Sukower Einkaufsmarkt wieder offen

Die Kunden gaben sich gestern die Klinke in die Hand. 'Das kann gern so bleiben,' meint Verkäuferin Sigrid Gipp. Rüdiger Rump
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Die Kunden gaben sich gestern die Klinke in die Hand. "Das kann gern so bleiben," meint Verkäuferin Sigrid Gipp. Rüdiger Rump

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02. Dezember 2009, 10:21 Uhr

Sukow | Länger als ein halbes Jahr hatte Sukow keinen Einkaufsmarkt. Lediglich ein Verkaufswagen bot Einwohnern, die nicht mobil sind, die Möglichkeit, sich wenigstens das Nötigste zum Leben vor Ort zu besorgen. Doch seit Dienstag um 9 Uhr hat der Edeka-Markt wieder geöffnet. "Das war ein sehr gutes Gefühl, die Tür aufzuschließen und die ersten Kunden zu begrüßen", sagt Ladenbesitzerin Michaela Seifferth. Ganz anders als Mitte Mai, da hatte sie schweren Herzens das Licht für unbestimmte Zeit ausknipsen müssen, weil der Umsatz zu weit entfernt war, die Kosten zu decken.

Die junge Frau wollte den im Sommer 2003 erworbenen Lebensmittelmarkt wieder verkaufen. "Ein Interessent hatte schon konkrete Vorstellungen, aber dann zerschlug sich die Sache", erzählt sie. Ob das ein Glücksfall war oder nicht, müsse sich nun zeigen: Michaela Seifferth wagt selbst einen zweiten Neuanfang. Sie habe mit der Sparkasse einen neuen Finanzierungsplan erarbeitet, der die monatliche Belastung verringert. Das Sortiment sei etwas gestrafft worden und stärker auf den täglichen Bedarf ausgerichtet. So gäbe es aus Kostengründen keinen extra Fleischstand mehr, statt dessen abgepackte Ware und die Möglichkeit zu bestellen. "Wir wollen klein anfangen und den Markt nach den Wünschen der Kunden Schritt für Schritt zum Laufen bringen", erklärt die Geschäftsfrau. "Sicher werden wir wieder kämpfen müssen, aber ich denke, jetzt sieht es besser aus. Ich hoffe einfach, dass künftig mehr Kundschaft kommt." Und sie freue sich, dass ihr mit Sigrid Gipp und Birgit Rohde, die beide in Sukow wohnen und auch vorher in dem Markt arbeiteten, zwei gestandene Verkäuferinnen "den Rücken stärken". Die Dritte im Bunde vor der Schließung, Sigrid Pohl aus Neustadt-Glewe, hätte inzwischen woanders Arbeit gefunden.

Am Dienstagvormittag wünschten Kunden immer wieder Erfolg für den Neustart. Manche hatten auch Blumen mitgebracht. Ingelore Busack kaufte ganz spontan, wie sie sagte, einen Strauß und überreichte ihn Michaela Seifferth. "Ich bedaure zwar, dass es die Fleischtheke und Textilien nicht mehr gibt, aber ich bin froh, wieder in der Nähe einkaufen zu können." Sie hätten regelrecht darauf gewartet, stimmen Herbert Luck, Gerhard Weigel sowie Irma und Franz Götting ganz erleichtert überein. "Gerade vor dem Winter, denn die Einkaufsfahrten wären jetzt noch beschwerlicher", sagt Franz Götting und zeigt dann mit der Hand etwa auf Oberschenkelhöhe. "So klein war ich, als es hier schon einen Laden gab."

Christel Wagner brachte sogar einen selbst gebackenen Apfelkuchen mit, "um das bewährte Team wieder zu begrüßen. Ich habe mich so gefreut. Der Kuchen ist mit reichlich Äpfeln und sehr viel Liebe gebacken." Klaus Peter sind ein paar Kleinigkeiten aufgefallen, die sich schnell verbessern ließen. "Das wird schon; es ist jedenfalls schön, dass wieder geöffnet ist." Er habe einiges in Schwerin eingekauft, wenn er dort zum Gesundheitssport war. "Diese Schlepperei ist endlich vorbei", freut sich der 73-Jährige. Waltraud Kreutner findet jetzt alles schön übersichtlich. "Einige Regale könnten vielleicht noch rein und das Angebot erweitern", blickt die 70-Jährige gleich weiter.

So nahe habe er sonst keinen Einkaufsmarkt, freut sich Sebastian Anders aus Göhren. "Wir fahren auch nach Schwerin, aber für den täglichen Bedarf kaufen wir gern hier. Mit zwei Kindern fehlt immer was", weiß der 33-Jährige.

Für Sukows Bürgermeister Horst-Dieter Keding ist die Wiedereröffnung des Edeka-Marktes "die beste Lösung". Die Gemeinde hatte mehrere Möglichkeiten abgeklopft, einen Markt selbst zu betreiben, sei allerdings nicht Sache der Kommune. "Wir kamen aber mit einem Institut in Süddeutschland in Kontakt, das Konzepte für Dorfläden erarbeitet. Für uns ergeben sich keine Kosten, weil die eine Stiftung übernimmt", erklärt Keding. "Im neuen Jahr soll die Studie fertig sein. Wir haben sie nun Frau Seifferth angeboten." Die alte und neue Markt-Chefin ist ganz gespannt darauf.

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