zur Navigation springen

Schwerin - Zippendorf: Gläubigerbank in finanziellen Schwierigkeiten : Strandhotel kurz vor Zwangsversteigerung

vom

Der Traum vom Multimedia-Kongresszentrum ist zerplatzt, jetzt müssen sich die Schweriner wohl auch vom Hotelprojekt verabschieden: Die Verhandlungen um die Zukunft des Strandhotels sind ins Stocken geraten.

svz.de von
erstellt am 19.Apr.2011 | 01:38 Uhr

Schwerin | Der Traum vom Multimedia-Kongresszentrum am Zippendorfer Strand ist zerplatzt, jetzt müssen sich die Schweriner wohl auch vom Hotelprojekt in 1a-Lage verabschieden: Die Verhandlungen rund um die Zukunft des Strandhotels sind ins Stocken geraten. Das erklärt der Hamburger Insolvenzverwalter Stephan Münzel, der das Objekt seit Juni 2010 betreut. Aktuell gäbe es lediglich ein ernstzunehmendes Kaufangebot über zwei Millionen Euro von einem Berliner Investor, der dort altersgerechte Wohnungen bauen möchte.

Die Investorensuche für das 1910 gebaute Hotel gestalte sich aus drei Gründen problematisch, so der Rechtsanwalt. "Laut Bebauungsplan ist eine Nutzung als Hotel vorgesehen, bei einer durchschnittlichen Betten-Auslastung in Schwerin von 28 Prozent ist das aber nicht rentabel", so Münzel. Für Ketten wie die Stei gen berger-Gruppe sei das Gebäude zu klein, für Individualisten zu groß - und mit der Lage am Wasser könne man angesichts der nahen Ostseestrände nicht punkten. Auch die derzeitig strengen Denkmalschutzauflagen schreckten potenzielle Investoren ab, da Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen stark eingeschränkt würden. "In der Schweriner Behörde sitzen aber vernünftige Leute, mit denen man über alternative Konzepte sicher reden kann", so der Hamburger Rechtsanwalt.

Letztes Problem sei schließlich die finanzierende Bank, die Hypo Alpe Adria aus Österreich. Sie war zu Zeiten der Finanzkrise in die Negativ-Schlagzeilen geraten. Als sie 2009 nicht mehr über das nötige Eigenkapital verfügte, wurde sie von der Republik Österreich übernommen. Für die in Schieflage geratene Bank gibt es derzeit offenbar wichtigere Probleme als ihr Engagement in Schwerin. Die Mittel, die sie dem Insolvenzverwalter für das Strandhotel zur Verfügung stellt, reichten gerade aus, um das Gebäude vor dem völligen Verfall zu bewahren und notdürftig zu sichern. Mit der Zahlung der Grundsteuer an die Stadt Schwerin sei man bereits in Verzug geraten. "Wir standen schon kurz vor der Zwangsversteigerung", sagt Münzel.

"Münzel&Böhm" hat schon mehrere Immobilien in Schwerin betreut. Das Büro mit Sitz in Winterhude zählt nach eigenen Angaben zu den 50 Top-Insolvenzkanzleien in Deutschland. Stephan Münzel wagt eine Prognose für das Strandhotel: "In den nächsten fünf Jahren wird es verkauft sein, schließlich ist die Lage zu gut. Meiner Ansicht nach hat es allerdings nur eine Zukunft als Wohnstandort - mit ein bisschen Glück kann dort sogar ein innovatives Projekt mit mehreren Generationen und sozialer Durchmischung verwirklicht werden."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen