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Nicht mehr genug Kinder auf Dörfern : Tagesmüttern auf Land geht Arbeit aus

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Ein Tag wie jeder andere bei den Tagesmüttern Silke Steffen und Monique Schulz in Lalendorf. Sieben Kinder im Alter von neun bis 18 Monaten betreuen die beiden Frauen zur Zeit und sind damit gut ausgelastet.

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erstellt am 07.Jan.2011 | 05:51 Uhr

Lalendorf//Güstrow | Die anderthalbjährige Clara kümmert sich um die Pflege ihrer Lieblingspuppe während der kleine Jeremie mit seinem rosa Bobbycar das Spielzimmer unsicher macht. Ein Tag wie jeder andere bei den Tagesmüttern Silke Steffen und Monique Schulz in Lalendorf. Sieben Kinder im Alter von neun bis 18 Monaten betreuen die beiden Frauen zur Zeit und sind damit gut ausgelastet.

Dass dies auf dem Land jedoch immer seltener der Fall ist, bestätigt Monika Wolf, Vorsitzende des Tagesmüttervereins Güstrow. "Die Nachfrage in Güstrow und den anderen Städten ist sehr hoch. Die Tagesmütter sind nahezu alle voll ausgelastet, so dass wir mit Wartelisten arbeiten müssen. Auf den Dörfern sieht das hingegen oftmals anders aus. Es gibt nicht genug Kinder oder die Eltern wollen die Fahrt nicht auf sich nehmen. Viele wissen auch gar nicht, dass die Unterbringung des Kindes bei einer Tagesmutter oft billiger ist als ein Kita-Platz", so Monika Wolf.

Vereinigung der Tagesmütter hilft bei Weiterbildung

Seit 2003 gibt es die Vereinigung der Tagesmütter, zu der derzeit 82 Mitglieder aus dem Landkreis Güstrow, aber auch aus Röbel oder Malchin zählen. Die Vereinigung gewährleistet die individuelle Betreuung der Kinder und zeichnet darüber hinaus für die Organisation von Weiterbildungen verantwortlich. "Jede Tagesmutter ist verpflichtet, sich im Jahr 25 Stunden fortzubilden", sagt Monika Wolf und weist zugleich auf den vom Verein erstellten Weiterbildungskatalog hin. "So wollen wir die Tagesmütter entlasten und ihnen Arbeit abnehmen", sagt sie. Dass es dabei auch Probleme gibt, mit denen die Tagesmütter zu kämpfen haben, lässt sie nicht außer acht: "Wir haben keinen richtigen Ansprechpartner und können uns bei Schwierigkeiten nur an das Jugendamt wenden. Oftmals werden wir von dieser Stelle allerdings darauf verwiesen, dass wir selbstständig seien", schildert die Vereinsvorsitzende Monika Wolf die aktuelle Situation. Außerdem ist der Beruf der Tagesmutter gesetzlich immer noch nicht anerkannt.

Generell sieht Monika Wolf, die selbst seit 17 Jahren in der Branche arbeitet, die Entwicklung der Tagesmütter im Landkreis jedoch positiv: "Zwar werden vom Jugendamt derzeit keine weiteren Tagesmütter zugelassen, doch davor ist die Anzahl stetig gestiegen", sagt sie. Dank kleinerer Gruppen könnten die Kinder individueller betreut werden als in einer Kindertagesstätte, ist sie überzeugt. "Wenn die Kinder mit dem dritten Lebensjahr in den Kindergarten gehen, werden wir von den Erziehern oft gelobt, sie seien in ihrer Entwicklung viel weiter als Gleichaltrige", sieht Monika Wolf einen Vorteil bei der Tagesmütter-Betreuung.

Auch Silke Steffen hebt den kleinen und familiären Kreis ihrer Einrichtung in Lalendorf hervor, der den Kindern den Start in das neue Umfeld erleichtert. Die 39-jährige, die im Erdgeschoss ihres Hauses die Räumlichkeiten für Eddi, Jeremie, Nico, Clara, Adrian, Nick und Stella eingerichtet hat, kocht das Mittagsessen der Kinder selbst. "Die Eltern schätzen es sehr, dass alles frisch zubereitet wird", so die Mutter dreier Kinder (20, 16 und drei Jahre). Wichtig ist ihr dabei auch der Kontakt zu ehemaligen Schützlingen. "Ich freue mich immer sie zu sehen, einige schauen auch regelmäßig vorbei und kommen zum spielen", sagt Silke Steffen, die in diesem Jahr das fünfjährige Bestehen ihrer Einrichtung feiert. "Mittlerweile wünsche ich mir nichts anderes mehr und würde immer wieder den gleichen Weg einschlagen , denn ich liebe Kinder", sagt die 39-Jährige aus Überzeugung.

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