zur Navigation springen

Gemeindevertretung will Feuerwehren zusammenlegen : Streit: Wöbbeliner Wehr löst sich auf

vom

Die Freiwillige Feuerwehr Wöbbelin bricht auseinander. Grund: Nach dem Wunsch der Gemeindevertreter sollen die Wehren von Wöbbelin und dem zur Gemeinde Wöbbelin zählenden Ort Dreenkrögen zusammengelegt werden.

svz.de von
erstellt am 04.Apr.2011 | 07:28 Uhr

Wöbbelin | Die Freiwillige Feuerwehr Wöbbelin bricht auseinander. Grund: Nach dem Wunsch der Gemeindevertreter sollen die Wehren von Wöbbelin und dem zur Gemeinde Wöbbelin zählenden Ort Dreenkrögen zusammengelegt werden. Über die Köpfe der Kameraden hinweg. Die nämlich wehren sich kräftig gegen die Idee. "Es ist finanziell jedoch nicht länger machbar, in der Gemeinde zwei Feuerwehren zu unterhalten", unterstreicht Wöbbelins Bürgermeisterin Viola Tonn, spricht von einer rein haushalterischen Entscheidung. Sie und der Großteil der Gemeindevertreter sehen keine Alternative zur Zusammenlegung.

Am Sonntag ging es auf einer Zusammenkunft mit Bürgermeisterin Viola Tonn im Wöbbeliner Gerätehaus hoch her. Ebenso emotional wie aufgeheizt war die Stimmung unter den Kameraden. Die "Abstimmung zur Standortauflösung" stand auf der Tagesordnung. Am Ende stimmten die Kameraden geschlossen für die Auflösung. Rund die Hälfte der Aktiven gab unmittelbar nach der Abstimmung auch gleich ihren Dienstausweis ab und erklärte schriftlich ihren Austritt aus der Feuerwehr. Erfolgreiche Diplomatie sieht anders aus.

Grundsätzlich haben die Wöbbeliner Kameraden gegen eine Zusammenlegung nichts einzuwenden. Doch die konkreten Pläne stoßen den ehrenamtlichen Feuerwehrleuten sauer auf. Denn der gemeinsame Standort soll nicht im 800-Seelen-Ort Wöbbelin, sondern im wesentlich kleineren Dreenkrögen liegen. Einen Kilometer weit von Wöbbelin entfernt. Toni Böttcher ist erst seit einer Woche Ortswehrführer. Wenn die Stimmung sich auch weiterhin als derart friedlos erweist, hat der 29-Jährige gute Chancen, als Wöbbeliner Ortswehrführer mit der kürzesten Dienstzeit in die Geschichte einzugehen. Er bemängelt, dass der Wehr die vermeintliche Lösung von Seiten der Gemeindevertreter einfach vorgesetzt worden sei. Beratungen, Varianten oder Alternativen habe es hingegen nicht gegeben. "Wir erwarten, dass uns die Gemeinde unterstützt und nicht, dass wir darum kämpfen müssen, ehrenamtlich tätig sein zu dürfen", so Böttcher. Genau diese Unterstützung vermissen die Wöbbeliner Kameraden.

"Wenn die Dreenkrögener Wehr nach Wöbbelin verlagert würde, wäre das eine Logik, die wir nachvollziehen könnten", formulierte Böttcher die Bedenken seiner Truppe. Doch genau dies lehnt Bürgermeisterin Viola Tonn kategorisch ab. "Das Dreenkrögener Gerätehaus ist moderner und wir zahlen als Gemeinde noch Abschläge für das Gebäude", argumentierte Tonn auf der Versammlung. Die Wöbbeliner Fahrzeughalle hingegen entspreche nicht mehr den Richtlinien der Feuerwehrkasse. Es sei daher undenkbar, den Stützpunkt in Dreenkrögen aufzugeben. Tonn verwies außerdem auf die geringere Leistungsfähigkeit der Wöbbeliner Wehr. Reaktion der Kameraden: lautstarke Proteste.

Von Seiten der Feuerwehr musste sich die Bürgermeisterin den Vorwurf gefallen lassen, bei den Mitgliederversammlungen der Feuerwehr so gut wie nie anwesend gewesen zu sein. "Immer, wenn ich eine Einladung hatte, bin ich auch gekommen", wehrte sich Tonn und erntete dafür Kopfschütteln und Unmutsbekundungen.

Der ehemalige Ortswehrführer Erich Badel verlieh unüberhörbar seinen Sicherheitsbedenken Ausdruck. "Sie haben keine Ahnung von Sicherheitsfragen und auch nicht davon, dass bei Bränden jede Minute zählt", schleuderte er der Bürgermeisterin entgegen und gestikulierte wild mit den Armen. Er glaubt, dass Wöbbelin ohne eigenen Standort im Brandfall schlecht aufgestellt sei.

Doch nicht nur Sachargumente waren es, die die Ehrenamtlichen vorbrachten. Auch eine tiefe Zerstrittenheit zwischen den Wehren von Wöbbelin und Dreenkrögen trat zu Tage. Von Kameradschaft keine Spur. Gerade dies bemängelt Kreiswehrführer Heiko Dübel. Er schlägt Amtswehrführer Horst Stelzner als Moderator in dem Konflikt vor. Es müsse und könne eine für alle Seiten tragbare Lösung gefunden werden.

Überdies sei die Auflösung der Feuerwehr nicht so einfach möglich. "Dafür müssen genaue Vorgaben wie eine korrekte Einladung und eine Zweidrittelmehrheit der aktiven Kameraden erfüllt werden", unterstreicht er. Außerdem müsse die Abstimmung nach einem Monat bestätigt werden. Dübel bezweifelt, dass diese Statuten in Wöbbelin exakt eingehalten wurden. Außerdem seien die Kameraden verpflichtet, in den kommenden sechs Monaten einsatzbereit zu bleiben.

Wie es in Wöbbelin weitergeht, das weiß auch Dübel nicht. Er wünscht sich, alle Kameraden halten zu können. "Rein rechtlich jedoch wäre es wahrscheinlich auch möglich, dass die Dreenkrögener Wehr die Aufgaben der Wöbbeliner übernimmt", so Dübel.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen