Techentinerin brennt für die Keramik

Tassen, Flaschen, Krüge und Schalen entstehen unter den Händen der Töpferin.
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Tassen, Flaschen, Krüge und Schalen entstehen unter den Händen der Töpferin.

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28. Juli 2010, 01:57 Uhr

Techentin | Direkt an der Landstraße nach Goldberg und doch ruhig und idyllisch gelegen, zeigt ein Schild dem Vorbeifahrenden den Weg zur Galerie "Das Gelbe Haus" in Techentin. In einem von Bäumen umstandenen kleinen Gebäude stellt Ute Dreist, Töpferin, Künstlerin und Holzbrennerin, ihre Keramiken aus. Derzeit präsentiert sie die Arbeiten ihres rund 20 - jährigen Schaffens, Erporbens und ihrer künstlerischen Hingabe, im Rahmen der SeenLandKunst.

Und die Keramiken der Techentinerin sind etwas ganz Besonderes: Denn es gibt nur wenige Töpfer, die mit Ute Dreists Methode - der Salzglasur-Technik im Holzbrandofen arbeiten. " Es war Liebe auf den ersten Blick, dieses mit dem Feuer brennen," sagt die Künstlerin. "Es ist zwar unglaublich aufwendig, denn der Ofen wird mit Holz geheizt, und der Zufall ist bei den Ergebnissen vor allem in Bezug auf die Farbe meiner Keramik sehr groß, aber die Farben sind außergewöhnlich - es ist eben eine Leidenschaft und Liebhaberei."

Ute Dreist formt ihre Tonstücke: Teeschalen, Krüge, Flaschen und Schalen, vorerst roh und unglasiert. Dann stapelt sie sie vorsichtig in ihrem großen Holzofen auf, heizt diesen mit zirka drei Raummetern Holz pro Brand auf über 1300 Grad und wirft dann, im richtigen Moment , das Salz in die Glut des Ofens.

Etwa ein Kilo ungereinigtes Salz verbrauche sie pro Brand, erzählt die 47-jährige. Das Salz sorgt für die außergewöhnliche Glasur ihrer Keramik. "Im Ofen findet ein Wechsel von Oxidation und Reduktion statt - je nachdem wie der Brand verläuft, sind die Farbergebnisse auch sehr unterschiedlich."

Die Techentinerin schätzt Hitze und Verlauf des Brennens anhand besonderer Merkmale ein: "Ich schaue nach dem Fuchs", erklärt sie - der Fuchs ist eine rote Flammen, die im Schornstein des Brennofens erscheint, wenn das Feuer heiß genug ist und kein weißer Rauch mehr aufsteigt. "Je nachdem, wie sich der Fuchs färbt und welche Geräusche der Ofen macht, erkenne ich wie es im Inneren aussieht." 24 Stunden ist die Töpferin mit dem Heizen und der Beobachtung des Ofens beschäftigt wenn sie ihre Tonstücke brennt.

Den Ofen öffnet sie erst nach fünf Tagen, solange braucht er um auszukühlen, dann kann Ute Dreist die Ergebnisse ihrer Arbeit betrachten: " Es ist jedes Mal wieder ein Überraschungsmoment dabei - jedes Stück sieht anders aus, hat unterschiedliche Farbschläge. Manchmal geht auch etwas kaputt." Dies passiert, wenn im Ton zum Beispiel ein kleines Stück Holz steckt, das dann bei der großen Hitze im Ofen verbrennt. Doch das ist nicht schlimm, denn Ute Dreist ist es wichtig, dass solche Verunreinigungen in dem Material für ihre Tonstücke sind- sie machen das Besondere aus.

"Die Oberflächen meiner Keramiken sind nicht ebenmäßig und glatt wie Industrieprodukte. Sie unterscheiden sich von diesen eben durch die kleinen Unebenheiten. Die finde ich wichtig, damit bekommen die Tonstücke erst richtig Leben," erklärt die Kunsthandwerkerin. Deshalb bereitet sie den Ton auch selbst auf, lässt kleinen Verunreinigungen zu und arbeitet manchmal sogar noch welche ein, um das unregelmäßige Ergebnis zu bekommen, das ihre Keramiken dann zum Leben erweckt und ihre Struktur ausmacht. "Die jetzige Ausstellung zeigt meine Arbeiten der letzten zwei Jahrzehnte und sie soll auch meine Veränderung im Umgang mit der Technik und dem Material über die Jahre zeigen", erzählt sie. "Und das Schöne, wie auch manchmal Traurige ist: Beim Holzbrand ist nichts wiederholbar, jedes Stück gibt es nur einmal, je nachdem wie der Brand verlaufen ist".

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