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Asbest im Straßenbelag: Grabower Bürgerinitiative wehrt sich : Strafanzeige gegen Schult gestellt

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Anwohner gründeten eine Bürgerinitiative, weil sie um ihre Gesundheit fürchten. Zwei widersprüchliche Gutachten und niemand, der ein Machtwort sprechen will - in Grabow erregt Asbest im Straßenbelag die Gemüter.

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erstellt am 22.Mär.2011 | 08:42 Uhr

Grabow | Anwohner gründeten eine Bürgerinitiative, weil sie um ihre Gesundheit fürchten. Zwei widersprüchliche Gutachten und niemand, der ein Machtwort sprechen will - in Grabow erregt Asbest im Straßenbelag die Gemüter.

"Am Donnerstag der letzten Woche haben wir nun über einen Ludwigsluster Rechtsanwalt Strafanzeige gegen den Bürgermeister von Grabow, Ulrich Schult, sowie dessen Bauamtsleiter Peter Neumann gestellt. Und zwar wegen des Verdachtes der Körperverletzung und Gesundheitsgefährdung der Anwohner des Blievenstorfer Weges und des Weges zur Hechtsforthschleuse sowie der Rudolf-Tarnow-Straße", gibt sich Thomas Holke kämpferisch. Der 53-Jährige wohnt seit 1998 im Blievenstorfer Weg und gehört mit zur Bürgerinitiative, in der sich nach seinen Worten "fast alle Anwohner" engagieren. Es sei ganz klar Gefahr im Verzug, deshalb bestehe unverzüglicher Handlungsbedarf, ist sich der gebürtiger Grabower sicher. "Doch bei der Stadt wird nur rumgeeiert. Dabei ist auf den etwa 1200 Metern, über die wir sprechen, Asbest in gesundheitsgefährdendem Ausmaß vorhanden."

In einem Gutachten des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg vom 17. Januar dieses Jahres, das Holke als Kopie präsentiert, und dem Bürgermeister zugegangen sei, steht es schwarz auf weiß. "Trotz der immer noch lückenhaften und auch widersprüchlichen Datenlage über die tatsächliche Menge und die konkrete Herkunft der verbauten Materialien ist das Ausmaß der vor Ort nachgewiesenen Asbestverunreinigungen so hoch, dass der Sachverständige nicht ausschließen konnte, dass, zumindest zeit- und stellenweise vom Straßenkörper eine konkrete Gesundheitsgefahr ausgeht. Vor allem, wenn es in Folge von Auflockerungen des Straßenkörpers in den betreffenden Bereichen zu einer Staubentwicklung kommt", heißt es wörtlich in dem StALU-Schreiben, das von Edgar Neuwirt als Sachbearbeiter unterschrieben wurde. Deshalb bestehe Handlungsbedarf zur Gefahrenabwehr, heißt es unter anderem weiter.

Wege jeden Tag mit Wasser befeuchten

"Das ist ja wohl eine eindeutige Aussage, an der es nichts zu rütteln gibt. Umso unverständlicher ist das Zögern der Stadt", sagt Thomas Holke, der für sich und seine Familie eine große gesundheitliche Gefahr sieht. "Wir müssten hier die unbefestigten Wege jeden Tag mit Wasser sprengen, damit es zu keiner Staubentwicklung kommt. Das ist schon eine Zumutung. Doch viel schwerer wiegt die Tatsache, dass hier Geld gegen Gesundheit aufgerechnet wird."

Im April letzten Jahres waren die drei genannten Zuwegungen mit Recyclingmaterial von einer Rostocker Firma ausgebessert worden. Kurze Zeit später waren Asbestbrocken gefunden worden. Auf der jüngsten Stadtvertretung hatten die Volksvertreter sich geeinigt, dass im Falle einer akuten Gesundheitsgefährdung etwa 1000 Tonnen Straßenmaterial ausgekoffert und ersetzt werden könnten. Dafür sollen aus der Rücklage der Stadt etwa 240 000 Euro entnommen werden. Doch diese Maßnahme sieht Schult als noch nicht notwendig an.

"Ein Gutachten, das wir als Stadt in Auftrag gegeben haben, sagt, es gibt keine Gesundheitsgefährdung. Und immer hören wir nur Worte, wie eventuell, vielleicht und könnte. Jedoch nichts Konkretes", sagt Bürgermeister Ulrich Schult. Der Strafanzeige gegen sich und seinen Bauamtsleiter sieht er deshalb gelassen entgegen.

"Wenn die Bürgerinitiative meint, sie müsste mich anzeigen, weil ich angeblich nichts mache, dann müssen sie das tun." Das Problem für ihn sei , dass keines der bisherigen Gutachten zweifelsfrei eine gesundheitliche Gefährdung für die Anwohner bestätige. Dass sich Asbest im Straßenkörper befinde, nannte Schult "sehr schlecht". Er habe deshalb auch Anzeige gegen Unbekannt gestellt.

Beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg in Schwerin geht man offensichtlich von einer akuten Gesundheitsgefährdung aus. "Die Stadt Grabow ist selbst in der Pflicht, eine von ihr verursachte Gefahr zu beseitigen. Denn sie hat die Firma mit den Ausbesserungsarbeiten im letzten Jahr beauftragt. Die Kommune muss also nun auch gegen das Unternehmen rechtlich vorgehen", sagt Jean Weiß, Pressesprecher der Behörde, die das zweite Gutachten in Auftrag gegeben habe.

"Wenn uns Informationen vorliegen, dass es eine mögliche gesundheitliche Gefährdung für die Bevölkerung gibt, dann müssen wir als Behörde eingreifen. Das geht uns auf jeden Fall dann etwas an. Und unser Gutachten gibt schon einen Handlungsanlass." Außerdem ermittle in diesem Fall bereits auch die Staatsanwaltschaft, betont Weiß.


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