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Lokales

11. Dezember 2017 | 06:54 Uhr

Strandvogt sorgt für Ordnung

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erstellt am 13.Mai.2010 | 05:51 Uhr

Warnemünde | Er ist der "Sittenpolizist", Ordnungshüter und Ansprechpartner am Warnemünder Ostseestrand: Hans-Jürgen Otto (53) behält seit fünf Jahren den Überblick auf dem sieben Kilometer langen Abschnitt von der Warnemünder Mole bis zum Kap Stolteraa. Auch in dieser Saison übernimmt er wieder die Aufgabe des Strandvogts, ist seit vergangenem Montag im Einsatz.

Besonders in Warnemünde, mit seinen vielen Feriengästen und Tagesbesuchern, gibt es die unterschiedlichsten Konflikte am Strand. Da steht an erster Stelle die Ordnung und Sauberkeit. Otto sorgt dafür, dass keine Hunde an den Badestrand mitgenommen werden, dass kein Feuer entzündet wird oder zu laute Musik die Urlauber stört. Natürlich kann er nicht überall zur gleichen Zeit sein, trotzdem ist er aber variabel im ganzen Strandgebiet anzutreffen. "Ich erzähle den Gästen, wo der Hunde- und FKK-Strand ist und wo sie grillen können. Ich belehre Wassersportler und erkläre, wo man Lenkdrachen steigen lassen darf", sagt er. Es ginge darum, Besucher zu informieren und grundsätzlich die Strandsatzung durchzusetzen. Besonders Hundehalter müsse er oft des Platzes verweisen, "da sich kaum einer an die Beschilderungen hält." Auch Radfahrer sind oft dort unterwegs, wo sie es nicht sollen. "Zu meinem Einsatzbereich zählt ebenso die 3,5 Kilometer lange Promenade vom Leuchtturm bis zum Hotel Stolteraa. Dieser Bereich ist als Gehweg ausgewiesen. Doch für Radler ist es oft die bequemere Variante als die Straße." Zumindest für das Müllproblem gibt es inzwischen eine Lösung: "Nicht nur Besucher, sondern auch Möwen verteilen immer wieder den Abfall. Nun gibt es verschließbare Tonnen, die die Tiere daran hindern."

Eingesetzt von der Tourismuszentrale, liegt ein wichtiger Schwerpunkt seiner Arbeit auch darin, Kontakt zu den Gewerbetreibenden zu halten. Das heißt zu Strandkorbvermietern, dem Betreiber des Trampolins und zu jenen, die verschiedene Arten von Wassersport anbieten. Er verteilt Veranstaltungsplakete, schaut, was sich über die Winterpause verändert hat und ist mobiler Informationsgeber. Das gehörte auch zu den Aufgaben in seiner ersten Arbeitswoche. Von 10 bis 19 Uhr sind seine regulären Einsatzzeiten. "Aber das hängt auch von Veranstaltungen, wie beispielsweise der am Wochenende dort anberaumten Beachvolleyball-Landesmeisterschaft, ab. Dann kontrolliere ich, ob beim Aufbau die Vorgaben beachtet werden", so der gelernte Kaufmann. Aber der Arbeitsalltag richtet sich auch nach der Witterung. Wenn es regnet, lohnt es nicht.

Wenn Otto am Strand gesehen wird, ist die Reaktion der Besucher weitestgehend verständnisvoll. Doch "natürlich hat man immer Personen dabei, die diskutieren".

Die Bezeichnung des Strandvogts galt einmal einer Person, die während und nach Stürmen an Küsten darauf achtete, dass bei Schiffbrüchen verunglückte Menschen und Güter gerettet wurden. Die Bergung, Identifizierung und Bestattung Ertrunkener fiel ebenfalls in den Aufgabenbereich. Das ist heute nicht mehr so. "Im letzten Jahr gab es keine, doch 2008 sogar mehrere Badeunfälle", erzählt er. Dann muss er jedoch dabei helfen, die Schaulustigen vom Geschehen fern zu halten, damit der Rettungsdienst nicht behindert wird. Solche Momente machen ihn betroffen. Er rät: "Man sollte nicht überhitzt baden gehen und auch beachten, dass es eine Unterströmung durch den Schiffsverkehr gibt." Aus diesem Grund sei das Schwimmen an der Mole auch verboten. Hinweistafeln und Verbotsschilder würden das verdeutlichen. "Ich empfehle jedem Gast, sich die Tafeln an den Strandaufgängen genau durchzulesen. Eltern sollten mit ihren Kindern dort Treffpunkte vereinbaren", denn pro Saison müssen fünf bis zehn Kinder gesucht werden, die ihre Eltern in den Menschenmassen verloren haben. "Es ist auch wichtig zu wissen, wo sich der nächste Rettungsturm befindet, dort können Personen ausgerufen werden." Insgesamt sieben gibt es am Strand.

Ursprünglich aus Berlin stammend, zog es den 53-Jährigen 2000 an die Ostsee. "Die Küste hat mich gereizt", sagt er. Vor seiner Funktion als Strandvogt war er bereits Praktikant und Mitarbeiter in der Tourismuszentrale, sammelte ausreichend Erfahrungen. Hans-Jürgen Otto wird die Polizei nicht ersetzen können, aber immerhin zur Ordnung beitragen. Dafür ist der Austausch mit dieser sowie der Wasserwacht unerlässlich. Abends übernimmt der Sicherheitsdienst die Kontrolle über den Strand.

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