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Lokales

21. September 2017 | 09:04 Uhr

Stillstand im Morgengrauen

vom

svz.de von
erstellt am 26.Okt.2010 | 06:01 Uhr

Prignitz | Warnstreiks deutschlandweit bei der Bahn: Auch bei der Prignitzer Eisenbahn (PEG) standen gestern zeitweise alle Räder still. Zwischen 5 und 7 Uhr beteiligten sich die Mitarbeiter an einer Arbeitsniederlegung. Ziel ist ein neuer Tarifvertrag mit verbesserten Konditionen für die Mitarbeiter. Denn bei der PEG sollen die Mitarbeiter am Monatsende etwa 20 Prozent weniger in der Lohntüte haben als bei der Deutschen Bahn. "Ich habe mich aus Solidarität an dem Warnstreik beteiligt", sagte gestern ein Zugführer. Auch wenn es nicht wirklich leicht gefallen sei, die Arbeit ruhen zu lassen, denn eine richtige Streik- bzw. Protestkultur wie in Frankreich kenne man hier schließlich nicht. Die meisten Reisenden, so der Zugführer, hatten sich auf den angekündigten Warnstreik eingestellt. Es gab nur wenige, die überrascht am Bahnsteig standen. "Es muss sich hier bei uns und im Land mal endlich was bewegen", meinte der Zugführer, zumal die PEG-Mitarbeiter noch zusätzlich von der Unsicherheit geplagt seien, was mit ihnen und der PEG perspektivisch geschieht. Denn die Arriva-Deutschland, zu der die PEG gehört, soll zum Jahresende verkauft werden. Wie es weiter geht, wisse im Moment niemand. "Deshalb ist das alles umso wichtiger", äußerte der Zugführer, bevor er die Türen seines Zuges schließt und in Richtung Neustadt/Dosse abfährt.

An dreas Schmidt von der Gewerkschaft Transnet wertet den Warnstreik als vollen Erfolg. Wie er gestern in einem Telefonat mit unserer Redaktion verdeutlichte, wollte man mit den Aktionen gezielt die PEG und die Geschäftsführung der Arriva-Deutschland treffen. "In der Prignitz blieben gestern früh alle Züge stehen. Nur einer fuhr - allerdings mit erheblicher Verspätung", konstatiert Schmidt. Zehn aktive Kollegen hätten gestreikt, unterstützt wurden sie von weiteren Mitarbeitern, die sich zu diesem Zeitpunkt nicht im Dienst befanden, aber so ihre Solidarität bekundeten. "Rund 90 Prozent aller Eisenbahner in Deutschland werden vernünftig bezahlt und arbeiten zu ordentlichen Konditionen. Die verbleibenden zehn Prozent allerdings liegen deutlich unter diesem Niveau. Dazu gehören auch die PEG- und Arriva-Mitarbeiter. Mit einem Branchentarifvertrag, den wir für alle Berufsgruppen fordern, wollen wir verhindern, dass sich die Lohnspirale weiter nach unten dreht", begründet der Gewerkschafter und ergänzt, dass insbesondere im Nahverkehr der Wettbewerb über die Löhne geführt werde.

Auf den beiden Linien, die die PEG in der Prignitz fährt - Pritzwalk-Meyenburg und Pritzwalk-Neustadt/Dosse - wurde gestern früh Schienenersatzverkehr eingerichtet, informiert das Bahnunternehmen in einer Pressemitteilung. Linien der Prignitzer Eisenbahn, hieß es, seien nur in Berlin und Brandenburg betroffen gewesen, in Nordrhein-Westfalen habe es keine Beeinträchtigungen gegeben. Ob und wann es weitere Streiks geben werde, konnte Andreas Schmidt gestern noch nicht sagen. "Wir erwarten Angebote der Arbeitgeberseite. Danach werden wir entscheiden."

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