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Lokales

22. September 2017 | 11:45 Uhr

Streit um nächtliche Beleuchtung

vom

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erstellt am 12.Okt.2010 | 06:13 Uhr

Tangendorf | Es ist beschlossenen Sache: In Tangendorf und Hohenvier werden künftig nachts die Straßenlampen ausgeschaltet. Wer dann Licht benötigt, kann es per Handy und entsprechendem Anruf anschalten. Allerdings muss er sich dafür bei dial4light, wie dieses System heißt, das sich die Stadtwerke Lemgo patentieren ließen, mit Anschrift, E-Mail-Adresse und Telefonnummer anmelden. Das alles ist per Internet möglich, dort erfährt man auch die jeweilige Streckennummer, die bei dem Telefonat angegeben werden muss.

Was die Gemeindeverwaltung Groß Pankow (Prignitz) als einen extra Service anbietet, der sich im einjährigen Testversuch in Kuhsdorf bewährt und zu 50 Prozent Stromeinsparung geführt habe, stößt bei den Tangendorfern und Hohenvierern allerdings auf wenig Gegenliebe. Das wurde am Montagabend in der Einwohnerversammlung deutlich. Der Grund der Ablehnung liegt zum einen in ganz technischen Detailfragen. Dass nämlich beide Orte zu den weißen Flecken im Landkreis gehören, was den schnellen Internetzugang anbelangt. Zudem gebe es hier ein Funkloch (zumindest bei Vodafone), was den Handybetrieb erschwere, wie mehrfach in der Versammlung betont wurde. Zum anderen will die Mehrheit der Einwohner von Tangendorf und Hohenvier eigentlich überhaupt nicht auf die Straßenbeleuchtung verzichten, fühlt sich dadurch in ihrem Sicherheitsgefühl beeinträchtigt, hat Angst vor steigender Kriminalität.

Darüber wollten die Einwohner mit Bürgermeister Thomas Brandt diskutieren, mussten aber feststellen, dass es dafür zu spät ist, denn die Gemeindevertretung von Groß Pankow (Prignitz), zu der auch beide Dörfer gehören, hat das Vorhaben der Verwaltung längst abgesegnet. Brandt argumentierte am Montagabend damit, dass im Haushalt der Gemeinde ein Loch klafft, deshalb mit einem Haushaltssicherungskonzept gearbeitet werde, "wir gesetzlich verpflichtet sind, bei den Ausgaben einzusparen". Lange sei in den Ausschüssen und der Gemeindevertretung über Einsparmöglichkeiten diskutiert worden, bevor man sich für das Abschalten der Straßenlampen entschieden habe. Dabei gebe es drei Kategorien von Lösungen: Dörfer, in denen es nachts generell dunkel bleibt, Orte, in denen nur jede zweite oder dritte Lampe ausgeschaltet wird, weil sie an stark befahrenen Straßen liegen wie Kuhbier oder aber Unternehmen im Ort hätten, die im Schichtbetrieb arbeiten, wie Wolfshagen. Und dann die Orte, die mit Modulen für den dial4light-Service ausgestattet werden sollen.

Auf letzteren würden viele Tangendorfer und Hohenvierer gern verzichten. Beispielsweise die Zeitungszustellerin, weil sie damit pro frühmorgendlicher Tour allein in Tangendorf zweimal per Anruf die Lampen anschalten muss für ihre Runde durchs Dorf, denn jeder Anruf schafft nur für 15 Minuten Licht. Für beide Anrufe muss sie bezahlen, und das sechsmal pro Woche. Viel lieber würden die Einwohner auf jede zweite Lampe verzichten oder zumindest an neuralgischen Punkten Licht behalten. Doch die Gemeindevertretung hat sich für den Verwaltungsvorschlag entschieden.

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