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Lokales

24. Oktober 2017 | 11:42 Uhr

Streit um Warnow-Panorama

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erstellt am 01.Dez.2011 | 09:19 Uhr

Weniger Gewerbe, mehr Wohnungen - diese Entwicklung will die Stadt auf dem Areal der ehemaligen Neptun-Werft mit einer Änderung des Bebauungsplans anstoßen. Doch das Vorhaben ist umstritten. Denn der Plan der Verwaltung sieht in seiner jetzigen Form siebengeschossige Wohnhäuser direkt am Warnowufer vor. Nachbarn und Stadtpolitiker fürchten, dass mit großen Wohnblocks dort ein schon bestehendes architektonisches Highlight der Stadt einfach zugebaut würde: das im Jahr 2002 für elf Millionen Euro errichtete Max-Planck-Institut für demografische Forschung.

"Vom Wasser aus würde das Institut gar nicht mehr wahrzunehmen sein", sagte Helge Bothur (Linke) bei der Vorstellung des Plans im Bauausschuss. "Es ist schwer zu verstehen, warum die Stadt erst mit der Max-Planck-Gesellschaft so einen schönen Bau auf die Beine stellt, um ihn dann später zu verstecken", so Bothur.

Das Gebäude vom renommierten dänischen Architekten Henning Larsen, der auch die Königliche Oper in Kopenhagen oder jüngst das Spiegel-Hochhaus in der Hamburger Hafencity entworfen hat, wurde 2004 mit dem Rostocker Architekturpreis ausgezeichnet. Begründung: Es sei eine städtebauliche und architektonische Bereicherung für Rostock. Auch der akademische Geschäftsführer des Instituts, Dr. Rainer Heuer, ist von den neuen Plänen der Stadt überrascht: "Unser Gebäude ist horizontal orientiert. Wenn jetzt hohe Häuser daneben gebaut würden, wäre das ein deutlicher Bruch", sagt er. Zudem würde die Skyline von Rostock erheblich verändert.

Diese Bedenken teilen die Bauausschuss-Mitglieder Götz Kreuzer (Linke) und Erhard Sauter (SPD). Johann-Georg Jaeger (Grüne) fordert für das sensible Areal einen Realisierungswettbewerb als Bedingung für eine B-Plan-Änderung.

Das umstrittene Gebiet westlich des Max-Planck-Instituts gehört zum Teil der Hamburg-Rostock-Investitionsgesellschaft (HRI), im Bereich der ehemaligen Kranbahn einem Wohnungsunternehmen. Die HRI hatte einen Großteil des Geländes nach der Insolvenz der Neptun-Werft übernommen. Allerdings hat die Gesellschaft seit Jahren Schwierigkeiten, die Gewerbeflächen an den Mann zu bekommen - weshalb die Stadt das Areal jetzt in ein Mischgebiet mit mehr Wohnfläche umwandeln will. Die CDU lehnt diesen Vorschlag gänzlich ab. "Wir brauchen immer wieder Platz für Unternehmen an der Hafenkante. Das Gebiet sollte gar nicht mit Wohnhäusern bebaut werden", so Frank Giesen (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses.

Der Leiter des Stadtplanungsamtes, Ralph Müller, hält dagegen: "Eine klassische Hafennutzung mit Industrie und Umschlag wäre an dieser Stelle ohnehin nicht möglich." Er wolle dennoch die kritischen Hinweise, insbesondere zur erlaubten Geschosshöhe, sehr ernst nehmen. Bis zum Januar soll die Stadtplanung mit den Grundstückseigentümern ins Gespräch kommen und prüfen, ob ein Realisierungswettbewerb oder ein städtebaulicher Ideenwettbewerb möglich ist. Auch die Einbeziehung des geplanten Gestaltungsbeirats wird erwogen. Bis dahin hat der Ausschuss eine Stellungnahme zum Bebauungsplan vertagt.

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