Taxiunternehmer kritisieren Anrufbus

Der Anrufbus trägt seine Telefonnumer deutlich sichtbar. Taxiunternehmer in Grevesmühlen sehen ihn als Konkurrenz.Michael Schmidt
Der Anrufbus trägt seine Telefonnumer deutlich sichtbar. Taxiunternehmer in Grevesmühlen sehen ihn als Konkurrenz.Michael Schmidt

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15. Februar 2010, 05:48 Uhr

Nordwestmecklenburg | Seit Dezember vergangenen Jahres kann in der Kreishauptstadt Grevesmühlen und deren entfernt vom Zentrum gelegenen Stadtteilen ein so genannter Anrufbus genutzt werden. Doch örtliche Taxiunternehmer befürchten, so weniger Fahrten zu bekommen und Umsätze einbüßen zu müssen. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Schwerin suchte jetzt ein klärendes Gespräch, um die Situation zu entschärfen.

Die IHK hatte alle Beteiligten - Unternehmer, Bürgermeister, Kreisverwaltung sowie das Ministerium für Verkehr, Bau und Landesentwicklung - an einen Tisch geholt. "Uns geht es vor allem darum, Transparenz der getroffenen Entscheidungen zu vermitteln", betonte Angela Preuß, Geschäftsbereichsleiterin Standortpolitik, International bei der IHK zu Schwerin, gleich zu Beginn

der Diskussion. Offensichtlich gäbe es hier Nachholbedarf von allen Seiten. Zielstellung sei es deshalb, den Dialog miteinander zu führen und möglichst Klarheit für alle Beteiligten zuschaffen.

Zunächst erläuterte Karsten Olbrich vom Schweriner Verkehrsministerium den Verlauf der Antragstellung für das Vorhaben und betonte, dass diese durch

den Landkreis als Träger des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) korrekt erfolgt sei. Alle Entscheidungskriterien der entsprechenden Richtlinie zur Förderung von alternativen Bedienformen, die den Einsatz von Anrufbussen bereits seit dem Jahr 2000 ermöglicht, sind dabei auch aus der Sicht der IHK eingehalten worden.

In der sehr sachlich geführten Diskussion kritisierten die Taxi-Unternehmer aber, nicht in die Konzepterarbeitung zu diesem Verkehrsprojekt einbezogen worden zu sein. Grevesmühlens Bürgermeister Jürgen Ditz entgegnete dem, dass alle Sitzungen der Stadtausschüsse zu diesem Projekt öffentlich getagt hätten und die Taxi-Unternehmer diese hätten nutzen können.

Grundsätzlich einig waren sich an diesem Abend alle, dass das Anliegen, gerade älteren Bürgern der Stadt ein attraktives Angebot zu unterbreiten, positiv zu werten sei. Das Projekt "Anrufbus" der Stadt Grevesmühlen ist vor allem für die Bürger in den abgelegenen Ortsteilen eine Erleichterung, die aufgrund von Gehbehinderungen oder anderen Gründen nicht mit dem Pkw fahren können. Sie müssen nun nicht mehr Verwandte oder Bekannte um die notwendigen Einkaufsfahrten oder Arztbesuche nach Grevesmühlen bitten. Die Frage, inwieweit der Anrufbus tatsächlich zu ernsthaften Einnahmerückgängen bei den Taxen führt, konnte nicht abschließend geklärt werden, da der Zeitraum für eine Beobachtung der Geschäftsentwicklung nicht ausreicht.

Alle Beteiligten waren sich einig, dass es grundsätzlich sinnvoller sei, vor Entscheidungen, welche die Wirtschaft einer Region betreffen, miteinander ins Gespräch zu kommen. Nur so sei es möglich, potenzielle Auswirkungen eines Vorhabens weitgehend zu beurteilen. "Wir meinen, der Anfang zu einem Dialog miteinander ist gemacht", schätzte Angela Preuß von der IHK ein. Sie gab an die Taxi-Unternehmen das eindeutige Signal zur Bereitschaft für weitere Überlegungen, um unter wirtschaftlich schwierigen Bedingungen als Unternehmer auch zukünftig bestehen zu können.

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