Superfast: Dorniger Weg durch die Instanzen

Peter Geitmann
Peter Geitmann

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26. September 2009, 08:20 Uhr

Rostock | Als im März 2006 die griechische Reederei Attica (Superfast Ferries) ihre drei Superfast-Osteefähren an Tallink verkaufte, standen die Besatzungen vor dem Aus. Die estnische Reederei, die nunmehr den Linienverkehr zwischen Rostock und Hanko/Helsinki übernahm, ersetzte die deutsche, finnische und griechische Crew durch eigene Leute und das gefeuerte Personal blieb auf der Strecke.

Etwa 50 von insgesamt 450 Betroffenen entschlossen sich seinerzeit zur Klage. Wenn schon die Kündigung nicht mehr zu verhindern war, wollten sie wenigstens für den Verlust ihres Arbeitsplatzes eine Abfindung. Dabei werden sie von der Gewerkschaft Verdi und deren Anwälte unterstützt. Für die anderen ist inzwischen die Verjährungsfrist abgelaufen.

In den Verhandlungen in erster und zweiter Instanz vor dem Arbeitsgericht Rostock und dem Landesarbeitsgericht ging es zunächst um die Klärung, welcher Gerichtsort zuständig sei. Flaggenstaat war Griechenland, in Rostock wurden die vorwiegend norddeutschen Seeleute eingestellt und in Finnland wurden die Tarifverträge abgeschlossen. In erster und zweiter Instanz sprachen sich die Richter für Rostock aus, weil hier im Terminal die Einstellungen und dann auch die Kündigungen erfolgt waren.

Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt ließ bei der Verhandlung in dritter Instanz durchblicken, dass es diesen Intentionen nicht folgen wird. Diesen Eindruck gewann jedenfalls Verdi-Gewerkschafter und Laeisz-Seebetriebsrat Peter Geit mann, der mit Betroffenen am Donnerstag bei der Verhandlung in Erfurt dabei war.

Ein Urteil wurde zwar noch nicht verkündet, aber der Vorsitzende Richter ließ erkennen, dass er eine andere Rechtsauffassung habe. Seine Frage, ob die Rostocker nicht ihre Klage zurücknehmen wollen, lasse eindeutig darauf schließen. Die Rechtsschreibung des BGB und des Seeleutegesetzes sei hierzu auch konträr, so der Gewerkschafter. Wenn das Urteil vorliegt, werden Anwälte mit den Betroffenen überlegen, wie es weitergeht. Die Rostocker wären auch auf ein Verfahren in Finnland eingestellt, in Athen sieht die Gegenseite wiederum bessere Karten.

Für die Seeleute insgesamt wäre eine Klärung vor dem Europäischen Gerichtshof wünschenswert, erklärt der Verdi-Gewerkschafter. In anderen Reedereien gebe es ähnlich gelagerte Fälle. Eine Grundsatzentscheidung sei da hilfreich. Für die Rostocker Superfast-Betroffenen aber wäre dies dann noch ein langer Weg.

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