Stress für Waldtiere wächst mit jedem Tag Schnee

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19. Januar 2010, 10:07 Uhr

Kremmin/Steesow | Normalerweise müssen sich die Forstämter um die Tiere in ihren Wäldern keine Sorgen machen. Denn in der Regel sind die Winter in der Region weder so hart noch so lang, dass Wildschweine, Reh- und Rotwild Probleme bei der Nahrungsbeschaffung haben. In diesem Winter ist das anders. "Für hiesige Verhältnisse haben wir nicht nur eine sehr lange Frostperiode. Seit Wochen liegt eine dicke Schneedecke über dem Waldboden, so dass die Tiere nur wenig Nahrung finden", sagt Joachim Peter, Revierförster im Revier Steesow. In seinem Terrain, das zum ca. 17 000 Hektar großen Ludwigsluster Forstamtsbereich gehört, zählt er derzeit etwa 100 Rehe, knapp 40 Wildschweine und wohl an die 100 Stück Rotwild. Und alle wollen fressen. "Die Schwarzkittel haben sich im Grunde gut angepasst, suchen zumeist die Eichelmast nach oder brechen den Waldboden auf der Suche nach den Puppen des Kieferspanners oder der Forleule auf. Mit jedem weiteren Tag Frost und Schnee haben es vor allem Reh- und Rotwild, die naturgemäß äsen und Rinde schälen, schwerer", erklärt der Revierförster. Mittlerweile ständen viele Tiere richtiggehend "unter Stress", gingen in Schonungen oder schälten armdicke Stämme im stehenden Holz. Was wiederum die Forst zu Gegenmaßnahmen zwinge, will sie nicht enorme Schäden beim Jungbaumbestand riskieren. Und so wird den Tieren im Bereich des Forstamtes Ludwigslust die Nahrungssuche seit Tagen um einiges leichter gemacht. "Zum einen schlagen wir an vielen Stellen Schneisen in den Wald, damit das Schalenwild im so anfallenden Prossholz junge, saftige Rinde und Knospen finden kann", erklärt Joachim Peter. Zudem werde auf Weidelandflächen der Schnee beräumt, so dass Rehe und Rotwild hier äsen können. "Die hungrigen Tiere scharren den Schnee auch selbst beiseite. Das Problem dabei ist, dass sie sich dabei die Schalen verletzen." Weiterer Vorteil des forstlichen Schneepflügens, für das die Ludwigsluster geeignete Flächen von Landwirtschaftsbetrieben zugewiesen bekommen, ist, dass auf diese Ablenkungsflächen auch der Hase drauf geht und genug zu fressen findet.

Begrenzt sind diese Maßnahmen des Ludwigsluster Forstamtes bislang auf die 6000 Hektar reine Landesforst. "Nach Absprache würden wir diese Maßnahmen jedoch auch in den Privatwäldern durchführen", erklärt Forstamtsleiter Dr. Holger Voß. Seit fünf Jahren ist er Chef der Forstbehörde, die ihren Sitz in Kremmin hat. Wie Joachim Peter ist er überzeugt von der Effektivität der Maßnahmen: "Sowohl das Prossholz als auch die Ablenkungsflächen werden vom Wild gut angenommen. "

Vieles regle sich von allein, sagt Peter. Und so fielen erste verendete Tiere, die von der Oberen Jagdbehörde vermeldet wurden, momentan auch in die Kategorie "natürliche Auslese". "In großen Notzeiten würden die Unteren Jagdbe hörden grünes Licht für die Zufütterung geben. Davon sind wir aber noch ein ordentliches Stück entfernt."

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