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Lokales

26. September 2017 | 07:31 Uhr

Swing in lauer Sommernacht

vom

svz.de von
erstellt am 06.Jun.2010 | 04:50 Uhr

Wittenberge | Dieses Jahr hatte der Wettergott ein Einsehen: Anfangs strahlender Sonnenschein und später laue Temperaturen bis in die späten Abendstunden machten den formalen Rahmen für das 16. Wittenberger Dixielandfest perfekt. Fehlte nur noch erstklassige Musik, und dafür hatten die Organisatoren des Kultur- und Festspielhauses wieder international bekannte Ensembles in die Elbestadt geholt.

Bevor jedoch die Etablierten ihr Können zeigen durften, gehörten die Bretter der Brass Band des Marie-Curie-Gymnasiums. Mit viel Enthusiasmus legten die jungen Leute heiße Rhythmen vor und bewegten sich stilsicher zwischen den großen Namen der Bigbandmusik wie Frank Sinatra und Louis Armstrong. Die eine oder andere schräge Harmonie mag auf die Aufregung angesichts des großen Publikums zurückzuführen sein und spielte keine Rolle, der Beifall war groß.

Mit der Kat Baloun Blues Band kündigte Moderator und Jazz-Legende Karlheinz Drechsel etwas völlig neues in der Geschichte des Wittenberger Dixielandfestes an. Erstmals setzten sich die Veranstalter damit über ihre selbst gewählte Beschränkung auf Jazz, Swing und Dixieland hinweg und öffneten dem Blues Tür und Tor. Für die folgende Stunde wirbelte Kat Baloun einem Energiebündel gleich über die Bühne und schritt mit ihrer je nach Song kraftvoll-voluminösen bis samtweichen Stimme die ganze Bandbreite des Blues ab. Wenn dann ihr Griff zum Mundharmonikagürtel ging, sie die Stimmzungen des glänzenden Instruments aus voller Lunge zum vibrieren brachte, war sie völlig eins mit ihrer Musik.

"Der Blues ist mal eine andere Richtung, erweitert das musikalische Angebot und sollte das Konzert auch für jüngere Besucher interessant machen", sagte Karlheinz Drechsel in der Pause. Letzteres hatte zwar nicht den durchschlagenden Erfolg, trotzdem scheint der Schritt, das Stilrepertoire zu erweitern, richtig zu sein. Was sich unter anderem in der spontanen Tanzeinlage einiger Besucher vor der Bühne zeigte. "Es ist jedes Mal wieder ein Erlebnis hier", stellte Drechsel klar, "und es wäre schade, wenn es irgendwann aufhören würde".

Mit der Dutch Swing College Band war es Drechsel einmal mehr gelungen, eine nach seinen Worten "europäische Institution des Swing" in die Elbestadt zu holen. Acht Herren reiferen Alters in blaugrauen Anzügen und roten Krawatten halten den Sound warm, der seit Gründung der Band am 5. Mai 1945 ihr Markenzeichen ist. Dixieland und Jazz pur, kompromisslos auf den Punkt gespielt. Mit Leichtigkeit spielten die Holländer sich durch Jahrzehnte der Jazzmusik, ließen aber bei aller Professionalität die Spritzigkeit und Spontanität manch anderer Ensembles vermissen.

Wie inzwischen zur Tradition geworden, ließ es sich Moderator Drechsel nicht nehmen, den letzten Song selbst zu singen und hätte mit den Textzeilen "When you`re smiling, the whole world is smiling with you" wohl keine besseren Schlussworte für diesen tollen Abend finden können.

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