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Lokales

19. November 2017 | 21:05 Uhr

Stromerwachen: Alles dreht sich um die Orgel

vom

svz.de von
erstellt am 27.Apr.2012 | 10:54 Uhr

Morgen startet das 18. Stromerwachen in Warnemünde. Eingebettet in diese traditionsreiche Veranstaltung ist das 7. Drehorgeltreffen vom Club Deutscher Drehorgelfreunde. Ein Teilnehmer reist sogar extra aus Schweden an, und zu den 30 aus Deutschland zählen Karin und Frank Reuter aus Burkhardtsdorf im Erzgebirge. "Wir sind das erste Mal gekommen", sagt Karin Reuter. Als sie ihren Mann geheiratet hat, bekam sie seine Leidenschaft für Drehorgeln gleich mit dazu. "Ich habe mich für alles interessiert, womit mechanische Musik gemacht werden kann", sagt Uhrmachermeister Frank Reuter.

Neben Spieluhren zählten dazu auch Drehorgeln. "Zu DDR-Zeiten war es sehr schwer, an eine Drehorgel heranzukommen", sagt der 59-Jährige. Er hat jahrelang Kleinanzeigen studiert, bis dort endlich eine Drehorgel angeboten wurde. "Aber das lief ja per Chiffre, man konnte sich nicht persönlich melden", erzählt Reuter. Er hatte Glück und bekam den Zuschlag für die Gebrüder-Riemer-Orgel von 1880 aus Böhmen. Sie war nicht mehr spielfähig, musste sechs Jahre zu einem Restaurator. "So alte Orgeln gibt es nicht mehr viele", sagt Reuter. In der DDR sind auch keine mehr hergestellt worden, während das im Westen der Fall war. Dort gab es auch richtige Vereine. 1985 kauften sich Frank und Karin Reuter eine weitere Orgel und erweitereten so ihr Repertoire.

Drehorgeln haben keine Tasten. Die Melodien sind auf Platten und Notenrollen gespeichert. Beim Drehen an der Kurbel wird über einen Blasebalg Luft in die Windlade befördert. Mit diesem Spielwind werden die Pfeifen über Ventile zum Klingen gebracht. Gleichzeitig wird beim Kurbeldrehen die Walze oder das Notenband bewegt, das steuert die Ventile der einzelnen Pfeifen. Die Leidenschaft für Drehorgeln hat inzwischen die gesamte Familie ergriffen: Sie hat sich auch an die drei inzwischen erwachsenen Kinder vererbt. Als sie noch kleiner waren, war die Familie oft zusammen unterwegs.

Die Szene der Drehorgelspieler hält Kontakt und trifft sich zu solchen Terminen wie jetzt beim Stromerwachen in Warnemünde. "Wir freuen uns sehr darauf", sagt Karin Reuter. Ein Höhepunkt dieses Treffens ist immer das gemeinsame Konzert von Drehorgelspielern mit Kantorin Christiane Werbs an der Kirchenorgel. Es findet am Sonntag um 20 Uhr in der Kirche statt. "Das möchten wir den Gästen des Stromerwachens unbedingt ans Herz legen", sagt Ingeborg Regenthal vom Warnemünde-Verein. "Das ist etwas ganz Besonderes", sagt sie. Der Warnemünde-Verein, die Tourismuszentrale und der Club Deutscher Drehorgelfreunde organisieren seit Jahren das Stromerwachen. Damit die Ideen umgesetzt werden können, wurde die Kongress- und Veranstaltungsservice GmbH als Partner hinzugezogen.

Weil Frank und Karin Reuter noch nie in Warnemünde waren, sind sie eher angereist und verbinden das Treffen mit ein paar Urlaubstagen. Die Erlebnismeile der Drehorgelspieler führt von der Bahnhofsbrücke über den Alten Strom bis zum Platz vor dem Leuchtturm. Am Alten Strom sind Händler, Kunsthandwerker und Gastronomieanbieter platziert. Auch der Bootsverleih macht mit. Hier gibt es Kinderanimation und Wassertreten. Die Eröffnung vom Stromerwachen ist Sonnabend um 11 Uhr an der Vogtei. Dann spielt Drehorgel-Hartmut aus Warnemünde auf.

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