Wochenende, nachts oder im Winter. Wenn es früh dunkel wird und das Wetter unbeständig ist, endet Kunz Arbeitstag früh. "Im Winter machen wir nur Notreparaturen." An die Pflege der Rotorblätter macht sich das Team wieder ab April. Dann wird zehn bis 16 Stunden pro Tag geschuftet. Zum Arbeiten in die Lüfte zu steigen - "das macht man nicht einfach so", sagt Kunz. Alle im Team seien erfahren. Er selbst war vor der Selbstständigkeit bereits als Servicetechniker auf Windkraftanlagen tätig.

Vor den Folgen der Wirtschaftskrise hat Kunz keine Angst: "Die Anlagen, die es gibt, müssen ja gewartet werden." Nicht schlecht sei die Lage, mehrere Aufträge für dieses Jahr liegen bereits vor - mit einem Auftragsvolumen in sechsstelliger Höhe.

Einen Großteil der Arbeit erledigt das Team in Deutschland. Noch, so Kunz. "Das wird sich verlagern." In Amerika entstehen zurzeit riesige Anlagen. Ein großer Markt könnte sich hier entwickeln - auch für das Rostocker Team. Doch Kunz will nichts überstürzen: "Alles Schritt für Schritt."

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