Umzug der Wohnungslosenunterkunft erregt die Gemüter : Streit um Schweriner Obdachlosenheim

Die ehemalige Kita Kirschblüte im Mittelweg soll nach Vorstellung der Stadt das neue Obdachlosenheim werden.Rainer Cordes
Die ehemalige Kita Kirschblüte im Mittelweg soll nach Vorstellung der Stadt das neue Obdachlosenheim werden.Rainer Cordes

Der geplante Umzug des Obdachlosenheims beschäftigt nicht nur Anwohner, sondern jetzt auch Beiräte, Ausschüsse und Parteien. Unterdessen appellieren Politiker an Menschlichkeit und Toleranz im Umgang mit dem Problem.

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04. Februar 2011, 06:04 Uhr

Weststadt | Der geplante Umzug des Wohnungslosenheims von der Anne-Frank-Straße in den Mittelweg bewegt die Gemüter. Ortsbeiräte und Parteien melden sich zu Wort, Ausschüsse führen Sondersitzungen durch, Anwohner fordern Mitsprache. Am kommenden Donnerstag beraten in einer öffentlichen Sondersitzung der Sozial-, der Umwelt- und Ordnungs- und der Finanzausschuss gemeinsam um 18 Uhr im Rathaus die Problematik. Sie wollen eine Beschlussempfehlung für die Stadtvertretung erarbeiten. Einen Tag später, am Freitag, dem 11. Februar, hat der Ortsbeirat Weststadt die Anwohner im Zuge der Bürgerbeteiligung zu einer Einwohnerversammlung eingeladen, zu der auch Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke) und Sozialdezernent Dieter Niesen (SPD) erwartet werden. Das Forum beginnt um 17 Uhr in der Aula des Goethe-Gymnasiums, Bertolt-Brecht-Straße.

Der Streit um den künftigen Standort des Obdachlosenheims schwelt schon mehr als ein Jahr, seit feststand, dass die bisherige Unterkunft in der Anne-Frank-Straße abgerissen werden soll, um einem Neubaugebiet Platz zu machen. Der zunächst von der Verwaltung vorgeschlagene Umzug in den benachbarten Flachbau, in dem auch die Kita Anne Frank untergebracht ist, stieß auf massiven Widerstand. Alternativen wurden gesucht. "Nach Prüfung aller Varianten ist die Verwaltung der Auffassung, dass die leer stehende ehemalige Kita Kirschblüte der am besten geeignete Standort ist", bestätigte gestern nochmals Kathrin Hoffmann von der Stadtverwaltung.

Die Schweriner CDU unterstützt die Bemühungen um ein tragfähiges Konzept für die Unterbringung Wohnungsloser in der Landeshauptstadt, versichert Kreisvorsitzende Dorin Müthel-Brenncke. "Jetzt muss es darum gehen, eine nachhaltige und tragfähige Lösung für alle Betroffenen zu finden. Dazu zählt auch, die Überlegungen der Bewohner im Umfeld und weiterer Anlieger mit einzubeziehen", erklärt die CDU-Kreisvorsitzende. Und sie bringt noch einen weiteren Aspekt in die Debatte: Bei der Errichtung der neuen Unterkunft dürfe nicht aus den Augen verloren werden, lebenswerte Bedingungen für die 40 Bewohner zu schaffen. "Auch wohnungslose Menschen haben einen Anspruch auf anständige Bedingungen", betont Müthel-Brenncke.

Da liegt sie auf einer Wellenlänge mit der Oberbürgermeisterin. "Ein einfaches Nachtasyl ohne Betreuung kommt als Alternative für mich nicht in Frage. Wir brauchen auch perspektivisch in Schwerin eine Obdachlosenunterkunft, deren Standards nicht unter den vorhandenen liegen dürfen", hatte Angelika Gramkow bei ihrem Besuch im Heim in der Anne-Frank-Straße bekräftigt. Entsprechende Forderungen sollten in die Ausschreibung des künftigen Betreiberkonzepts einfließen.

In diesem Punkt herrscht weitgehende Übereinstimmung in der Politik. "Aus Sicht der Schweriner CDU muss es Bestandteil der Ausschreibung bzw. Inhalt eines Wettbewerbs sein, hierfür ein soziales Konzept vorzulegen", so Müthel-Brenncke. Auch Stev Ötinger, Ortsvorsitzender Großer Dreesch und FDP-Stadtvertreter, erklärt: "Die Stadtverwaltung wäre gut beraten, das Betreiben einer Wohnungslosenunterkunft Dritten zu übertragen. Diese Einrichtung sollte möglichst von anderen Trägern betrieben werden wie Wohlfahrtsverbänden, Vereinen, den Kirchen oder deren Verbänden wie Diakonie oder Caritas."

Indes: Die zentrale Frage bei allen Überlegungen ist die des Standortes. Und der Vorschlag der Verwaltung für den Umbau der alten Kita Kirschblüte erntet nicht nur Zustimmung. Der Ortsbeirat Weststadt hat auf seiner Sitzung am 27. Januar diesen Vorschlag einstimmig abgelehnt (SVZ berichtete). "Er sieht - hervorgerufen durch die Problembewohner des Heimes - eine erhebliche Belästigung der Anwohner des Ortsteiles durch Alkohol, Streit, Lärm, zerschlagene Flaschen auf dem Mittelweg und den angrenzenden Grundstücken. Negative Auswirkungen auf den benachbarten Kinderspielplatz des Löwenplatzes und den Haltestellen des Nahverkehrs seien programmiert. Eine nachteilige Auswirkung auf die benachbarte Kita im Hopfenbruchweg wird befürchtet. "Sollte die Stadtvertretung dem Beschluss des Ortsbeirates nicht folgen, werden Forderungen für den Standort Mittelweg gestellt", erklärt Ortsbeiratsvorsitzender Peter Schult: Dazu gehören vorrangige Vergabe an kirchliche Betreiber, Neubau der Straßenbeleuchtung und des Fußweges, Umzäunung des Grundstückes Mittelweg 9, Sicherstellung der Straßenkehrung und des Winterdienstes, Errichtung von ausreichenden Aufenthalts- und Bewegungsplätzen im Außenbereich des Obdachlosenheimes und vieles mehr enthält der Auflagenkatalog des Beirates.

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