Tagesmütter auf dem Vormarsch

<strong>Laetitia,  Antonia  und Laura </strong>(v. l.) sind seit einem Jahr in der Obhut von Irmtraud Selke und Uta Weichhold. <foto>katharina Roese</foto>
Laetitia, Antonia und Laura (v. l.) sind seit einem Jahr in der Obhut von Irmtraud Selke und Uta Weichhold. katharina Roese

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30. Juli 2010, 08:37 Uhr

Wendisch Waren | Mehrstimmiges Kinderlachen ertönt im Mildenitzweg 73 in Wendisch Waren - die sechs Kinder der Sunshine-Gruppe, die die Tagesmütter Irmtraud Selke und Uta Weichhold leiten, spielen heute im Garten. "Bei dem schönen Wetter gehen wir oft raus mit den Kleinen", sagt Irmtraud Selke, die nun bereits seit 13 Jahren gemeinsam mit ihrer Kollegin die Betreuung der Kinder in Wendisch Waren übernommen hat.

"Die Gemeinde konnte den Kindergarten nicht mehr tragen und hat die Betreuung an Tagesmütter übergeben", erklärt die gelernte Mechanisatorin. " Ich habe damals in der Küche des Kindergartens gearbeitet und hatte mit meiner Kollegin die Idee, die Betreuung der Kleinen zu übernehmen. Ich habe dann eine Ausbildung zur Tagesmutter gemacht - abends nach der Arbeit habe ich ein Jahr lang einen Kurs besucht."

Denn die Voraussetzung dafür, als Tagesmutter arbeiten zu dürfen, ist eine Ausbildung und eine entsprechende Qualifizierung. Diese wird vom zuständigen Jugendamt angeboten. Die Schulungen erstrecken sich über mehrere Wochen und belaufen sich auf insgesamt 160 Unterrichtsstunden. Während dieser Zeit bekommen die Anwärter sämtliche Grundlagen über pflegerische und pädagogische Fähigkeiten vermittelt, die notwendig sind, um später als Betreuungskraft für Kinder arbeiten zu können. Sobald sie den Kurs erfolgreich absolviert haben, erhalten die angehenden Tagesmütter ihre Erlaubnis, bis zu fünf Kinder aufzunehmen und diese zu betreuen.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es laut Statistischem Landesamt mittlerweile 1496 Tagesmütter und 23 Tagesväter, die die Fürsorge über die kleinsten Mitbürger übernommen haben. Diese Betreuungskräfte kümmern sich um mehr als 4000 Mädchen und Jungen, wobei der größte Teil der Schützlinge, rund 86 Prozent, unter drei Jahre alt ist.

"Die Kinder in unserer Sunshine-Gruppe, das sind zur Zeit zwei Jungen und vier Mädchen, sind zwei bis drei Jahre alt", berichtet Irmtraud Selke. "Die meisten sind im vergangenen Jahr zu uns gekommen - da waren bei allen noch die Windeln angesagt", erzählt sie lachend. Jetzt seien die meisten aber "trocken" und auch schon richtig quirlig unterwegs, was die Kleinen auch sofort beweisen: Olli und Lily krabbeln gemeinsam in die Holzpyramide auf dem Spielplatz und die Zwillinge Antonia und Laetitia klettern mit Laura auf das kleine Gerüst und rutschen das Häuschen herunter.

"Die Gemeinde ist uns immer sehr entgegengekommen. Von ihr konnten wir die Räume mieten und sie unterstützt uns auch beim Unterhalt des kleinen Spielplatzes. So wurde zum Beispiel das Rutschenhäuschen auf ihre Kosten wieder in Ordnung gebracht, da sind wir wirklich dankbar!", sagt Irmtraud Selke. "Wir müssen ja unsere Ausstattung selbst finanzieren."

Frühstück, Mittag und Kaffee gibt es für die Knirpse jeden Tag - Hausmannskost. Sie sollen nämlich alles kennen lernen, erklärt die Tagesmutter. Dann gäbe es später auch keine Probleme mit dem Essen. Und nach dem Mittagsschlaf geht es raus in den Garten: "Es macht Spaß, die Kinder zu betreuen, auch wenn es manchmal anstrengend ist", erzählt die 59-jährige Tagesmutter. "Meine Kollegin und ich sind in wöchentlich wechselnden Schichten jeweils von 5.30 bis um 17 Uhr für die Kinder da. Wir richten uns danach, wann die Eltern zur Arbeit müssen."

Bund, Länder und Kommunen haben sich darauf geeinigt, bis 2013 für bundesweit durchschnittlich 35 Prozent der Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz bereitzustellen. Rund 30 Prozent davon sollen von der öffentlichen Kindertagespflege übernommen werden, informiert das Portal für Kindertagesförderung in MV.

Die Kleinen, die derzeit in ihrer Obhut sind, möchte Irmtraud Selke gern noch bis in die Schule begleiten. Dann geht sie in Rente, sagt sie: "Aber die Kinder werde ich wohl vermissen, die halten einen ja auch fit!"

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