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Weitendorfs Gutshaus-Besitzer wehrt sich : Streit um Asphalt am Denkmal

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Weil beim Bau der Asphaltstraße am Weitendorfer Gutshaus im Jahre 2008 das Aufstreuen gelben Splitts nicht ordnungsgemäß erfolgte, schöpfen Anwohner für ihren Protest gegen die Straße neuen Mut.

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erstellt am 31.Mär.2011 | 12:24 Uhr

Weitendorf | Weil beim Bau der Asphaltstraße am Weitendorfer Gutshaus im Jahre 2008 das Aufstreuen gelben Splitts nicht ordnungsgemäß erfolgte, schöpfen Anwohner für ihren Protest gegen die Straße neuen Mut. Das 100 Meter lange Stück Asphalt sorgt seit Jahren für Streit im Dorf. Ein Streit, der mehrere Strafanzeigen, Beschwerden bei Behörden und eine Unterschriftenliste gebar, Anwälte auf den Plan rief. Auch ein Streit, der bis heute einen tiefen Graben durch das Dorf zieht.

2006 erwarb der Kunsthistoriker Dr. Felix Lüdemann das Gutshaus. Wenig später habe er erfahren, dass eine Asphaltstraße von der B 104 an gebaut werden sollte - dort, wo die Gemeinde vorher bereits ein Stück Asphalt anlegen ließ. Lüdemann monierte prompt "Verstöße gegen das Denkmalschutzgesetz und das Baugesetz". Unterstützung bekam er danach von Denkmalschützern, was sich in langen Briefwechseln nachlesen lässt. So mischte sich im Mai 2007 der Vorsitzende der Stiftung Herrenhäuser und Gutsanlagen in MV, Claus Vogt, ein. "Es geht hier um den Ensembleschutz der gesamten Ansiedlung", schrieb er an Parchims Landrat Klaus-Jürgen Iredi. Gutshaus, Stellmacherei, Verwalterhaus und alter Pferdestall seien als Einheit schützenswert. Eine Asphaltstraße auf dem Gutshofgelände sei ein "Verstoß gegen das Denkmalrecht".

Landesamt: Zwei Aussagen zum Denkmalschutz

Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege äußerte sich verschiedenartig zum Asphalt in Weitendorf. Im April 2007 hieß es dazu: "Aus Sicht des Landesamtes kann eine Asphaltierung auf der denkmalgeschützen Gutsanlage nicht genehmigt werden." Vier Monate später stellt ein anderer Mitarbeiter dagegen fest: Er könne "eine erhebliche Beeinträchtigung der Gutsanlage ... nicht erkennen". Auf Nachfrage erfuhr der Weitendorfer Gutshaus-Besitzer, "dass leider nicht alles, was fachlich wünschenswert ist, mit den Mitteln des Denkmalschutzes durchsetzbar ist". Ende 2006 hatten sich 25 Anwohner auf einer Unterschriftenliste gegen eine Asphaltierung der Straße ausgesprochen.

Die Gemeinde wollte dagegen eine Zufahrt zum Wasserwanderrastplatz schaffen. Ein Grund: Nach starken Regengüssen seien angrenzende Grundstücke unter Wasser gesetzt worden, erklärt Bürgermeister Bernd Knoll. Ziel sei eine "Verbesserung der innerörtlichen Verkehrsverhältnisse" - so hieß es in der Begründung des Gemeindevertreterbeschlusses vom Juli 2006. Dort stand auch: Anwohner müssten später einen Teil der Kosten tragen. Die Endabrechnung des Straßenbaus vom August 2009 listet 95 000 Euro auf, davon 57 000 für die Anwohner.

Grundstücksbesitzer protestierten. Gutshaus-Besitzer Felix Lüdemann klagte, da er 6800 Euro berappen soll. Für eine Straße, gegen die er von Anfang an Sturm gelaufen sei. Seine Klage vom Dezember 2009 vor dem Verwaltungsgericht Schwerin ist anhängig. Er pocht auf den besonderen Stellenwert des Ensembleschutzes der Gutshausanlage. Nach seiner Überzeugung hätte dort nie eine Asphaltstraße gebaut werden dürfen. Lüdemann spielte die Klaviatur der Beschwerde: an die untere Denkmalbehörde, die Kommunalaufsicht, Ministerien...

Die Gemeinde schuf dagegen Fakten. Im Juli 2008 informierte sie die Anwohner über das Straßenbau-Vorhaben. Nach Meinung Lüdemanns ein Dreiviertel-Jahr, nachdem der Bau begonnen hatte. Denn bereits im September 2007 sei mit der Entwässerung der Straße begonnen worden.

Ein Schreiben aus der Sternberger Verwaltung ist nun Wasser auf die Mühlen des Gutshaus-Besitzers. Verwaltungschef Jochen Quandt erklärt darin, dass die verantwortliche Firma gelben Splitt auf der Straße, der den Farbton an die Umgebung anpassen sollte, nicht aufgebracht habe. Die Firma sei mittlerweile in Insolvenz. "Eine Durchsetzung des Anspruchs auf Nachbesserung ist wegen fehlender Insolvenzmasse ... nicht möglich", so Quandt.

"Die Straße ist nicht fertig", schlussfolgert Lüdemann und fragt: Wie aber konnte die Gemeinde dann über das Amt Ausbaubeiträge von Anwohnern kassieren?

"Grundsätzlich ist festzustellen, dass die Baumaßnahme wie geplant abgeschlossen ist", hält Jochen Quandt dagegen. Im Oktober 2008 sei die Straße "komplett abgenommen" worden; allerdings sei der Splitt "mangelhaft" gestreut worden. Zu einer festgelegten Nachbesserung sei es wegen Insolvenz der Firma nicht gekommen. Quandt stellt klar: "Die gebaute Straße ist voll funktionstüchtig. Sie besitzt lediglich einen optischen Mangel." Laut Kommunalem Abgabengesetz sei damit "die sachliche Beitragspflicht entstanden". Das heißt: Anwohner müssen ihren Anteil an der Straße tragen. Die Gemeinde Weitendorf habe "alle Rechnungen vertragsgemäß bezahlt".

Aus Sicht der Verwaltung ist die Straße nicht bereits 2007 begonnen worden. Im November 2007 sei eine Vorflutleitung gebaut worden - da zuvor Regenfälle für Überschwemmung auf Nachbargrundstücken sorgten. Der Bau sei nötig gewesen, um das Wasser abzuleiten - "unabhängig davon ob ein Straßenbau erfolgt oder nicht". Quandt: "Es bestand dringender Handlungsbedarf." Es habe sich also um zwei gesonderte Baumaßnahmen gehandelt. Erst 2008 sei der Regenwasserkanal der neuen Straße angeschlossen worden, gegen die sich Anwohner bis heute wehren.

Landkreis Parchim beruft sich aufs Land

Bürgermeister Bernd Knoll unterstreicht die Argumentation der Verwaltung - und schiebt nach: "Es ist eine Leitung gebaut worden, an die dann die Straßenentwässerung angeschlossen wurde. Das kann man nicht teilen."

Die Kommunalaufsicht beim Landkreis Parchim verweist zur Straßenasphaltierung am geschützten Gutshaus auf die Zustimmung des Landesamtes für Kultur und Denkmalschutz. "Die untere Denkmalschutzbehörde hat sich dieser Entscheidung angeschlossen", so Vize-Landrat Andreas Neumann.

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