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Lokales

20. Oktober 2017 | 09:23 Uhr

Streit um Farbe markanter Gebäude

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erstellt am 23.Sep.2010 | 07:45 Uhr

Schwerin | Der Streit um die Farbe des Arsenals ist fast schon vergessen, an das Ockerrot haben sich die Schweriner längst gewöhnt. Dabei schlugen die Wellen der Empörung vor acht Jahren geradezu unermesslich in die Höhe, als die Denkmalpfleger darauf bestanden, das weiße Palais am Pfaffenteich rot umzutünchen.

Jetzt ist die Debatte um die künftige Farbe des Theaters entbrannt, denn im Zuge der Fassadensanierung wird auch der Anstrich des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes erneuert. Das Baustellenschild an der Vorderfront rechts zeigt unterschiedliche Farbspiele. Die Denkmalpflege beruft sich bei ihrer Entscheidung auf historische Befunde. Neben freigelegten alten Farbproben stützen sich die Fachleute auch auf historische Postkarten, Zeichnungen und Gemälde. Doch die sind keineswegs einheitlich. Bilder aus den 20er-Jahren zeigen das Hoftheater in Kanariengelb, eine Aufnahme aus dem Jahr 1943 dagegen in kräftigem Rot.

"Schon bei der umfangreichen Theatersanierung im Jahre 1979 hat die Denkmalpflege darauf hingewiesen, dass die Fassade ockergelb gestrichen werden sollte, wie ein Gutachten vom 3. Juli 1979 belegt", berichtet Dr. Michael Bednorz, Leiter des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege. Dass schließlich Weiß genommen wurde, hänge offensichtlich damit zusammen, dass der andere Farbton damals mate rial technisch nicht zu realisieren war. "Heutzutage ist das glücklicherweise kein Problem. Vorgesehen ist die Farbe Ocker Kalkkasein, die in der Fachwelt die Bezeichnung NCS S 2040 Y 30 R trägt", erläutert Bednorz. Für den normalen Betrachter sei es oftmals schwer, sich ein Gebäude in einer anderen Farbe vorzustellen, zumal wenn es sich um ein markantes, solitäres handele. "Deshalb ziehen wir bei solchen Entscheidungen ja immer auch Architekten und Denkmalpfleger zu Rate", erklärt der Amtsleiter.

Viel komplizierter als die Farbgebung sei im Zusammenhang mit der Sanierung der Theaterfassade indes die Entscheidung, wie der Eingangsbereichkünftig aussehen soll. Generalintendant Joachim Kümmritz favorisiert eine Verglasung des Portikus ähnlich wie an der Staatskanzlei. Aus bausicherheitstechnischen Gründen ist das derzeit mit der Treppenanlage aber nicht möglich. Historische Ansichten indes belegen, dass es diese Treppe früher gar nicht gab, sondern der Alte Garten leicht erhöht an das Theater angepflastert war.

"Denkmalpflege strebt keine eins-zu-eins Wiederherstellung um jeden Preis an, man muss ein Denkmal immer auch in seinen Zusammenhängen sehen", sagt Bednorz. Aus seiner Sicht würde das Erscheinungsbild des Gebäudes deutlich leiden, wenn die Treppen und Postamente der Säulen durch eine Anpflasterung verschwinden würden. Deshalb sei in Expertenrunden über eine passende Lösung noch zu diskutieren. Keinen Streit hatte es indes um das Abnehmen der roten Natursteinplatten vom Sockel des Theatergebäudes gegeben. Sie waren Ende der 70er-Jahre angebracht worden, als auch die Treppenanlage ihre heutige Form bekam.

Die Sanierung der Theaterfassade erfolgt in zwei Phasen: Derzeit in der ersten werden der westliche Sockel und die östliche Fassade erneuert, in der zweiten im nächsten Jahr folgen dann die Pendants. Finanziert wird die Sanierung durch Mittel aus dem Landeshauptstadtvertrag.

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