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Landtag MV : Streit um Kunst: Nicht genug geholzt

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Die Linkspartei wolle keinen Landeswald gegen Kunstgegenstände der einst herzoglichen Familie zu Mecklenburg eintauschen, weil sie "alte Ressentiments" gegen Adlige und "Junker" schüren wolle.

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erstellt am 14.Apr.2011 | 09:11 Uhr

Schwerin | Die Linkspartei wolle keinen Landeswald gegen Kunstgegenstände der einst herzoglichen Familie zu Mecklenburg eintauschen, weil sie "alte Ressentiments" gegen Adlige und "Junker" schüren wolle. Das mussten sich die Sozialisten gestern von der CDU im Landtag vorhalten lassen. Die SPD begründete unterdessen ihre Vorbehalte gegen den Tausch mit der Behauptung, das Land könne Wald ökologischer bewirtschaften als private Eigentümer.

Der Tausch ist längst vom Tisch. Nach fünf Jahren Verhandlungen waren sich das Bildungsministerium und die Herzog-Familie fast einig. Für 260 Kunstgegenstände, die der Familie gehören, aber angeblich zum unverzichtbaren Inventar hiesiger Museen gehören, sollte das Land 7,9 Millionen Euro bezahlen. Teil des Kaufpreises sollte ein 390 Hektar großer und 3,4 Millionen Euro teurer Wald in Witzin bei Parchim sein. Das stieß vor kurzem auf Widerstand in der Linkspartei und in der SPD. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) stoppte den Tausch.

Gleichwohl wollte die Linkspartei gestern generell den Verkauf von Landeswald verboten wissen - bekam dafür aber keine Mehrheit. Wolf-Dieter Ringguth (CDU) warf den Sozialisten vor, nicht über Kunst oder Wald zu debattieren, sondern ein gestörtes Verhältnis zu privatem Eigentum zu haben. Das zeige sich in ihrer Idealisierung der Bodenreform nach 1945. Die sei jedoch mit entschädigungslosen Enteignungen, Vertreibungen und selbst mit Morden durchgesetzt worden. Viele Unschuldige seien Opfer der Kampagne "Junkerland in Bauernland" geworden. Die Bodenreform als "demokratischen Aufbruch" zu bezeichnen, wie Linkspartei-Fraktionschef Helmut Holter es getan habe, sei "ein Hammer". Holter wies den Vorwurf zurück. Der Wald in Witzin ("ein fürstliches Filetstück") wie auch die Kunstgegenstände gehören für ihn zur "Identität" Mecklenburgs und dürften nicht gegeneinander aufgewogen werden. Deshalb habe Herzogin Donata zu Mecklenburg "eine moralische Verantwortung" und müsse die Kunst dem Land als Dauerleihgabe überlassen oder sogar schenken. Das fand die SPD auch.

Obwohl unter SPD-Landwirtschaftsminister Till Backhaus lange nach dem passenden Wald gesucht wurde, lehnt auch die SPD den Tausch ab. Der Wald stehe unter starkem ökonomischen Druck, so Abgeordneter Jörg Heydorn. Hinzu kämen Umwelt- und Klimaschutzanforderungen sowie Freizeit-Wünsche der Einheimischen. Dies unter einen Hut zu bringen, sei im landeseigenen Wald besser zu verwirklichen.

Bildungsminister Henry Tesch (CDU) hielt sich aus der Debatte heraus. "Es ist genug geholzt", so der Bildungsminister. Er steht jetzt vor allem vor dem Problem, woher er die 3,4 Euro bekommt, die statt des Waldes in bar gezahlt werden müssten. Wahrscheinlich aber kann er die Suche der nächsten Landesregierung überlassen. Donata Herzogin zu Mecklenburg wollte sich zu den weiteren Verhandlungen nicht äußern. Fest stehen dürfte jedoch, dass sie nie auf dem Tausch Wald gegen Kunst bestanden hat. "Das war ein Angebot des Landes", heißt es in Schwerin.

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