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Kritik an der auf Rostock ausgerichteten Investorenwerbung : Sturm gegen Sturm

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In der Hansestadt Rostock jagt eine Neuinvestition die andere. - darauf verweisen die Investorenwerber der landeseigenen Wirtschaftsfördergesellschaft Invest in MV zu gern. Und in Schwerin: weitgehend Fehlanzeige.

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erstellt am 27.Jul.2011 | 06:33 Uhr

Schwerin | Der Streit schwelt schon lange: In der Hansestadt Rostock jagt eine Neuinvestition die andere. 150 neue Jobs im Servicecenter benchmark Partner, 70 Stellen beim Vermarktungsspezialisten telegate, 200 Arbeitsplätze beim Fahrzeugbauer Oberaigner - von den großen Investoren Windmüller Nordex, Kranbauer Liebherr, Rohrbauer Erndtebrücker Eisenwerke, Motorenbauer Caterpillar ganz zu schweigen - darauf verweisen die Investorenwerber der landeseigenen Wirtschaftsfördergesellschaft Invest in MV zu gern. In den letzten drei Geschäftsberichten freuen sich die Chefförderer über 14 Investitionen allein in Rostock. Und Schwerin: weitgehend Fehlanzeige. Gerade mal vier Ansiedlungen weisen die Standortwerber aus. Neubrandenburg scheinen sie schon ganz abgeschrieben zu haben - eine Ansiedlung mit zehn Jobs taucht in den Geschäftsberichten der letzten drei Jahre auf. Mit Vorpommern sieht es nicht besser aus. Investitionsgerangel der Regionen - Rostocks späte Genugtung für den verlorenen Landeshaupt stadtstreit im Herbst 1990.

In den Regionen wächst der Frust über das Ansiedlungsgeschäft: Vor allem die Verteilung der Beihilfemilliarden sorgt in Wirtschaftskreisen für Unmut. So sei ein Großteil der Infrastrukturförderung allein in die Region Rostock geflossen - teurer Jobzuwachs an der Küste. Noch mit den Ansiedlungsträumen für ein neues BMW-Werk in Schwerin war der Landeshauptstadt vor Jahren bereits ein Autobahnanschluss für den 330 Hektar großen Großgewerbstandort Göhrener Tannen vor der Stadt versprochen worden - bislang Fehlanzeige, ebenso, wie die in Aussicht gestellten Ansiedlungen. Bei den wenigen Unternehmen, die sich auf dem einstigen Truppenübungsplatz der Sowjetarmee am Rande Schwerins angesiedelt haben, macht sich Einsamkeit breit.

Kritiker hängen die stark auf Rostock ausgerichtete Ansiedlungswerbung vor allem Invest-MV-Chef Michael Sturm an. Der war vor dreieinhalb Jahren von Wirtschaftsstaatssekretär und Invest-Aufsichtsratschef Stefan Rudolph (CDU) von Rostock nach Schwerin geholt worden. An der Küste hatte er seit Anfang 2003 die Wirtschaftsförderung der Hansestadt als Geschäftsführer von Rostock Business aufgebaut. Anfang 2008 sollte er den wegen seiner Art in Ungnade gefallenen einstigen Chefförderer Jürgen Michael Gahrau ablösen. Doch jetzt wächst der Sturm gegen Sturm.

So präsentierten sich beispielsweise ausgerechnet Sturms Ex-Kollegen von Rostock Business gemeinsam mir der Landesgesellschaft auf Europas zweitgrößter Immobilienmesse Europas Expo Real in München - andere Regionen gingen leer aus. "Das hat ein Geschmäckle", heißt es in Schwerin. Wirtschaftsförderer sollen zudem gezielt Investoren eine Ansiedlung in Rostock schmackhaft gemacht, Schwerin aber außen vor gelassen haben. Inzwischen wächst offenbar auch im Wirtschaftsministerum die Unzufriedenheit an Sturms Ansiedlungspolitik, heißt es in Schweriner Regierungskreisen.

Der Invest-Chef will von bevorzugter Standorthilfe für Rostock nichts wissen. Die Wirtschaftsfördergesellschaft gehe "grundsätzlich für das gesamte Land" auf Investorenwerbung, erklärte er. Die Standorte im Lande würden gleichberechtigt nach fachlichen Kriterien und den Vorgaben des jeweiligen Unternehmens vermittelt. "Unternehmen suchen sich einen Standort, nicht Invest in MV", sagte Sturm. Die Kritik komme für ihn überraschend. Erst vor kurzem habe man exklusiv für den Standort Schwerin ein Investorentreffen organisiert: "Wir stellen fest, dass die Wirtschaftsregion Schwerin/Wismar/Nordwestmecklenburg und Ludwigslust besonders durch unsere Arbeit profitiert." Erst in den vergangenen zwei Wochen hätten Investoren in Wismar und in Wittenburg die Grundsteine für zwei Ansiedlungen gelegt. "Vielleicht sollte man auch sehen, dass in einem funktionierenden Wirtschaftsraum für die dort geschaffenen Arbeitsplätze auch Mitarbeiter aus Schwerin in Frage kommen", meinte Sturm und rechnete auf: In den vergangenen 14 Jahren seien in Schwerin knapp 3000 Arbeitsplätzen entstanden und rund 72,75 Millionen Euro investiert worden. Zum Vergleich: Allein die Ansiedlung des Fahrzeugbauers Oberaigner im Wirtschaftsraum Rostock bringt rund 30 Millionen Euro in die Region.

Sturm sieht im Ansiedlungsgeschäft dennoch keine Benachteiligung der Landeshauptstadt: "Schwerin kommt mehr als gut davon", meint er. Allerdings müsse die Stadt selbstbewußter auftreten. Gerade die Nähe zu Schwerin biete der Region "eine tolle Chance."

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